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Auch dieses Sturmgemälde muss zum Leben erweckt werden.

Städel hat ein Tablet-Spiel entwickelt

Ein Speer für den Fischer

Mit „Imagoras“ können Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene spielend die Welt der Kunst entdecken.

Von CARA VON STOCKERT

Ich sitze – fluchend auf das Tablet starrend – in meiner Küche und habe das Gefühl, dass ich das Bild „Winterlandschaft bei Antwerpen mit Schneefall“ des flämischen Malers Lucas van Valckenborch (1535–16597) mittlerweile auswendig kenne. Ich spiele das erste Kapitel von „Imagoras – die Rückkehr der Bilder“, ein vom Städel entwickeltes Spiel, das Kindern und Jugendlichen Kunstwerke näher bringen soll. Insgesamt kann man sich durch sechs Kapitel spielen, in denen jeweils drei Gemälde verschiedener Epochen behandelt werden.

Dem Mann, der dort hinten ein kleines Loch ins Eis gehackt hat, um Wasser heraus zu schöpfen, muss ich einen Speer bringen. Also mache ich mich auf die Suche.

Ich tippe auf eine Astgabel. Dann auf einen spitzen Kirchturm. Zu jedem Objekt, das ich antippe, flötet der Erzähler los und erzählt mir eine kleine Anekdote.

Klickt man versehentlich noch einmal auf das Objekt, bricht der Sermon von neuem los. Er kann nicht übersprungen werden. Aber man hört Andreas Fröhlich, der einem auch packend die Steuererklärung vorlesen könnte, gerne zu. Doch da gibt es ja auch noch den Fluxwirbel!

Mein kleiner Begleiter Flux, eine Mischung aus Farbpalette mit Gesicht und Steinkreis, hat den Wirbel geöffnet, damit ich in die anderen Bilder „springen“ kann. Er ist wirklich ganz süß und bringt in fast jedem Satz ein Filmzitat und einen Spruch aus der Küchenpsychologie an.

Ein kurzer Abriss der Rahmenhandlung: Lebensmut und Fantasie sind aus der Welt der Bilder verschwunden. Nun liegt es an mir, den Figuren zu helfen: Holz für die alte Frau am Feuer, Mut für die Wachmänner oder eben einen Speer für den Eisfischer. Mit Flux tauche ich in die Bilder ein, bekomme detaillierte Einblicke und bewege mich mit streichendem Finger durch die gepinselten Welten. Ohne es zu bemerken, setze ich mich mit Kunstwerken auseinander, muss jede winzige Nuance beachten. Um den Speer zu finden, bringt mich der Fluxwirbel in ein anderes Bild: „Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe“.

Endlich! Ein Soldat will einen wütenden Löwen mit einem Speer töten! Flux nimmt den Speer für mich mit, und ich habe dem Mann auf dem Eis geholfen. Wenn ich keine Lust habe, den Aufgaben nachzugehen, kann ich mir auch über die angetippten Figuren Geschichten erzählen lassen.

Allerdings müssen die Aufgaben erfüllt werden, wenn ich das nächste Kapitel beginnen will. Ich muss mir Zeit nehmen, mich auf die Suche und die Details einlassen.

„Imagoras“ ist für Kinder ab acht Jahren entwickelt. Aber das Rätselraten im interaktiven Bilderbuch macht auch Erwachsenen Spaß. Allerdings ist das Spiel leider nur für das Tablet verfügbar. Da ich keins besitze, konnte ich das Spiel auch nicht zu Ende spielen. Sollte es irgendwann auch für das Smartphone erhältlich sein, kann man mich demnächst wahrscheinlich in der Bahn sitzend schreien hören: „WO IST DIESER VERDAMMTE SPEER?“

Dann werden Sie wissen, worum es geht. Sie müssen nur die Augen offen halten. Im Internet:

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