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?Ich suchte nach einem Sinn als Schüler?: Stadtschulsprecher Kevin Saukel.

Friedrich-Dessauer-Gymnasium

Stadtschulsprecher Kevin Saukel: "Schule ist veraltetes Konzept"

Als Stadtschulsprecher will Kevin Saukel Frankfurts Schulen verbessern und seine Mitschüler für Politik begeistern. Er kümmert sich um Probleme, organisiert Projekte und Diskussionsveranstaltungen. Freizeit kommt für ihn dabei zu kurz.

Es ist eine ehrenamtliche Arbeit, die ihm etliche Stunden in der Woche kostet: Kevin Saukel setzt sich als Stadtschulsprecher für die Frankfurter Schüler ein. Der 17-Jährige vertritt rund 70 000 Mittelstufen- und Oberstufenschüler. Er koordiniert die Arbeit des StadtschülerInnenrats (SSR), der ihn auch ins Amt gewählt hat. Die Presse kontaktieren oder Petitionen einreichen – Saukel ist jedes Mittel recht, um auf Missstände in Schulen aufmerksam zu machen, seien es unsanierte Schultoiletten oder veraltete Computer. „Solche Zustände dürfen an Schulen nicht Standard bleiben“, fordert Saukel. Der Stadtschulsprecher schlüpft durch sein Engagement „aus der Rolle des Beschwerenden heraus“, wie er sagt, und wird zum Akteur.

Saukel, Oberstufenschüler am Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Höchst, kümmert sich um E-Mails und Briefe, organisiert Projekte und Veranstaltungen. So lud er vor der Oberbürgermeisterwahl Kandidaten ein, um mit Schülern zu diskutieren.

Außerdem geht er immer wieder persönlich an die Schulen, um mit den Schülern im Gespräch zu bleiben. Dadurch erreiche man sie am besten, sagt er. Denn neben seinem Ehrenamt ist Saukel ja selbst noch Schüler, „eigentlich im Hauptberuf“, meint er schmunzelnd. Wie findet er noch Zeit zum Lernen? 37 Schulstunden die Woche stehen auf seinem Stundenplan. Im Durchschnitt ist er aber nur bei 30 anwesend. Wenn er bei Veranstaltungen oder Treffen des SSR ist, dürfen ihm seine Lehrer keine Fehlstunden anrechnen. Die Entschuldigungen dafür darf er sich selbst schreiben. Die Arbeit im SSR hat für Saukel Priorität. „Mir geht es nicht um ein Einser-Abitur, aber ich wünsche mir manchmal schon mehr Zeit für die Schule“, sagt er. Verpasste Unterrichtsinhalte muss er selbstständig nachholen.

Die doppelte Arbeitsbelastung ging nicht spurlos an ihm vorüber. Saukel erlitt vor einigen Monaten seinen ersten Burnout. Stress und Schlafmangel machten ihm schwer zu schaffen. „Ich wünsche niemandem den Stress, dem ich ausgesetzt bin“, sagt Saukel. Deshalb sein Amt aufzugeben, habe er aber nie in Erwägung gezogen. Stattdessen ermutigt er Schüler dem SSR beizutreten. „Ich suchte nach einem Sinn als Schüler“ – mit diesem Gedanken fasste Saukel vor zwei Jahren den Entschluss, dem SSR beizutreten. Er wollte damals mehr als nur stellvertretender Schulsprecher an seinem Gymnasium sein und strebte daher nach „Höherem“.

Seine derzeitige Arbeit bezeichnet Saukel als Vorbereitung auf die Zukunft, nicht nur für sich selbst, sondern auch für den SSR. „Ich erleichtere die Arbeit künftiger Generationen, indem ich neue Kommunikationswege errichte“, sagt der 17-Jährige selbstbewusst. Durch seine Arbeit muss er in der Freizeit auf vieles verzichten. Jugendliche seines Alters treffen sich, machen Sport. Saukel hingegen sitzt bis in die Nacht vor seinem Rechner und plant schon für die kommende Veranstaltung. Dabei findet seine Arbeit nicht immer Gehör: Nur wenige seiner Mitschüler wissen sein Engagement zu schätzen, obwohl er sich für ihr Wohl einsetzt.

Doch das hält ihn nicht davon ab, sich weiterhin für Projekte wie „Schule als Staat“ einzusetzen, in der sich die Schule für einige Tage in einen eigenständigen Staat verwandelt und die Schüler verschiedene Berufe und Funktionen übernehmen. Dadurch lernen sie spielerisch, wie Politik funktioniert. Wenn es nach Saukel ginge, gäbe es solche Projekte viel häufiger. „Die Schule, wie wir sie heute kennen, ist ein veraltetes Konzept“, betont er und erzählt von Schulen ohne Lehrer und mit Fächern wie „Verantwortung“. Für ihn gibt es keine unmöglichen Wege. Den Schülern etwas beizubringen, sie zu motivieren sei das höchste Ziel. Sein Wunschberuf ist daher Lehrer.

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