Harmonische Ehe

Stetiger Wandel festigt die Liebe

Die meisten Ehen heutzutage gehen nach einigen Jahren wieder auseinander. Deshalb ist es selten für ein Paar, im hohen Alter noch eine glückliche und gesunde Beziehung zu führen. Doch trotz 60 Jahren Ehe sprechen Leander und Hildegard Wschetezka, 85 und 84 Jahre alt, von einer immer noch glücklichen „Märchenehe“. Doch die Wschetzkas haben immer noch Pläne, so etwa für das Jahr 2020.

„Religion und Gemeinschaft war schon immer wichtig für uns“, erzählt Hildegard Wschetezka und sieht ihren Ehemann Leander zärtlich an. Wohl auch deshalb hält ihre Ehe seit über 60 Jahren. Kürzlich feierte das Paar aus der Huizener Straße Diamanthochzeit.

Hildegard Wschetezka weiß noch genau, wann sie ihren Leander das erste Mal getroffen hat. „Das war am 15. Januar 1950, da war ich gerade mal 16 Jahre alt. „Wir haben uns in einem Tanzkurs der Kirche kennengelernt.“ Leander Wschetezka ergänzt: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Dabei lachen beide. Und er meint, dass es amüsant sei, sich an die vergangenen Zeiten zu erinnern.

Die Frage, was ihnen im Leben am wichtigsten sei, beantworten beide unisono: „Vertrauen und Liebe natürlich, das steht an erster Stelle. Wenn man jemanden wirklich liebt, ohne die Beziehung auf die Sexualität zu reduzieren. Heutzutage steht die leider im Vordergrund, aber das ist für uns nicht die Hauptsache. Liebe ist etwas ganz anderes: Wenn man das Glück hat, jemanden zu finden, bei dem man auch nach 60 Jahren noch sagen kann, dass man sich liebt. Allerdings muss man sagen, dass sich die Empfindung der Liebe im Zusammenleben verändert.“

Weiterhin führt sie aus: „Es kommen viele andere Einflüsse hinzu. Wenn man frisch verheiratet ist, steht das Zusammenleben und der körperliche Kontakt im Vordergrund. Im Laufe der Zeit kommen Kinder, der Beruf und das alltägliche Zusammenleben dazu. Und wenn man dann nicht in der Lage ist, sich Zeit für den anderen zu nehmen, sieht es für ein Zusammenleben schwierig aus. Es ist also wichtig, dass man versucht, auch bei äußeren Umständen immer diese Zweisamkeit zu behalten.“

All diese Aussagen bestätigt Leander Wschetezka durch ein Nicken. Und er wirft ein, dass diese Zweisamkeit besonders wichtig ist, „wenn es mal Krach gibt“. Daraufhin lacht seine Ehefrau und erzählt, dass sie früher immer eine Fahne im Flur aufgestellt haben. Wenn sie steht, ist alles in Ordnung. Wenn aber jemand sie hinlegt, möchte derjenige in Ruhe gelassen werden, weil er schlecht gelaunt oder sauer auf den anderen ist.

„Liebe bedeutet für uns beide definitiv Vertrauen und Zärtlichkeit. Das muss noch nicht einmal die Sexualität sein. Wenn man den anderen Menschen berührt, muss man spüren, dass da eine Verbindung ist. Das ist für uns sehr wichtig. Und es sind auch all die anderen Dinge, die zu der Liebe dazugehören, weil Liebe vielfältig ist: Freude, Zärtlichkeit, Lächeln, Umarmungen zum Beispiel.“ In diesem Punkt sind sich beide einig.

Für Leander Wschetezka ist es auch besonders wichtig, dass man in schwierigen Zeiten „nicht sofort das Handtuch schmeißt“, sondern sich an die vielen schönen Zeiten und Erlebnisse erinnert, die man gemeinsam verbracht hat. Dazu lächelt sie und fängt an, von einer ihrer zahlreichen Reisen zu erzählen, die sie mit ihrem Ehemann gemacht hat.

„Das war 1962, da haben wir an einem Wettbewerb einer Zeitschrift teilgenommen. Bei diesem Wettbewerb wurde das glücklichste Ehe- oder Liebespaar gesucht, das dann eine Kreuzfahrt nach Amerika gewinnt. Da haben wir gewonnen. Wir waren sogar in der Zeitung, das war toll!“ Bei dieser Erinnerung lachen beide glücklich.

Das Ehepaar ist sich einig, dass ihr Ehepartner alles für sie bedeutet. Hildegard Wschetezka fügt noch hinzu, dass es für sie ganz schlimm wäre, wenn ihrem Ehemann etwas zustoßen würde.

Dann fällt ihr noch etwas ein: „Es ist ganz wichtig, Freude miteinander zu haben und dass man einen großen Freundeskreis hat, in dem man bei Problemen aufgefangen wird. Das ist ungeheuer wichtig! Wir haben einen großen Freundeskreis gehabt, aber leider sind schon viele verstorben.“ Sie deutet auf eine Vitrine, in der sehr viele Bilder von ihnen stehen. „So haben wir all unsere verstorbenen Freunde immer bei uns.“ Dabei lächelt sie traurig, und ihr Ehemann nickt zustimmend.

Laut Hildegard Wschetezka ist es nach einer so langen Beziehung vor allem wichtig, dass man ehrlich zueinander ist und Probleme gemeinsam anpackt. Man solle sich nicht davor scheuen, den anderen auf Dinge hinzuweisen und diese dann auch gemeinsam anzugehen.

Das erklärt sie mit dem Beispiel, dass beide auf ihre Gesundheit achten müssen. Wenn also einer nicht auf seine Gesundheit achte, der andere aber schon, könne das sehr bald zu Schwierigkeiten führen. Auch für den Gesunden, weil er sich dann kümmern müsste oder im schlimmsten Fall alleine dastehen würde. Deswegen sollten Probleme immer gemeinsam angepackt werden.

Für das Ehepaar Wschetezka bedeutet Religion sehr viel. „Wenn man in der Lage ist, mit seinem Gott über seine Probleme zu sprechen, ist das eine Erleichterung. Man bekommt zwar keine Antwort, aber dass man sich danach wohlfühlt, ist das Wichtigste. Das hat uns immer geholfen. Wir sind christlich erzogen worden, aber diese Einflüsse haben sich erst im Laufe unseres Lebens bemerkbar gemacht. Außerdem haben wir, als wir 2004 von Frankfurt nach Bad Vilbel gezogen sind, zeitig durch die Sankt-Nikolaus-Gemeinde neue Freunde gefunden.“

In der Zukunft freut sich das Ehepaar Wschetezka besonders auf den Hessentag, der 2020 in Bad Vilbel stattfinden wird. Den wollen sie gemeinsam mit ihrem Sohn, der Schwiegertochter und ihrem zwölfjährigen Enkel erleben.

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