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Zwei Polizeibeamte demonstrieren in Wiesbaden den Einsatz einer Drohne.

Sicherheit

Streifenboote, Segways und Drohnen: Ausstattung der Polizei ist vielfältig

Der Fuhrpark der Polizei ist so vielfältig wie ihre Einsätze. Technische Neuerungen machen die Ausstattung noch effektiver und bunter. Manches muss aber erst getestet werden. Und die Gewerkschaft hat noch Wünsche.

Flugzeug, Videostreife, Streifenboot und Pferde: Neben 1500 zusätzlichen Polizeibeamten bis 2022 setzt das Innenministerium auch „auf eine schlagkräftige und zuverlässige Ausstattung“, wie Innenminister Peter Beuth (CDU) sagt. Im Doppelhaushalt 2018/19 stünden für Fahrzeuge und Geräte 136,7 Millionen Euro zur Verfügung. Neue Einsatzfahrzeuge werden in Pilotprojekten getestet.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wünscht sich trotz aller Fortschritte bei der technischen Ausstattung der Streifenwagen für jedes Präsidium ein gepanzertes Fahrzeug für Bedrohungslagen. Zudem ziehe sich die Ausstattung der Funkwagen mit digitaler Technik hin, sagte der GdP-Landesvorsitzende Andreas Grün. Österreich und die Niederlande seien in diesem Punkt viel weiter. Der Fuhrpark der hessischen Polizei im Überblick:

  Segway: Bei der Hessischen Polizei sind 17 Segways im Einsatz. Die selbstbalancierenden Elektro-Stehroller erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern und können mit einer Ladung der Lithium-Ionen-Akkumulatoren bis zu 38 Kilometer zurücklegen. Die meisten sind beim Polizeipräsidium Westhessen im Einsatz. „Segways sind für den Bürger gut sichtbar und kommen insbesondere in Städten und Fußgängerzonen zum Einsatz, aber auch auf Großveranstaltungen wie dem Hessentag“, sagt der Sprecher des Innenministeriums, Michael Schaich.

  Schwalbe: „Moderne Technik im nostalgischen Schwalben-Look verspricht die bei der Polizei derzeit getesteten Elektro-Schwalbe“, sagt Schaich. Derzeit werden vier Elektroroller beim Polizeipräsidium Mittelhessen acht Wochen lang getestet. In der Pilotphase wurden die Elektro-Schwalben vor allem für Botengänge zwischen den verschiedenen Sicherheitsbehörden genutzt. Sie könnten aber auch für die „Schutzmänner vor Ort“ geeignet sein. Diese Beamten tragen dazu bei, Probleme und Sorgen in den Kommunen frühzeitig zu erkennen und Abhilfe zu schaffen. Außer mit den umweltfreundlichen Retro-Kultrollern fahren die Beamten in Mittelhessen auch Pedelecs.

  Videostreife: In Frankfurt, Mittel- und Südhessen gibt es seit rund einem Dreivierteljahr zwölf Videostreifen. Die Streifenfahrzeuge der Autobahnpolizeien sind mit je einer hochauflösenden Front- sowie Heckkamera ausgerüstet. Mit diesem nach Angaben des Innenministeriums bundesweit einmaligen Pilotprojekt dokumentiert die Polizei das Fehlverhalten von Rettungsgassenblockierern. So können – ohne Zeitverlust – Verstöße auf der Fahrt zur Unfallstelle beweissicher aufgezeichnet werden.

  Videokrad: Mit sechs zivilen Motorrädern macht die Polizei seit Ende Juni Jagd auf rücksichtslose Verkehrsteilnehmer. Die sogenannten Videostreifen-Krads sind mit Frontkameras ausgestattet. So können die Beamten hochauflösende und beweissichere Aufnahmen erstellen. Dabei haben sie vor allem Motorradfahrer im Blick, die sich nicht an Verkehrsregeln halten. Der Test läuft in der Zweiradsaison noch bis Oktober. Ziel sind weniger Unfälle mit Zweiradfahrern. Krad ist im Polizeijargon Abkürzung für Kraftrad.

  Kleindrohnen: Für die Erprobung von Kleindrohnen sind Beamte der Polizeidienststellen in Nord-, Mittel- und Südhessen bei der Polizeifliegerstaffel Hessen zu Luftfahrzeugfernführern ausgebildet worden. Sechs Polizei-Kleindrohnen sind derzeit landesweit im Einsatz. Die Testphase des Pilotprojekts hat im Februar begonnen. Die Einsatzschwerpunkte liegen auf der Tatortarbeit bei Kapitaldelikten und der Aufnahme von schweren Verkehrsunfällen sowie der Aufklärung bei Gefahrenlagen – etwa wenn Gefahrstoffe ausgetreten sind. Dabei gelten für die Kleindrohnen feste Bestimmungen: Sie dürfen nur tagsüber, in Sichtweite und nicht höher als 50 Meter fliegen. Flüge über Menschenansammlungen sind verboten. Auch für verdeckte Maßnahmen sowie für die Suche nach vermissten oder sonstigen polizeilich relevanten Menschen, Sachen oder Tieren sind sie nicht geeignet.

  Flugzeug: Das nach Darstellung des Innenministeriums in Deutschland einzige Flugzeug „P 68 Observer 2“ setzt die Polizei seit 2012 ein – in Zusammenarbeit mit Rheinland-Pfalz. Es dient vor allem zur Unterstützung der Verkehrsüberwachung, für Such- und Fahndungsmaßnahmen sowie zur Aufklärung und Dokumentation. Stationiert ist das Flugzeug bei der Polizei-Fliegerstaffel in Egelsbach.

  Hubschrauber: Drei Polizeihubschrauber sind in Hessen unterwegs – tagsüber und nachts. Sie werden bei Such- und Fahndungsmaßnahmen, Aufklärung und Dokumentation sowie Observation und Verkehrsüberwachung eingesetzt. Sie werden vor allem eingesetzt, um den Verkehr in besonders heißen Phasen auf den stark befahrenen Autobahnen zu überblicken. Bei der Suche nach vermissten oder flüchtigen Menschen sind sie ebenfalls hilfreich. Sie sind mit Foto und Video ausgestattet und können so schnell qualitativ hochwertige Bilder liefern. Mit den Hubschraubern werden in Zusammenarbeit mit Spezialkräften aber auch Verletzte transportiert. Sie stehen wie das Flugzeug bei der Fliegerstaffel in Egelsbach.

  Streifenboote: Die Hessische Wasserschutzpolizei verfügt über 20 Streifenboote unterschiedlicher Größenordnung sowie ein Sonarboot. Zwei neue schwere Streifenboote werden derzeit beschafft. Die Flotte wird zudem um drei Festrumpf-Schlauchboote ergänzt, die bis zu 80 Kilometer pro Stunde fahren können. Die Polizeiboote sind sowohl auf Flüssen und anderen öffentlichen Gewässern unterwegs und überwachen die Berufs- und Sportschifffahrt. Sie kommen aber auch im Umwelt- und Naturschutz zum Einsatz. Die Dienststellen der Hessischen Wasserschutzpolizei liegen am Rhein (Gernsheim, Wiesbaden und Rüdesheim), am Main (Frankfurt), an der Lahn (Weilburg), am Eder- und Diemelsee (Waldeck) sowie in Kassel (Fulda, Werra, Weser).

  Wasserwerfer: Um bei Demonstrationen große und gewaltbereite Menschenmengen unter Kontrollen zu halten, setzt die Polizei Wasserwerfer ein. Drei gibt es in Hessen. Als mobiles Spezialfahrzeug werden sie auch „zur Bekämpfung von Gefahrenquellen“ eingesetzt, dazu gehören beispielsweise brennende Barrikaden. Die Wasserwerfer haben bis zu 408 PS unter der Haube, können mit 16 bar eine Wassermenge verbreiten und haben 10 000 Liter Fassungsvermögen.

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