+
Passt der Schal? Und der Rock? Leoni Rechenberger und Noemi Müller schauen sich kritisch im Spiegel an. Fotos; Jochen Reichwein

Öko-Kleidung

Test: Der Wert von Klamotten

Ja klar, die meisten unserer Klamotten werden irgendwo weit weg produziert, für faire Löhne und Umweltstandards interessiert sich dort keiner. Mit dem Thema haben wir uns erst beschäftigt, als wir für PJZ über den Wert von Kleidung schreiben wollten. Und in einem Ökoladen gelandet sind.

Nein, so ein Laden wäre uns nie aufgefallen. Über Öko- und Fair-Trade-Klamotten wussten wir bisher noch nicht so viel. Wir kaufen uns das, was uns gerade gefällt und modern ist. Klamotten sind uns wichtig, insofern haben sie einen großen Wert für uns. Einerseits. Andererseits sind sie ziemlich wertlos, denn wenn man sie mal ein Jahr anhatte, sind sie oft schon wieder aus der Mode und landen in der Kleidersammlung.

Nun stehen wir also an einem Freitagnachmittag in der Bad Homburger Innenstadt bei Maas Natur, weil wir uns mal Klamotten anschauen und testen wollten, für die ganz andere Werte gelten als die, die uns bisher wichtig waren. Das Geschäft in Bad Homburg gibt es seit zehn Jahren, die Firma Maas Natur mit Sitz in Gütersloh hingegen schon seit 1985. Was hier verkauft wird, ist alles aus Materialien gefertigt, die aus biologischem Anbau beziehungsweise biologischer Tierhaltung stammen. Hergestellt wird fast alles in Deutschland und dem europäischen Ausland. „Für unsere Wollprodukte haben wir zwei Strickereien in Ostwestfalen“, erläutert Filialleiterin Gabriele Balitzki. Genäht werde dann in Tschechien. Das meiste, was aus Baumwolle ist, werde in der Türkei hergestellt. „Wir haben dort sieben Produktionsstätten, mit denen wir fest zusammenarbeiten. Angebaut wird die Baumwolle ebenfalls in der Türkei“, berichtet Balitzki. Seit Neuestem gibt’s auch Klamotten aus indischer Bio-Baumwolle, die dort in zertifizierten Betrieben weiterverarbeitet wird. Nicht alles entwirft und produziert Maas selbst, die Firma verkauft auch ein paar andere Labels – natürlich aus der Ökobranche. Klingt alles sehr gut, aber wollen wir das auch anziehen?

Uns fällt in dem Laden gleich auf, dass sich das Sortiment weitgehend auf Kinder und Erwachsene beschränkt. Für Jugendliche ist die Auswahl ziemlich gering. Gibt es einen speziellen Grund dafür? „Ich glaube, es ist im ökologischen Bereich sehr schwierig, Jugendliche als Kunden zu gewinnen, denn in diesem Alter werden Klamotten von H&M bevorzugt“, meint Balitzki. „Wir haben hier in Bad Homburg ein eher älteres Publikum. Das ist in unseren Läden in Unistädten wie Münster und Konstanz anders.“

Ob wir hier etwas finden, was uns passt und gefällt? Auch Balitzki scheint sich nicht so sicher zu sein. Zunächst schauen wir uns nach einfarbigen Pullovern um, und tatsächlich finden wir drei wirklich schöne. Danach schauen wir uns in der eher kleinen Abteilung für Hosen um. Dort fällt uns eine Sache besonders auf: Die Auswahl an Größen und Modellen ist gering. Gerade mal sechs Hosen stehen zur Auswahl. Im Vergleich zu H&M und Co. ist das sehr wenig. Dennoch finden wir beide eine Jeans, die passt.

Nach langem Suchen und Anprobieren von Hosen und Pullis kommt Balitzki mit einem superschönen Jumpsuit aus reiner Baumwolle auf uns zu. Wir hätten einen so schönen Jumpsuit in einem Ökoladen nicht erwartet. Der Stoff ist weich, und angezogen gefällt er uns sehr gut. Als Highlight erfahren wir, dass der Jumpsuit das GOTS-Siegel hat. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) wird weltweit für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern angewandt. Er legt umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette fest sowie Sozialkriterien. Nachdem wir das Siegel erst mal kennengelernt haben, finden wir es in vielen Kleidungsstücken wieder sowie Zertifikate wie die vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) und das Fair-Trade-Siegel.

Wir sind positiv überrascht, dass wir uns in den Klamotten so wohlgefühlt haben. Unsere Einstellung zu Öko-/Fair-Trade-Läden hat sich komplett verändert. Die Auswahl ist bunt und schön. Es gibt viele moderne Klamotten, aber auch vieles für Ältere. Wir selbst werden in Zukunft ein bisschen mehr drauf achten, was wir einkaufen. Jetzt kennen wir ja einige Zertifikate und wissen, worauf es ankommt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare