Selbstverteidigung

Trainieren bis zur reinen Perfektion

Kung-Fu ist eine Verteidigungskunst, bei welcher es darum geht, sie nur im Notfall einzusetzen. Christian Lutz und Thomas Tuerkis von der Trainingsschule Kung-Fu Spirit in Niederdorfelden erzählen über ihre Leidenschaft und zeigen die unterschiedlichsten Übungen.

Das legendäre „Kung-Fu“ ist heute eigentlich nur der Überbegriff für mehrere chinesische Kampfsportarten. Eine davon ist zum Beispiel das Wushu. Dieses ist ein Kampfsport, der mit modernen Techniken angereichert ist. Ein anderes Beispiel ist das Wing Chun. Das ist erst im 19. Jahrhundert und bildet das Fundament für komplexere Kampfstile.

Ursprünglich war das Kung-Fu der chinesische Ausdruck für eine bestimmte Fertigkeit in reinster Perfektion. Es war ein Werk, welches mit schier übermenschlichem Einsatz, Ausdauer, Willen und Geschick erlernt werden musste. Auch heutzutage geht es darum, verschieden Techniken bis zur Vollkommenheit zu erlernen und zu wiederholen. Es handelt von dem Respekt gegenüber den Gegnern und dem Wunsch, die Kampfkunst nur in der Not einzusetzen. Lutz meint: „Es geht um das Nicht-Kämpfen, und nicht um das Kämpfen.“

Das traditionelle, „richtige“ Kung-Fu entwickelte sich dabei bereits vor über 4500 Jahren. „Doch erst in der Ming-Dynastie rund 4000 Jahre nach der Entstehung des Kung-Fu erlebte der Kampfsport seine Blütezeit“, sagt Lutz. „Damals wurde er von ungefähr 2500 Kampfmönchen trainiert und gelehrt.“ Während der darauf folgenden Qing-Dynastie von 1644 bis 1911 wurde allerdings jegliche Form des Kampfes verboten. Das asiatische Kung-Fu konnte sich allerdings trotz dieser Unterdrückung halten, da die Kampfkunst ohne Waffen ausgeübt wird.

Auf den ersten Blick scheint es im Kung-Fu um das Kämpfen zu gehen. „Doch in Wahrheit geht es um viel mehr als nur das“, verrät Lutz. Beschäftigt man sich nämlich etwas genauer mit dieser Kampfsportart, so erkennt man, dass viele verschiedene Werte beim Praktizieren des Kung-Fu gelehrt werden. Dabei geht es nämlich hauptsächlich um Disziplin und Selbstkontrolle. Diese und weitere Werte werden neben den verschiedenen Arten der Kampfkunst geschult. Ein Beispiel wäre der Respekt vor dem Gegner. Außerdem wird viel Wert auf Loyalität und Aufmerksamkeit gelegt. Letzteres ist besonders wichtig, wenn neue Techniken erklärt werden. Unachtsamkeit und dergleichen wird auf diese Weise Stück für Stück beim Training und dadurch auch aus dem gesamten Alltag nach und nach entfernt.

Die asiatische Kampfkunst hat viele verschiedene Auswirkungen auf unser Leben. Sie fördert beispielsweise die Selbstkontrolle oder auch die Beweglichkeit. Zudem sorgt Kung-Fu für eine bessere körperliche Fitness und kann Menschen mental beeinflussen. Auch wird die Aufmerksamkeitsspanne durch das intensive Training gefördert.

Oft wird die als Gewalt fördernd angesehene Kampfkunst auch zur Prävention von Aggressionen und Gewalt herangezogen. Durch den kontrollierten Abbau von Wut und Frust wird das Selbstwertgefühl und die Frustrationstoleranz gefördert. Lutz erklärt: „Die Schüler des Kung-Fu werden dazu animiert, ihre überschüssige Kraft nicht in Gewalt eskalieren zu lassen, sondern sie im Sport umzusetzen.“ Auch tragen Werte des Kung-Fu zum Aggressionsabbau bei.

Christian Lutz fing bereits mit fünf Jahren an, Kampfsport zu betreiben. Anfangs praktizierte er Judo und wechselte erst einige Jahre später zum Kung-Fu. Aus Leidenschaft gegenüber der besonderen Kampfkunst und wegen seinem Wunsch nach Weitergabe gründete Lutz mit Thomas Tuerkis, welchen er bei einem Sondertraining kennenlernte, 2008 die Kampfkunstschule Kung-Fu Spirit in Niederdorfelden.

Diese spielen eine große Rolle, weshalb die Trainingsmethoden für die verschiedenen Jahrgänge stark variieren. Doch insbesondere Kinder profitieren langfristig von dem werteorientierten Kampfkunstunterricht. „In den Anfängergruppen werden zunächst die Bewegungsabläufe verinnerlicht und das Abbauen eventuell vorhandener Hemmungen trainiert“, erklärt Lutz. „Außerdem wird den Kindern Respekt gegenüber Mitmenschen beigebracht.“ Disziplin ist ebenso ein wichtiger Teil des langen Trainings. Sie wird intensiv gefördert, um die hohen Ansprüche des Unterrichts zu erfüllen. Zudem werden den Kindern Traditionen in spielerischer Art und Weise näher gelegt. In den Fortgeschrittenen – Gruppen dagegen werden hauptsächlich Techniken verfeinert und perfektioniert. Viele werden anfangs denken: „Wie, es gibt gemischte Gruppen?! Das ist doch nicht fair! Jungs sind schließlich viel stärker als Mädchen!“

Doch aus genau diesem Grund trainieren Mädchen und Jungs bei Kung-Fu Spirit zusammen. Im wahren Leben werden Frauen häufig von Männern angegriffen oder bedroht und umgekehrt. Deshalb bereiten diese gemischten Gruppen deutlich besser auf eventuelle Bedrohungen vor, als es reine Mädchen- und Jungs Gruppen es je könnten.

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