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Keiner da, der Unterricht macht: Weil Lehrer fehlen, steigt auch die Zahl der Unterrichtsstunden, die ausfallen.

Schule

Unterrichtsausfälle sorgen für kontroverse Debatte im Landtag

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Seit Monaten erhitzt der Ausfall von Unterrichtsstunden die Gemüter in Hessen. Auch im Landtag kochte das Thema gestern wieder hoch. Und dabei zeigten sich wieder einmal, dass Landesregierung und Opposition auf keinen grünen Zweig kommen, vor allem wenn es um genaue Daten geht.

Gibt es in Hessen einen massiven Unterrichtsausfall, über den der Kultusminister die Öffentlichkeit täuscht oder ist in Wahrheit alles halb so schlimm und Hessen geradezu ein bildungspolitisches Musterland? Christoph Degen hat dazu eine dezidierte Meinung: „Die Landesregierung leugnet den Unterrichtsausfall und verstrickt sich ständig in Widersprüche,“ kritisierte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion gestern im Landtag.

Völlig anders sieht Kultusminister Alexander Lorz die Sache: Von Unterrichtsausfall, also Pflichtunterricht, der ersatzlos wegfällt, kann nicht die Rede sein“, konterte der CDU-Politiker die Vorwürfe. Natürlich sei mal ein Lehrer krank oder mit einer Klasse unterwegs, doch diese Ausfälle würden schulintern kompensiert. Gleichzeitig verwies Lorz auf eine 105prozentige Lehrerversorgung an den Schulen. Dennoch könne nicht hinter jeder Lehrkraft eine zweite abrufbare Kraft zur Verfügung stehen.

Es waren dies zwei Redebeiträge, die den Riss verdeutlichen, der sich durch die hessische Bildungspolitik zieht, wenn es um die Schule geht. Wie tief dieser ist, zeigte sich wieder einmal in der gestrigen Debatte, die sich vor allem um das Thema Daten drehte. Munition lieferte das Ergebnis einer Umfrage unter Schülern, deren Ergebnisse die Landesschülervertretung (LSV) einen Tag vorher veröffentlicht hatte. Darin war in einer Momentaufnahme vom 11. April von als 1600 Stunden ausgefallenen Stunden die Rede, von denen knapp 1550 vertreten wurden.

Eine Steilvorlagen für die Opposition. „Die Zahlen zeigen deutlich, was Eltern und Lehrer schon lange mitteilen“, keilte Degen in Richtung Lorz. „So lange Sie keine eigenen Daten liefern, glaube ich den Schülern.“ Es sei durchaus möglich, eine entsprechende Statistik zu erheben, sagte der SPD-Politiker und verwies auf die Beispiele Bayern, Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen: In NRW etwa würden rollierend Daten von Schulen abgefragt und hochgerechnet. „Warum nicht auch in Hessen?“, fragte Degen.

„Es kann nicht sein, dass tagtäglich tausende Unterrichtsstunden ausfallen und die Landesregierung behauptet, die Schulen hätten eine hundertprozentige Unterrichtsabdeckung“, schloss sich der FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich der Kritik an. Es sei nicht richtig, dass dem Ministerium keine Daten vorlägen. Die Abwesenheitszeiten würden von jeder Schule in Papierform gemeldet. Deshalb seien sie nicht elektronisch auswertbar.

Gabi Faulhaber von der Linken forderte eine Bedarfsanalyse, wie viele Lehrkräfte tatsächlich an den hessischen Schulen benötigt werden. Ein Kultusminister sollte den Bedarf kennen und genau wissen, ob seine derzeitige Personalpolitik ausreichend ist.

„Wir brauchen keine Statistiken, wir müssen etwas tun, um den Lehrermangel zu bekämpfen und genau das machen wir“, ergänzte Mathias Wagner von den Grünen. Gleichzeitig räumte Wagner einen bundesweiten Lehrermangel ein, von dem auch Hessen betroffen sei.

In diese differenzierte Auseinandersetzung mischte sich der Redebeitrag von Armin Schwarz. Der CDU-Bildungsexperte bezeichnete die Umfrage der Landesschülervertretung als weder transparent noch repräsentativ. Zudem unterstellte er LSV-Chef Fabian Pflume, der Mitglied in der SPD ist, parteipolitische Motive (sieht Text rechts).

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