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Viele sind im Rausch der Kryptowährungen und versuchen, mit Bitcoins ein Vermögen zu machen. Illustration: Hannah Witteyer

Kryptowährungen

Vermögensverwalter: "Bitcoins sind reine Spekulation"

Sie sind der Traum der digitalen Goldgräber: Kryptowährungen haben in den letzten Jahren mit einer schwindelerregenden Wertsteigerung von sich reden gemacht, allen voran sogenannte Bitcoins. Der Limburger Vermögensverwalter Max Stillger erklärte im Gespräch mit PJZ-Autorin Leoni Dowidat, warum dem aktuellen Hype um das Geld aus dem Internet jedoch nicht zu trauen ist.

Herr Stillger, stellen Sie sich vor, ein Kunde käme zu Ihnen und wollte in Bitcoins investieren. Wie würde Ihr Gespräch ablaufen?

MAX STILLGER: Ich würde ihn zunächst fragen, welche Erfahrungen er bereits mit welchen Anlageoptionen gemacht hat. Wenn er bisher noch nie in Wertanlagen investiert hat, würde ich ihm mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit von Kryptowährungen abraten und ihn von einem sicheren Mischfonds überzeugen. Damit kauft er etwas, was sich über Jahrzehnte etabliert hat – Anteile von Firmen, die sich über Jahrzehnte etabliert haben. Außerdem kann ich ihm hier garantieren, dass er mit dieser Anlage nie einen totalen Wertverlust erleiden wird.

Besteht das Risiko denn bei Bitcoins?

STILLGER: Bitcoins sind pure Zockerei. Dazu muss man sich nicht einmal die Wertschwankungen über die letzten Jahre anschauen. Es genügt, wenn wir den Wert von heute Morgen (11 200 Euro) mit dem aktuellen Wert (10 300 Euro) vergleichen. Das sind immense Schwankungen. Da mache ich mir persönlich lieber einen schönen Abend in der Spielbank mit 1000 Euro, als sie auf diesem Weg zu verschleudern.

Wie erklären Sie sich denn dann den Hype, den die Bitcoins ausgelöst haben?

STILLGER: Der finanzielle Gegenwert der Bitcoins hat sich in den letzten zwei Jahren verfünfzigfacht. So etwas elektrisiert die Massen weitaus mehr als der übliche Renditerahmen von zehn bis 20 Prozent, das erzeugt eine gewisse Hysterie. Dabei kann man sie ein wenig mit Spielgeld vergleichen: Im Gegenteil zu nationalen Währungen sind Bitcoins begrenzt und werden einfach in ein Verhältnis zu „echten“ Währungen gesetzt. Außerdem werden sie nicht reguliert, und keine Stelle weiß, wer wie viele Bitcoins besitzt. Diese Undurchsichtigkeit erhöht natürlich auch das Risiko, dass sie verboten werden könnten.

Gibt es den typischen Bitcoin-Käufer?

STILLGER: Das ist der Typus Anleger, der auch sonst immer den aktuellen Trends hinterherläuft. Dabei vergessen viele einfach das hohe Risiko und sehen nur die hohen Rendite: Wer bisher immer einen Bausparvertrag hatte und nun auf einmal auf Bitcoins setzt … Das passt einfach nicht zusammen. Die Menschen müssen ihre finanzielle Schmerzgrenze erst einmal herausfinden. Bei der Volatilität nach oben sind die meisten Anleger schmerzfrei, doch genauso schnell kann es auch wieder nach unten gehen. Bitcoins würde ich tatsächlich näher an Sportwetten als an Aktien oder Anleihen ansiedeln. Und ich wette mit Ihnen, dass Sie niemanden finden, der in den letzten Jahren nur durch Sportwetten reich geworden ist.

Bitcoins könnten einfach aus Gründen der Transparenz verboten werden?

STILLGER: Genau, der Trend geht heute immer mehr in Richtung Kontrolle. Würden Bitcoins verboten werden, würde das ihren Wert ebenfalls erheblich schmälern. Ebenfalls wird sich auf Dauer auch die Spekulationskurve beruhigen und die Kursschwankungen viel geringer ausfallen, damit werden die Bitcoins sukzessiv an Bedeutung verlieren.

Wie lange geben Sie den Kryptowährungen denn dann überhaupt noch?

STILLGER: Das lässt sich so genau gar nicht sagen. Wenn wir in diesem Jahr noch ein erneutes Kurshoch erleben, geht das ganze Spiel von vorne los, ansonsten werden die enormen Kursschwankungen und damit das große Interesse der Massen am Bitcoin nach und nach abflachen. Und wenn der Bitcoin erst einmal untergeht, gehen die anderen Kryptowährungen mit ihm unter.

Wenn Sie derart vehement von Bitcoins abraten: Was empfehlen Sie Anlegern denn derzeit stattdessen?

STILLGER: Ich empfehle, in einen gut gemanagten Fonds mit soliden DAX-Werten zu investieren. Auf jeden Fall sollte man sein Vermögen jedoch gut streuen und nicht nur auf ein Pferd setzen und ein Teil des Vermögens immer liquide halten. Auch Geduld zahlt sich immer aus!

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