PrivatdozentDr. Christoph Langer
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PrivatdozentDr. Christoph Langer

Große FNP-Gesundheitsserie

Wenn die Pumpe schwächelt. . .

  • VonBarbara Schmidt
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Schon die alten Griechen sahen das Herz als wichtigstes Organ an. Und auch unsere Sprache verrät viel über die Bedeutung des Herzens, wird es doch gern mit einem Motor oder einer Pumpe verglichen.

Schon die alten Griechen sahen das Herz als wichtigstes Organ an. Und auch unsere Sprache verrät viel über die Bedeutung des Herzens, wird es doch gern mit einem Motor oder einer Pumpe verglichen. Klar, dass es Menschen als ganz besonders einschneidend erleben, wenn sich ausgerechnet hier leise Probleme bemerkbar machen.

Privatdozent Dr. Christoph Langer, Chefarzt der Kardiologie an den Kliniken des Main-Taunus-Kreises, weiß nur zu gut um die Ängste, die Patienten mit Herzproblemen mitbringen. Häufig sind es Anzeichen wie Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung, die auf Herzprobleme hindeuten. Ein Engegefühl im Brustkorb, Schwindel und Ohnmacht sind weitere mögliche Symptome. „Ein Herz, das nicht mehr genügend pumpt, kann den Sauerstoffbedarf der Skelettmuskulatur nicht mehr im erforderlichen Maß decken“, erläutert Langer.

Das Tückische: Probleme mit dem Herzen kann auch der haben, der keinerlei solche Warnzeichen registriert. „Der Patient erfährt möglicherweise nur einen Leistungsknick. Man spürt, dass man es einfach nicht mehr so bringt, wie noch einige Monate zuvor“, weiß Langer.

Eine Konsultation des Hausarztes ist in jedem Fall geraten. Findet dieser Anzeichen, die auf eine Herzerkrankung hinweisen, wird der Gang zum Kardiologen unausweichlich. Der Facharzt wird dann genauer untersuchen, was da nicht stimmt. „Wenn etwa die großen Herzkranzgefäße verengt sind, kommt es zu einer Unterdurchblutung des Herzmuskels. Das schränkt die Leistungsfähigkeit ein“, nennt Langer eine mögliche Ursache. Genauso gut könne aber auch eine strukturelle Erkrankung vorliegen, die im Herzmuskel selbst Probleme verursache. Solche Kardiomyopathien führen zu einer Verdickung des Herzmuskels oder zu einer Vergrößerung der Herzkammern. Ursache einer Kardiomyopathie können dabei auch andere Erkrankungen sein, wie etwa eine Virusinfektion, die den Herzmuskel befällt.

Die Herzklappen könnten ein weiterer Grund dafür sein, dass die Pumpe schwächelt. „Dann liegt das Problem auf der Ventilebene“, sagt Langer. Funktioniert der Schließmechanismus nicht mehr richtig, führt das dazu, dass das Ventil sich entweder verengt (Stenose) oder undicht wird (Insuffizienz). „Das ist eine sehr ungünstige Situation, denn bei einer höhergradigen Verengung pumpt das Herz gegen einen verstärkten Widerstand. Ist die Herzklappe undicht, muss das Herz unter Umständen viel mehr Volumen befördern. Beides kann zu einer Herzschwäche führen“, erläutert der Kardiologe.

Besonders häufig sehen der Chefarzt und sein Team noch eine weitere Herzerkrankung. „Es vergeht kein Tag, ohne dass Patienten mit Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel mit Vorhofflimmern kommen“, weiß Langer. Ein unregelmäßiger Herzschlag, „mal zu schnell, mal zu langsam“, beeinträchtigt dann ganz massiv das Wohlbefinden: „Das kann sich unter anderem in Luftnot äußern. Für den Patienten kann das beängstigend sein“, weiß der Herzspezialist. Unmittelbar lebensbedrohlich ist Vorhofflimmern meist nicht, doch das Embolie-Risiko durch Blutgerinsel, die auch zu einem Schlaganfall führen können, steigt.

Ist die Ursache der Herzbeschwerden erkannt, geht es um die individuell beste Form der Therapie. Eine medikamentöse Behandlung kann in vielen Fällen die erste Wahl sein. Immer häufiger sind Eingriffe mittels Herzkatheter. „Wir machen heute viel mehr interventionell als operativ“, nennt Langer den klaren Trend in der Kardiologie hin zu schonenden Verfahren. „Dabei wird vom Handgelenk aus das Herz sondiert“, erklärt Spezialist Langer. Ein durch die große Körper-Schlagader (Aorta) geführter dünner Kunststoffschlauch ermöglicht eine Untersuchung der Herzkranzgefäße. Über ihn wird mehrfach Kontrastmittel gegeben, was die Gefäße auf dem Röntgenbildschirm sichtbar macht. Verengungen durch Ablagerungen (Arteriosklerose) können oft gleich bei der Untersuchung mittels einer Aufweitung per Ballonkatheter und der Implantation einer Gefäßstütze, dem Stent, behoben werden.

„Weil sich das Herz die ganze Zeit bewegt, ist es vierdimensional und bei der bildlichen Darstellung eine besondere Herausforderung“, macht der Chefarzt deutlich. Neben einer ruhigen Hand und einem guten Auge erfordert die Arbeit im Katheterlabor daher viel Erfahrung. Mit der stetigen Verbesserung und Verfeinerung dieser invasiven Eingriffsmöglichkeiten gehen operative Eingriffe am Herzen laut Langer landesweit zurück. Muss ein Patient tatsächlich etwa einen Bypass haben oder eine neue Herzklappe, sind aber nach wie vor die Herz-Chirurgen gefragt. Das Fachgebiet Kardiologie ist mittlerweile so komplex, dass eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kliniken keine Seltenheit ist. Hinzu kommt, dass es auch beim Herzpatienten immer einen ganzheitlichen Blick auf die Krankengeschichte braucht. Schließlich können die Ursachen der Probleme auch bei anderen Organen liegen oder gar in der Psyche begründet sein. „Patienten mit Depressionen etwa bekommen häufiger einen Infarkt“, weiß der Experte.

Für ihn die wichtigste Lebensmaxime, um Herzproblemen vorzubeugen: „Das gesunde Maß halten.“ Das gilt beim Essen wie beim Alkoholkonsum und auch beim Sport. Nur beim Rauchen gibt’s für Langer kein gutes Maß. „Das sollte man ganz lassen“, empfiehlt der Kardiologe.

Wissenswertes

Medikamente nie eigenmächtig absetzen

Eine Pille gegen hohen Blutdruck, die nächste wegen der Schmerzen im Kreuz, dann noch eine für die grauen Zellen und nicht zu vergessen das blutverdünnende Mittel: Weil viele ältere Menschen an verschiedenen chronischen Erkrankungen gleichzeitig leiden, haben sie nicht selten einen ganzen Medikamenten-Cocktail, den sie täglich zu sich nehmen sollen. Da fällt es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Aus ärztlicher Sicht ist dies jedoch dringend erforderlich. „Die oft schweren, chronischen Krankheiten im Alter erfordern die richtige, regelmäßige Einnahme von Medikamenten“, darauf weist der Bundesverband Deutscher Internisten auf seiner Internetseite hin. Wer Neben- und Wechselwirkungen so weit wie möglich ausschließen will, sollte folgende Regeln beachten: O Informieren Sie Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, auch über   Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Heilmittel. O Erstellen Sie mit Ihrem Arzt zusammen einen Einnahme-Plan. O Hilfreich kann die Verwendung einer Arzneikassette sein, in der Sie für jeden Tag einer Woche jeweils für morgens, mittags und abends Ihre Tabletten sortieren. O Setzen Sie Medikamente nie eigenmächtig ab. Das kann bei bestimmten chronischen Erkrankungen fatale Folgen haben. O Beobachten Sie sich nach der Einnahme eines neuen Medikamentes und informieren Sie bei ungewöhnlichen Beschwerden Ihren Arzt.                 

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Fakten

69%  der pflegenden An gehörigen in Deutsch land sehnen sich nach einer Verschnaufpause. Bei einer Umfrage der Techniker Krankenkasse zur Pflege gaben zudem 62 Prozent der Befragten an, dass sie die Pflege ihrer Angehörigen viel von ihrer eigenen Kraft koste. 61%  der Frauen in Deutschland leiden dauerhaft  an Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen. Bei den Männern sind es 51 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Sogar bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren beträgt der Anteil derer, die „Rücken“ haben, 47  Prozent. 92,7%  der Deutschen ist Gesundheit im Alter viel wichtiger als ihr Aussehen. Im Alter weniger attraktiv zu sein, bereitet laut einer GfK-Umfrage nur jedem Vierten Sorge. Knapp zwei Drittel (63,2 Prozent) haben dagegen große Angst, später unter starken körperlichen Schmerzen zu leiden. Fast genau so viele (60,3 Prozent) fürchten, geistig nicht mehr fit zu sein. 

Link-Tipp

Worauf sollten ältere Menschen achten, wenn sie Sport treiben? Welche Sportart eignet sich für Diabetiker? Wie steht es mit Krebs und Sport? Wer darüber mehr wissen möchte, für den lohnt sich ein Besuch der Internetseite

des Deutschen Olympischen Sportbundes. Wer Anregungen für Übungen sucht, die er auch zu Hause für sich machen kann, um fit zu bleiben und Stürzen vorzubeugen, findet Anleitungen und Bilder auf der Seite des Deutschen Turnerbundes unter

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