Familie Schwaderlapp spielt ihr Spiel.
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Familie Schwaderlapp spielt ihr Spiel.

Pandemie

Familie erfindet Corona-Spiel: Wer dem Virus begegnet, muss in Quarantäne

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Familie Schwaderlapp aus Wiesbaden hat ein Corona-Spiel erfunden. Ziel ist es, überlebenswichtige Dinge einkaufen. Aber Vorsicht: Spielfiguren können sich mit dem Virus infizieren.

Die Grundregel lautet: Solidarität. Alle Spieler besorgen während der Pandemie für die Nachbarn die überlebenswichtigen Dinge in unterschiedlichen Geschäften: Nudeln, Mehl, Süßigkeiten, Seife, Toilettenpapier. Das ist nicht einfach. Denn Pandemiezeiten sind verrückte Zeiten. Vor jedem Würfeln muss eine Aktionskarte gezogen werden. Viren stecken Spielfiguren an, die sich sofort in Quarantäne zu begeben haben, ein Lockdown zwingt alle nach Hause, der Impfpass geht verloren oder das Toilettenpapier ist mal wieder ausverkauft. Gesiegt hat, wer als erstes die Einkäufe den Nachbarn nach Hause bringt.

Die Idee für das Brettspiel „Corona - Mit Eifer ins Geschäft“ haben sich die Schwestern Sarah und Lara Schwaderlapp aus Wiesbaden-Biebrich, heute 21 und 15 Jahre alt, an einem Abend im März 2020 ausgedacht. Sie wollten sich damit die Langeweile während der Kontaktbeschränkungen vertreiben. Freunde und Freundinnen fanden die Idee toll. Das Spiel wurde in kleiner Auflage produziert und die gesamte Familie eingespannt. Im März 2021 brachte der Spielehersteller Altenburg die zweite Auflage heraus. Aktuelle Entwicklungen wurden eingearbeitet: dass der Corona-Test positiv oder negativ ausfallen kann, dass eine Impfung Freiheiten bringt und ein Virus mutieren kann.

Corona-Spiel aus Wiesbaden: Familie Schwaderlapp mit eigenem Online-Shop

Ganz bewusst haben die Schwestern keine politische Botschaft verkünden wollen, sondern ausschließlich gelebte Erfahrung einfließen lassen, erzählt die 17-jährige Rebecca. 20 000 Spiele vertreibt die Familie Schwaderlapp nun in ihrem eigenen Online-Shop, für den sie die Gesellschaft „Creative Minds“ gründete. Das sind 49 Paletten, die der Verlag nach und nach nach Wiesbaden schickt. Mutter Paulette und die Zwillinge Sarah und Stella, die ältesten der vier Schwestern, sind für den Vertrieb zuständig. Gibt es viele Bestellungen, helfen auch die anderen Schwestern und Vater Benedikt beim Verpacken. Mutter Paulette ist froh, dass ein Großkunde aus Hamburg schon mal über tausend Spiele abgenommen hat.

Am Ende siegt die Solidarität bei diesem Spiel.

„Wir waren überrascht, dass die 2000 Spiele der ersten Auflage im November 2020 so schnell vergriffen waren“, berichtet Sarah. Und dass das Spiel so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Presseartikel werden veröffentlicht, das Fernsehen ist da, internationale Medien interessieren sich.

Corona-Spiel aus Wiesbaden geht um die ganze Welt

„Unsere Verwandten in den Vereinigten Staaten haben uns in ihrer Zeitung entdeckt“, so der Vater. „Al Arabiya“ habe berichtet, die „Jerusalem Post“ das neue Brettspiel auf der gleichen Seite wie einen Artikel über den Ex- Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gebracht und im Newsletter der deutschen Botschaft von Tansania habe ein Foto von Lara neben dem von Jens Spahn und Angela Merkel gestanden.

„Die Firma Altenburg hat uns beglückwünscht zu diesem Erstlingswerk“, erzählt Papa Benedikt Schwaderlapp stolz. Auf der Spielemesse in Essen im Oktober 2021 seien die Familie und ihr Spiel wohl das meistfotografierte Motiv gewesen. In Österreich und der Schweiz wird das Spiel über den Großhandel vertrieben.

„Corona - Mit Eifer ins Geschäft“: Wichtigste Regel ist Solidarität

Solidarität als Regel ist für die Schwaderlapps wichtig. Hamstern etwa ist im Spiel nicht erlaubt. Die Spieler haben nur die genaue Zahl an Produkten zu besorgen, die auf dem Einkaufszettel steht. Kommen die Spielfiguren plötzlich zu mehr Dingen als geplant, etwa, weil jemand Desinfektionsmittel verschenkt, müssen sie diese an einen Gartenzaun hängen. Balkonkonzerte erfreuen auch im Spiel die Gemüter. Zehn Prozent des Gewinns überweisen die Schwaderlapps an Bildungsprojekte in Uganda.

Für Mutter Paulette steht fest, dass das Spiel der Familie half, mit Leichtigkeit durch die Pandemie zu kommen. Sarah, die im dritten Semester Psychologie studiert, freut sich besonders darüber, dass das Corona-Spiel in psychiatrischen Therapieeinrichtungen genutzt wird, damit Patienten die schwere Zeit spielerisch verarbeiten könnten. Nicht umsonst werben Schwaderlapps mit dem Slogan: „Wer Corona nicht mehr hören kann, muss es einfach spielen!“ Das Spiel „Corona - Mit Eifer ins Geschäft“ gibt es für 34,50 Euro unter www.corona-brettspiel.de (Madeleine Reckmann)

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