+

Große FNP-Gesundheitsserie

Wohl und Weh des Rentnerlebens

Seit einiger Zeit liegt regelmäßig Werbepost von einem selbst ernannten Wunderheiler in meinem Briefkasten. Ein Versandhaus-Doktor aus den Niederlanden hat offenbar spitzgekriegt, dass ich nicht

Seit einiger Zeit liegt regelmäßig Werbepost von einem selbst ernannten Wunderheiler in meinem Briefkasten. Ein Versandhaus-Doktor aus den Niederlanden hat offenbar spitzgekriegt, dass ich nicht mehr der Jüngste bin und folglich unmittelbar vor dem Ableben stehe. Um das eventuell noch ein wenig hinauszögern zu können, empfiehlt mir der Medizinmann aus dem Käseland („Ich will Ihnen persönlich helfen!“) das Schlucken seiner Spezialpillen. Damit ich die Gelenke wieder schmerzfrei bewegen kann. Alternativ wäre auch ein Pülverchen für eine gesunde Prostata heilsam.

Nun knacken meine Gelenke zwar hin und wieder, doch das ist auch schon alles in puncto altersbedingte Wehwehchen. Deshalb kann der Ferndiagnostiker mit seinen angeblichen Fitmachern bei mir nicht landen. Und wegen der Prostata gehe ich brav einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung. „Alles in Ordnung“, hat der Urologe mir bisher bescheinigt.

Mit 67 fordern die Jahre auch bei mir ihren Tribut; das ist nicht zu leugnen. Die Augen sind nicht mehr die eines Habichts, der vom Vater geerbte Diabetes mahnt bei noch so leckerem Kuchen auf Mäßigung, und allein der Gedanke an den erhöhten Blutdruck lässt aufkommenden Ärger gleich wieder abflauen.

Auf den schriftlichen internistischen Befund, ich sei „in gutem Allgemein- und Ernährungszustand“ hätte ich gern verzichtet, war der Anlass des Checks doch ein gewaltiger Schock: Gerade mal zwei Monate nach meinem Eintritt ins Rentnerheer streckte mich ein Schlaganfall aus heiterem Himmel aufs Krankenhausbett. Vielleicht lag es ja an meinem „guten Allgemeinzustand“, dass alles relativ glimpflich abging. Einzige dauerhafte Folge: Ich muss nun zur Vorbeugung einige Medikamente schlucken. Allein aus diesem Grund habe ich kein sonderlich großes Verlangen nach Tabletten aus der Wundertüte des holländischen Gutmenschen.

„Hast du Urlaub?“, fragte mich kürzlich eine gute Bekannte im Supermarkt unseres kleinen Dorfes in der Rhön. „Ich bin schon seit zwei Jahren Rentner“, entgegnete ich, geschmeichelt ob der Einschätzung meines Alters. Mein Ruhestand begann mit 65 Jahren und zwei Monaten, so wie es das Gesetz für meinen Jahrgang 1948 offiziell vorschreibt. Wobei: Keinen Urlaub mehr zu bekommen und auch kein Urlaubsgeld – das ist schon irgendwie schade. Allerdings kann man als Rentner natürlich in Urlaub fahren, wenn keine Ferienzeit ist. Das macht’s doch erheblich angenehmer. Überhaupt kann man als Rentner wunderbar azyklisch leben.

Mittwochmorgens einkaufen zu gehen hat was oder dienstagnachmittags im fast leeren Wartezimmer zu sitzen. Auch ein Friseurbesuch in der Wochenmitte erspart die langen Wartezeiten am Wochenende – wobei dieser Gang in Anbetracht des immer spärlicher sprießenden Haupthaares ohnehin nur noch in längeren Intervallen nötig ist. Wieso müssen Rentner eigentlich mitten im dicksten Berufsverkehr mit der U-Bahn fahren, wenige Minuten vor Ladenschluss im Supermarkt einkaufen und montagmorgens beim Doktor im proppenvollen Wartezimmer hocken? Ich versteh’s nicht! In unserem 1000-Einwohner-Dorf werden Senioren von vielen Seiten umworben. Generationentreffen gibt’s da, Seniorenwanderfahrten und Spielenachmittage. Für verstaubte Wanderlieder im klapprigen Bus oder eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“ im stickigen Kneipensaal fühle ich mich noch zu jung. Lieber schwinge ich mich auf mein Trekkingrad zur Spazierfahrt durch die prächtigen Blumenwiesen und rauschenden Buchenwälder rund ums Dorf. Und setze mich auf die nächstbeste Bank, wenn mir danach ist. Oder ins Café am Wegesrand. Das macht Spaß und tut gut. Wo ich heute nicht mehr hinkomme, lass’ ich’s eben bleiben. Oder ich nehme mein schnelles Auto. Das flotte Fahren macht mir nach wie vor Riesenspaß.

Dieser hat allerdings auf unseren Straßen immer häufiger seine Grenzen. Die rasant alternde Gesellschaft bringt immer mehr hochbetagte Autofahrer mit sich und zunehmende Horrormeldungen über greise Unfallverursacher, die auch mit den Zweiten nicht besser sehen. Spätestens dann, wenn ein – laut Selbsteinschätzung – noch rüstiger Rentner feststellen muss, dass die vermeintliche bunte Straßenlampe am Fahrbahnrand eine Ampel ist, sollte er (oder sie) einen Besuch beim Augenarzt schleunigst vereinbaren oder besser gleich umsteigen auf 1 PS (pedes seniores, lat. Füße der Älteren).

Wobei zu Fuß gehen um Himmels willen nicht heißen soll, die Gegend mit Nordic-Walking-Stöcken zu verunsichern. Geschwader von fitnesssüchtigen Senioren machen die deutschen Lande und das angrenzende Ausland mit grimmigem Blick und klapperndem Gehwerkzeug unsicher. Oder sie lächeln beim scheinbar mühelosen Radeln auf steilen Bergstraßen – ein leise surrendes E-Bike macht’s möglich. Ganz schlimm wird’s, wenn sich die betagten Frischluftfanatiker in enge, knallbunte Outfits hineinzwängen, die sie früher niemals angezogen hätten.

Morgens aufwachen und Feierabend haben (wenn man will) – was gibt es Schöneres? Der tägliche Stress, der Termindruck ist weg – das vielleicht Tollste am Rentnerleben. Und, oh Wunder: Die hartnäckigen Magenprobleme, die viele Jahre mein lästiger Begleiter waren, sind verschwunden. Selbst die nervigen Erkältungen, die mich alle Jahre wieder im Frühjahr und im Herbst plagten, sind weg. Dabei hätte ich jetzt die Zeit, so was in Ruhe auszukurieren!

Wobei Rentner nie Zeit haben, wie man weiß. Wohl deshalb, weil sie im Ruhestand endlich Dinge tun können, zu denen sie im Berufsleben nie gekommen sind. So wie ich. Nach fast 40 Jahren im Büro hab’ ich jetzt endlich die Zeit zur Sanierung meines Elternhauses. Als Berufstätiger schafft man es unmöglich, die Termine mit den Handwerkern zu koordinieren, stets flexibel und immer vor Ort zu sein. Ich freue mich, das jetzt im Hinblick auf die Zukunft umsetzen zu können. Nach entsprechenden baulichen Veränderungen kann man bekanntlich länger in den eigenen vier Wänden leben. Der leichte Schlaganfall ist mir Mahnung genug.

Wissenswertes

Unreife Tomaten besser nicht essen

Finger weg von unreifen Tomaten! Sind Tomaten noch grün, die im reifen Zustand eigentlich rot wären, enthalten sie den giftigen Stoff Solanin. Der Verzehr kann – je nach aufgenommener Menge – zu Kopf- und Magenschmerzen, Üblekeit, Erbrechen sowie Kratzen und Brennen im Hals führen. Nicht zu verwechseln sind unreife rote Tomaten mit grünfleischigen Sorten, die sich vollreif leicht gelbgrün aufhellen. dpa

Singen kann Menschen mit Demenz helfen

Musik machen kann die Lebensqualität von Demenzpatienten verbessern. Darauf weist Prof. Theo Hartogh von der Universität Vechta hin. „Singen und musizieren ist auch dort möglich, wo es Gespräche nicht mehr sind", erklärt der Musikpädagoge. Denn auch wenn Betroffene mitunter vieles vergessen, sind ihnen altbekannte Lieder oft noch im Gedächtnis - und sie singen begeistert mit. Singen und musizieren erleichtere somit den Beziehungsaufbau zwischen Erkrankten und Pflegepersonal und schaffe Zugehörigkeit. Wenn nicht nur Altbekanntes, sondern darüber hinaus auch neue Lieder gesungen werden, rege das die Betroffenen zudem geistig an. dpa

Fakten

30,9 Kilogramm Fleisch haben Europäer im vergangenen Jahr durchschnittlich gegessen. Zum Vergleich: Die US-Amerikaner kommen auf 44,5, die Israelis gar auf 63 Kilogramm. Das geht aus Daten der Industrieländer-Organisation OECD hervor.

26 Prozent der Deutschen könnten sich vorstellen, sich bei Bedarf von einem Roboter pfelgen zu lassen. Das hat eine Umfrage im Auftrag des Bundesforschungsministeriums ergeben. 51 Prozent sehen großes Potenzial in der computergeschützten Überprüfung von Gesundheitsdaten.

62 Prozent der Bundesbürger sind mit ihrem Aussehen zufrieden. Das hat eine internationale Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergeben. Befragt wurden insgesamt 27.000 Verbraucher aus 22 Ländern. Besonders zufrieden mit ihrem Äußeren waren die Mexikaner (74%). Auf Platz zwei folgten die Türken (71%), den dritten Rang teilten sich die Brasilianer und Ukrainer (65%). Den negativen Spitzenplatz belegen die Japaner: Hier gaben 38 Prozent der Befragten an, mit ihrem Aussehen nicht zufrieden zu sein. Bei den Briten war es jeder Fünfte.

Link-Tipp

Mit welchen Übungen sich Senioren fit halten können, wie sie Stürzen vorbeugen und was nach einem Schlaganfall helfen kann – auf der Internetseite

finden Interessierte dazu viele hilfreiche Tipps und Anregungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare