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Blitze am nächtlichen Himmel über Frankfurt. (Archivbild)

Extremwetter

So wollen Katastrophenschutz und Bahn auf den Klimawandel reagieren

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Erst Hagel, Gewitter, dann ein Tornado, und für Ende Mai sagen die Meteorologen Temperaturen um die 30 Grad voraus: Das Wetter wird immer extremer in Deutschland. Das hat Folgen.

Bis Ende März war es eiskalt, es schneite sogar. Dann hatten wir den bislang wärmsten April in seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Und jetzt hat es Ende Mai fast 30 Grad. Davor Stürme, Hagel, Hochwasser, ein . Es gibt immer mehr Extremwetterlagen, die uns teuer zu stehen kommen. Warum? Der Klimawandel ist schuld.

Wie schwer es ist zu reagieren, zeigt sich an der Deutschen Bahn (DB). Immer wieder kommt es bei Extremwetter zu Ausfällen oder Verspätungen. Allein im vergangenen Jahr sind der Bahn dadurch Schäden im zweistelligen Millionenbereich entstanden. Die DB hat nun ein Konzept entwickelt, um beispielsweise die Gefahr auf die Gleise stürzender Bäume zu verringern. „Mehr Grünschnitt entlang den Trassen, widerstandsfähige Leit- und Sicherungstechnik, hitzeresistente Fahrzeugtechnik, baulicher Schutz und vor allem die weitere starke Reduktion des CO2-Ausstoßes stehen im Zentrum unserer Fünf-Punkte-Strategie“, sagt DB-Chef Richard Lutz. In den kommenden fünf Jahren sollen 625 Millionen Euro allein in das Vegetationsmanagement der Bahn investiert werden.

Auch die deutschen Versicherer kommt der Klimawandel teuer zu stehen. Im vergangenen Jahr zahlten sie zwei Milliarden Euro für Schäden, die durch Naturkatastrophen entstanden sind. Allein 300 Millionen Euro entfielen auf die Unwetterserie zwischen Ende Juni und Anfang Juli. Hoffnung auf Besserung gibt es nicht.

Das Wetter wird immer unbeständiger. „Das liegt zum einen daran, dass das Wetter variabel ist. Zum anderen aber auch am Klimawandel, den wir immer häufiger auch in Deutschland zu spüren bekommen“, erklärt Guido Halbig, Klimaexperte des Deutschen Wetterdienstes (DWD). In der immer wärmeren Atmosphäre könne der Wasserdampf besser gehalten werden, so komme es schnell zu Niederschlägen. „Die Erwärmung findet allerdings nicht überall auf der Welt gleich statt. Am Nordpol schreitet sie deutlich schneller voran.“ Durch den geringeren Temperaturunterschied zwischen Pol und Äquator veränderten sich die Strömungsmuster und somit auch die globale Wetterlage.

Weit vorausschauende, konkrete Vorhersagen sind unmöglich. „Bei Winterstürmen können wir etwa zwei bis drei Tage vorher sagen, dass sie kommen.“ Doch bei Sommerstürmen sei es schwerer: „Da können wir momentan erst eine halbe Stunde vorher warnen.“ Weshalb das so ist? „Sommerstürme entwickeln sich viel schneller.“ Momentan arbeite der DWD mit dem Katastrophenschutz daran, die Voraussage-Zeit auf eine Stunde zu erhöhen.

Für den Katastrophenschutz ist die Situation angespannt. Städte und Dörfer stehen unter Wasser, Waldbrände wüten, Orkane decken Dächer ab, oder Bäume liegen kreuz und quer. 2017 kamen Feuerwehrleute und Sanitäter in Hessen auf rund 3675 Einsätze wegen Unwetters und Stürmen. Die hessische Landesregierung hat 53 Millionen Euro in den Katastrophenschutz investiert, um Feuerwehren bestmöglich auszustatten. Hier liegt Hessen im Ländervergleich vorne. „Das Land hat umfänglich auf die neuen Herausforderungen reagiert. So haben wir aktuell Sonderschutzpläne zur landesweiten Hilfe und zur Waldbrandbekämpfung erstellt, die Handlungsgrundlage bei entsprechenden Katastrophenlagen bilden“, sagt Benjamin Crisolli, Sprecher des Hessischen Innenministeriums.

Was auf dieses heiße Wochenende folgt? Es wird schwül-warm, zeitweise heiß, und tagtäglich erwarten uns teils heftige Gewitter mit Unwetterpotenzial durch Starkregen und Hagel. „Wir werden uns an dieses Wetter in den Sommermonaten gewöhnen müssen. Die häufigen Witterungswechsel werden mehr werden, und die Jahreszeiten werden sich verschieben. Der Frühling schrumpft, die Winter gehen direkt in den Frühsommer über“, so die Prognose des Klimaexperten Halbig.

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