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Mit jungen Spielerinnen wie Tanja Pawollek (rechts) will FFC-Manager Siegfried Dietrich (links) wieder nach oben.

Interview

Manager des 1. FFC Frankfurt: "Hier wächst etwas zusammen"

Siegfried Dietrich, der Manager des 1. FFC Frankfurt, über Konzepte und die angedachte Kooperation mit der Eintracht.

Frankfurt - Siegfried Dietrich ist seit Jahren der mächtigste Mann beim Frauen-Fußballbundesligisten 1. FFC Frankfurt. Katja Sturm und Frank Hellmann unterhielten sich mit ihm über die angedachte Zusammenarbeit mit der Frankfurter Eintracht, über die Lage der Bundesliga und den frechen Sport der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.

Der VfL Wolfsburg hat das Double gewonnen, im Kader der deutschen Frauen-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Frankreich steht keine Spielerin des 1. FFC Frankfurt. Inwiefern verspüren Sie bei solchen Nachrichten Wehmut?

Das ist die aktuelle Situation. Wir können uns an Zeiten erinnern, in denen der 1. FFC Frankfurt die meisten Spielerinnen für die Nationalmannschaft gestellt hat, Nia Künzer mit dem Golden Goal beim WM-Finale 2003 oder Birgit Prinz und viele andere für den deutschen Frauenfußball Geschichte geschrieben haben. Der FFC hat also mit die Wurzeln gelegt, dass es auch heute weiterhin in die richtige Richtung geht. Wir haben früher gesehen, wie andere Vereine junge Spielerinnen entwickeln - und selbst davon profitiert. Jetzt sind wir auf einem guten Weg, mit eigenen Toptalenten wieder nach vorne zu kommen. In der nächsten Saison haben wir ein Sextett aus starken Nachwuchsspielerinnen, die auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg schon im Blick hat.

Können Sie mit diesem Konzept wieder oben in der Frauen-Bundesliga mitspielen?

Frankfurt ist ein super attraktiver Standort: mit der Historie, mit den Möglichkeiten drumherum. Ich bin mir sehr sicher, dass viele Spielerinnen, die wir auf hohem Niveau ausbilden, im Boot bleiben und wir in naher Zukunft wieder oben anklopfen können. Kaum einer hat uns zugetraut, dass wir nach dem Weggang vieler Leistungsträgerinnen Fünfter werden. Das nächste Jahr ist noch einmal eines der Entwicklung. Aber es wächst für die Zukunft hier etwas zusammen.

Die U-19-Nationalspielerin Sjoeke Nüsken als hoffnungsvoller Neuzugang hat sich bei einem Spiel ihres A-Junioren-Teams SV Westfalia Rhynern den Knöchel gebrochen. Wie geht es ihr?

Sie ist am vergangenen Donnerstag operiert worden. Jetzt muss man sehen, wie lange sie ausfällt. Sjoeke ist sicherlich das größte Talent, das es in Deutschland in ihrem Jahrgang gibt. Und sie wird zurückkommen: Denn sie ist eine ganz ehrgeizige Spielerin. Sie hatte vier, fünf andere Angebote, aber hat sich für den 1. FFC Frankfurt entschieden.

Müssen Sie nachjustieren?

Wir haben den Kader zu 90 Prozent, aber noch nicht ganz komplett. Einige junge Spielerinnen wie Tanja Pawollek haben sich jetzt schon zu Leistungsträgerinnen entwickelt, auch Laura Freigang, Janina Hechler, Sophia Kleinherne und Shekiera Martinez bestechen mit besonderer Qualität. Das sind die Gesichter der neuen Generation. Aber eine oder zwei Spielerinnen vertragen wir noch, die als Unterschiedsspielerinnen vielleicht auch die anderen mitziehen können.

Überall dominieren die Vereine unter einem Männer-Dach. Deswegen denkt der 1. FFC Frankfurt über eine Kooperation mit Eintracht Frankfurt nach. Wie ist der Stand?

Wir führen nach wie vor sehr gute Gespräche, weil viel zu klären ist, wenn man einen solchen Schritt gehen will. Ich bin sehr optimistisch, dass wir an einer guten Entwicklung arbeiten. Die Kooperation mit einem Männerverein ist grundsätzlich sinnvoll, um den Frauenfußball dort unterzubringen, wo die besten Strukturen und Möglichkeiten bestehen.

Gibt es einen Zeitplan?

Wir arbeiten völlig ohne Druck an der Sache. Wenn es etwas Gutes werden soll, muss es gut zeitlich geplant und inhaltlich konzipiert werden.

Würden Sie als Marke nicht etwas verlieren, unter das Dach der Eintracht zu schlüpfen?

Die Entwicklung ist in Europa sehr eindeutig, wer sich die Besetzung der Champions-League-Halbfinals anschaut (Olympique Lyon, FC Barcelona, FC Chelsea, Bayern München, Anmerkun der Redaktion). Wir haben mal angefangen bei einem Männerverein, der SG Praunheim, und dann Möglichkeiten gesucht, den nächsten Schritt zu gehen. Dafür haben wir uns als 1. FFC Frankfurt eigenständig organisiert und waren damit in Deutschland und Europa lange Zeit richtungsweisend erfolgreich. Jetzt ist die Entwicklung eine andere, für die es neue Überlegungen geben muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bedauern Sie das nicht?

Nein. Ich habe jahrelang den Männervereinen geraten, sie sollen in den Frauenfußball investieren. Ein Fußballverein sollte bestrebt sein, erfolgreich Männer- und Frauenfußball zu präsentieren. Da wir natürlich nicht die Möglichkeit haben, einen Männerverein bei uns aufzunehmen (lacht), ist die Eintracht für uns die richtige Adresse, um über Win-Win-Situationen zu sprechen.

Flyeralarm wird neuer Namenssponsor der Frauen-Bundesliga. Wie wichtig ist solch ein Partner?

Flyeralarm ist als aufstrebendes Unternehmen mit einem modernen Denken ein hervorragender Partner für die Zukunft. Die Frauen-Bundesliga ist im europäischen Vergleich nach wie vor - was die Zentralvermarktung anbelangt - top aufgestellt. In der medialen Präsenz und Marketing-Ausstattung sind wir weiter führend. Andere Sportarten im Frauenbereich würden sich solche Voraussetzungen gerne wünschen. Da sind wir schon sehr, sehr privilegiert.

Aber der Boom nimmt die Frauen nur bedingt mit. In dieser Saison hat Eintracht Frankfurt allein aus den nationalen Fernseherlösen 51,5 Millionen Euro erhalten. Was bekommt denn der 1. FFC Frankfurt?

Solche Zahlen sind sicher nicht vergleichbar - das sind zwei Welten. Wir bekommen eine sehr ordentliche Summe, die im unteren sechsstelligen Bereich liegt. Für mich steht fest, dass wir uns in der Gesamtpräsenz der Liga noch verbessern können und durchaus Mehreinnahmen verdient hätten. Auch die Vereine sind intensiv gefragt. Das Umfeld muss dafür noch attraktiver und eventorientierter werden.

Als Mitglied der Kommission Frauen-Bundesliga kann Ihnen nicht gefallen, dass der Zuschauerschnitt auf 833 abgerutscht ist.

Es wirkt so, weil man rund um die WM 2011 andere Zuschauerzahlen kannte - übrigens auch bei den Länderspielen. Bei uns sind die Zuschauerzahlen in dieser Saison auf ähnlichem Niveau geblieben. Es ist eher wieder ein Stück Normalität eingekehrt, zudem ist die Nationalmannschaft das Barometer für die Popularität des Frauenfußballs. Ich bin mir sehr sicher, dass Martina Voss-Tecklenburg, eine Top-Besetzung für diesen Posten ist - sie wird die Nationalmannschaft wieder an die Weltspitze zurückführen! Zudem haben wir junge, dynamische, tolle Spielerinnen, aus denen wieder prägende Gesichter entstehen werden.

Ist eine Imagekampagne der richtige Weg, in der frech formuliert wird: "Wir haben keine Eier - wir haben Pferdeschwänze"?

Als durchaus modernem Marketingmann spricht mir das total aus dem Herzen. Das Ganze strahlt mit provozierender Selbstironie ein wunderbares Selbstbewusstsein aus. Was die Commerzbank mit den Spots initiiert hat, ist die richtige Emotion zum richtigen Zeitpunkt. Die Clips werden die Nation wachrütteln, dass Frauenfußball ein geiler Sport ist.

Die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult hat in einen Rundumschlag harsche Kritik an fehlender Unterstützung beklagt. Sie sagte, dass es Fanklubs speziell untersagt sei, die Frauen im eigenen Verein zu unterstützen.

Ich finde, die Männer, die bisher nicht beim Frauenfußball waren, sollen einfach mal hingehen, um sich das mal anzuschauen. Ich bin mir sicher, dass viele mit größerem Interesse wiederkommen würden. Dass es Unterschiede gibt, ist ja nicht neu: Im Tennis werden die Männer auch immer härter die Bälle spielen als die Frauen, aber wer sich die Bewegungen anschaut, merkt auch: Das ist nicht unattraktiver. Und es ist toll, wenn Vereine wie der FC Barcelona oder Manchester City Werbekampagnen mit Männern und Frauen präsentieren.

Der FC Bayern hat es vor dem Halbfinale der Women's Champions League gescheut, gegen den FC Barcelona in ein größeres Stadion zu gehen. Im Campus gibt es aber nur 2500 Plätze.

Ich bin weit weg davon, jemanden zu kritisieren, aber ich bin immer dabei, jemanden zu motivieren. Ich kann es jedem Verein nur empfehlen. Wir haben es hier vorgelebt: Vor unserem Europapokalfinale 2008 wurde uns von DFB und Uefa geraten, das Endspiel auf einem Niveau zu organisieren, auf dem wir es auch wirtschaftlich bewältigen könnten - nämlich am Bornheimer Hang. Ich habe gesagt, wir wollen unbedingt in die Arena gehen. Und statt der dort möglichen 12 000 sind dann 27 640 Zuschauer gekommen! Und was war 2012 beim Champions-League-Finale in München? Da haben wir im Olympiastadion vor mehr als 50 000 Zuschauern das Endspiel bestritten!

Aber wie lässt sich verhindern, dass es meist nur einzelne Höhepunkte sind, die im Frauenfußball das Interesse heben?

Wir brauchen immer diese besonderen Peaks, um das gesamte Level zu heben. Für mich ist das Turnier in Frankreich fast schon eine Heim-Weltmeisterschaft. ARD und ZDF übertragen alle Spiele, was für Aufmerksamkeit sorgen wird. Positiv ist, dass der Frauenfußball noch viel Potenzial hat und dabei hilft uns, dass die Frauen in der Markenphilosophie von Fifa und Uefa eine große Rolle spielen.

Was machen Sie bei der Frauen-Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli?

Ich habe zwischendrin Geburtstag (lacht). Ich habe vor, bei allen deutschen Spielen präsent zu sein und möchte mir auch die eine oder andere internationale Partie - gemeinsam mit unserem Cheftrainer Niko Arnautis - ansehen, um das Event zu genießen und den Blick schweifen zu lassen. Da geht es auch um den Austausch mit den Verantwortlichen der Vereine und Verbände, wo der Weg unseres Sports hingeht.

Siegfried Dietrich ist seit drei Jahrzehnten als Sportmanager tätig. Über seine Agentur Sidi-Sportmanagement lenkt der 61-Jährige die Geschicke des Frauen-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt. Um konkurrenzfähig zu bleiben und auf absehbare Zeit wieder eine Spitzenposition einzunehmen, wird eine Zusammenarbeit mit Eintracht Frankfurt angestrebt. Dietrich ist Mitglied der Kommission Frauen-Bundesliga.

VON KATJA STURM

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