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Shawn Huff

Skyliners

Shawn Huff, Der Basketball-Botschafter

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Fast 200 Länderspiele hat der Kapitän des finnischen Basketball-Nationalteams bereits bestritten. Mit den Skyliners will Shawn Huff die Play-offs erreichen.

Frankfurt - Finnland ist nicht unbedingt bekannt für seine glorreiche Basketball-Historie. Erst einmal überhaupt konnten sich die Nordeuropäer auf sportlichem Weg für Olympia qualifizieren – 1964. Das ist lange her. Shawn Huff war damals noch nicht geboren. Doch in den vergangenen Jahren hat der Flügelspieler seine Sportart in der Heimat ein großes Stück voran gebracht. Huff führte das finnische Nationalteam 2014 als Kapitän zur ersten WM-Teilnahme. Und bei den vergangenen vier Europameisterschaften seit 2011 waren die Suomi nicht nur dabei, sondern wurden jeweils Neunter. Aller Ehren wert für eine Nation, die sich ansonsten fast nur für Wintersport, Fußball oder Formel 1 interessiert.

Dass Huff beim Basketball gelandet ist, lag nahe. Sein Vater Leon war einst Profi. Shawn probierte viele andere Sportarten aus und begann erst mit zwölf. Start für eine bemerkenswerte Karriere. Dem Herren-Nationalteam gehört er bereits seit 16 Jahren an, er hat seitdem keine einzige Saison ausgesetzt, 192 Länderspiele bestritten und wird wohl dieses Jahr die „200“ voll machen. Nach wie vor ist er der Kapitän und sagt: „Es ist für mich eine Freude, für die Nationalmannschaft zu spielen.“

Überspielt? Müde? „Nein“

Das ist deshalb ein Stück weit bemerkenswert, da Huff inzwischen 34 Jahre alt ist und sich zehneinhalb Profijahre freilich auch körperlich bemerkbar machen. Bei seinem Club Frankfurt Skyliners, für den er seit Januar 2017 spielt, geht er derzeit durch ein kleines Tief. Sein Distanzwurf, eigentlich seine große Stärke, findet nicht so oft wie gewohnt sein Ziel. Huff wirkt etwas müde, überspielt. Am vergangenen Mittwoch ersparte ihm Trainer Gordon Herbert die weite Reise mit dem Team zur Eurocup-Partie ins russische Krasnodar. Huff durfte zu Hause bei seiner Familie in Frankfurt bleiben – um Kraft zu tanken, und um individuell zu trainieren. Denn der älteste Spieler im Skyliners-Kader wird im Kampf um die Play-off-Teilnahme in der Bundesliga dringend gebraucht. Huff, ein gelassener Typ, mitunter etwas wortkarg, aber sehr zugänglich, bleibt entspannt. „Natürlich ist jede Saison hart, wenn man 34 ist. Aber ich muss mich nicht durchkämpfen und fühle mich gut“, betont der Finne, der wegen seines in den USA geborenen Vaters auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Huff weiß: „Jede Saison hat Auf und Abs. Und der Wurf ist nur ein Teil des Spiels. Am Ende kommt alles zurück zur Mitte.“ Wichtig sei, dass er „immer noch Spaß“ habe und sein Körper „einigermaßen mitmacht. Natürlich hat man immer etwas.“ Doch überspielt sei er nicht. „Nein. Ich hatte ja den Juli 2018 frei.“

Gegen seinen Ex-Club

Und nach der kleinen Verschnaufpause in den vergangenen Tagen will der 34-Jährige am Sonntag wieder angreifen. Dann steht das wichtige Heimspiel gegen den Bundesliga-Neunten Ludwigsburg (15 Uhr) an. „Für uns ist schon jetzt fast jedes Spiel wie in den Play-offs“, betont Huff. Einen Ausrutscher kann sich der Tabellen-13. kaum noch leisten, will er noch einen der ersten acht Plätze und damit die Teilnahme am DM-Viertelfinale erreichen. Durch die jüngsten Neuverpflichtungen um Spielmacher Tyler Larson habe sein Team „vielleicht mehr Identität gewonnen“, empfindet Huff. Doch er ist vermutlich auch traurig, dass sein Landsmann und langjähriger Nationalmannschafts-Kollege Erik Murphy vor kurzem den Verein verlassen musste. Schon in wenigen Wochen wird Huff, in Helsinki geboren und aufgewachsen, Murphy wiedersehen. Dann geht für das Duo am 21. Februar mit Finnland die WM-Qualifikation gegen Frankreich weiter. Erst im November hatte Huff gegen Russland (75:77) 24 Punkte erzielt. Eine zweite WM-Teilnahme wäre für den Wahl-Frankfurter ein großartiger internationaler Abschluss der Karriere. Wenngleich er noch nicht ans Aufhören denkt. „Ich weiß nicht, wie lange es noch geht.“ Am Sonntag erstmal gegen Ludwigsburg – gegen jenen Verein, für den Huff von 2013 bis 2016 selbst spielte. Auch das ist für ihn kein großer Aufreger. Er hat schon zu viel erlebt. Und das ist gut so in einer schwierigen Phase wie jetzt.

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