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Fraport Skyliners: Tyler Larson ist in vier Profijahren viel gereist - wird er in Frankfurt sesshaft?

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Spielmacher Larson ist eine Verstärkung für die Skyliners. Bei seinem neuen Club bewundert er vor allem Kapitän Robertson.

Als Tyler Larson vor zwei Wochen in Frankfurt eintraf und abermals in ein neues Land umgezogen war, kam etwas Sehnsucht in ihm auf. Der US-Amerikaner, kantiges Gesicht, muskulös, ohne jedes Gramm fett, den Oberkörper komplett tätowiert, ging auf seinen neuen Teamkollegen Quantez Robertson zu und teilte dem treuen Kapitän der Skyliners seinen Respekt mit. „Ich habe Tez gesagt: Hey, du bist schon über zehn Jahre hier in Frankfurt bei demselben Team. Ich hingegen habe seit meinem Rookie-Jahr keine einzige Saison bei einem Team durchgespielt.“ Einerseits ist Larson stolz darauf, seit seinem Profidebüt 2015 in nunmehr sechs Ländern Basketball gespielt zu haben. „Ich bin in gewisser Weise gesegnet“, sagt der 27-Jährige. Doch nach Stationen Lettland, Ungarn, Belgien, Italien und Russland sagt der Wandervogel: „Natürlich wäre es schön, mal eine ganze Saison bei einem Verein zu sein.“ Doch Larson ist ein ehrlicher Typ. Er sagt offen, was er will. Und so gesteht er: „Wenn ein besseres Angebot kommt, spreche ich mit meinem Agenten darüber.“ Eine Profikarriere dauert nicht ewig. Und Millionengehälter sind in seiner Kategorie nicht zu verdienen.

Scorender Point Guard

Ob er nun in Frankfurt länger bleiben wird? „Ich würde sehr gerne. Die Jungs haben mich hier mit offenen Armen empfangen. Die Trainer helfen mir auch sehr“, sagt Larson. Sein Vertrag läuft vorerst bis Saisonende. Vor zwei Wochen wurde er nachverpflichtet, weil den Skyliners ein passender Spielmacher gefehlt hatte. Larson füllt diese Rolle bisher perfekt aus. Der 27-Jährige ist genau der Spielertyp, den sich Trainer Gordon Herbert gewünscht hatte: erfahren, mit einer großen Ballkontrolle und Übersicht ausgestattet, ein großer Kämpfer und harter Verteidiger – und obendrein ein guter Werfer. Was nicht alltäglich ist für einen Point Guard, der oftmals vorwiegend als Passgeber dienen soll. „Ich bin ein scorender Point Guard. Das spiele ich schon seit meinem letzten Jahr auf der Highschool. Manche Kritiker meinen deswegen, ich wäre kein wahrer Point Guard. Dann sage ich, okay: Stephen Curry, Russel Westbrook, und, und, und. Wir können so viele gute Point Guards nennen, die auch scoren.“

Herbert jedenfalls gefällt seine Spielweise. Und der Coach ist froh, wie schnell Larson sich integriert hat. „Es fühlt sich nicht an, dass er erst zehn Tage bei uns ist. Er spricht viel und hat Führungsqualitäten.“ Auf dem Platz ist der 1,91 Meter große Modellathlet bereits der neue Anführer. Er kontrolliert das Spiel. Am Mittwoch, im sportlich bedeutungslosen Eurocup-Spiel gegen Ulm (68:83), als Herbert seiner zweiten Garde viel Spielzeit gab, ragte Larson mit 24 Punkten und neun Rebounds heraus. „Ein Leader zu sein, ist Teil meiner Persönlichkeit. Ich will wirklich hart spielen“, sagt der Neuzugang und schiebt voller Respekt hinterher: „Unser wahrer Leader ist Tez. Er ist so lange hier.“

 „Wir haben keine Egos“

Dass Larson mitunter nur kurz bei seinen bisherigen Vereinen war, hatte unterschiedliche Gründe. Nach der Debüt-Saison in Lettland bei Jekabpils zog er sich in Ungarn eine Verletzung zu. Er verlor seinen Platz, kehrte zurück zu den Barons Riga, wo er mit durchschnittlich 16,2 Punkten pro Spiel Topscorer der lettischen Liga und mit Riga Meisterschaftsdritter wurde. Auch in Belgien spielte er in der Saison 2017/18 für Liege mit 18,2 Punkten im Schnitt stark auf. „Dort kaufte mich Varese dann aus dem Vertrag heraus.“ Also ging er nach Italien. Und zuletzt zu Perm nach Russland. „Wo immer ich hingehe“, betont Larson, „will ich gewinnen“. Das ist keine Phrase, man kauft man ihm das aufs Wort ab. Tyler Larson ist ein Kämpfer, durch und durch. Er geht auch hart in die Zweikämpfe. Wie Quantez Robertson. Zusammen haben sie für neue Hoffnung bei den kriselnden Skyliners gesorgt. Dazu gehört auch der zweite Neuzugang Tra Holder, wenngleich er nach langer Verletzungspause noch etwas Nachholbedarf hat.

Nach dem Überraschungssieg gegen Oldenburg wollen die Frankfurter am Sonntag (15 Uhr) beim Bundesliga-Letzten Crailsheim nachlegen. Weiter fehlen werden die verletzten Leon Kratzer und Akeem Vargas, die laut Trainer Herbert wohl erst nach der Länderspielpause Anfang März wieder dabei sein werden. Am nächsten dran an einer Rückkehr in den Kader ist Tray Bell-Haynes nach seiner Sprunggelenkverletzung. „Wir haben eine gute Teamchemie. Es gibt keine Egos, das mag ich“, sagt Larson. Er will mit dem Team in der Bundesliga „die Wende“ schaffen. „Wir wollen die Play-offs erreichen und dort hoffentlich so weit wie möglich kommen.“

Und wenn es ihn nach dieser Saison doch wieder woanders hinziehen sollte? Larson nimmt es sportlich. „Das Leben ist voller Veränderungen. Diese Veränderungen sind meine einzige Konstante.“

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