Basketball

Ein Hessen-Derby lebt neu auf

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Die Skyliners empfangen den Bundesliga-Aufsteiger mit Trainer Wucherer, der zu Frankfurt und dessen Coach Herbert eine besondere Beziehung hat.

Als die Gießen 46ers im Sommer 2013 erstmals aus der Bundesliga absteigen mussten, ging eine Ära zu Ende. Das letzte verbliebene Gründungsmitglied verschwand nach 46-jähriger Zugehörigkeit aus dem Oberhaus. Der Traditionsclub drohte auf längere Zeit in den Niederungen des deutschen Basketballs zu verschwinden – schaffte aber in diesem Sommer mit der Meisterschaft in der 2. Liga das Comeback in der Bundesliga. Und nun darf der Traditionsclub dem ersten Duell mit den Skyliners seit drei Jahren entgegen fiebern. „Für unsere Spieler und die Coaches ist dieses Derby eher Neuland“, gesteht Wucherer vor der Partie am Sonntag (17 Uhr) in Frankfurt. „Aber es bleibt uns nicht verborgen, dass die Gießener Fans eine gewisse Vorfreude haben. Das ist kein Spiel wie jedes andere. Diese Atmosphäre werden wir am Sonntag spüren. Dann wird allen schnell klar werden, dass es ein besonderes Spiel ist.“ Bis gestern Mittag waren 4400 Karten verkauft, es werden somit noch Resttickets an der Tageskasse zu haben sein.

Wucherer gilt in Gießen als Architekt des jüngsten Aufschwungs. Der 42 Jahre alte gebürtige Mainzer übernahm den fünfmaligen deutschen Meister nach dem Abstieg im Sommer 2013. „Eine schwierige Zeit“ sei es gewesen, erinnert sich der ehemalige Nationalspieler. Zuvor hatte er unter anderem als U-20-Bundestrainer und Co-Trainer der A-Nationalmannschaft gearbeitet. Gießen ist seine erste Station als Chef-Coach. Und der Plan, den Kern der Aufstiegsmannschaft zusammen zu halten, geht bislang auf. Nach zwölf Spieltagen liegt Gießen mit fünf Siegen und sieben Niederlagen auf Platz zehn. „Ich bin sehr froh, dass es in der Bundesliga einigermaßen funktioniert. Wir haben einigermaßen Fuß gefasst“, sagt Wucherer. Der Abstand seines Teams auf den ersten Abstiegsplatz beträgt sechs Punkte, zu Hause wurde sogar der deutsche Meister Bamberg mit 81:80 geschlagen. „Jedes Spiel ist für uns aufs Neue ein Abenteuer“, meint Wucherer. Obwohl sein Club im Sommer überraschend den langjährigen Bamberger Karsten Tadda verpflichten konnte, sind die finanziellen Mittel in Gießen weiter begrenzt. Wucherer: „Ich gehe davon aus, dass nicht viele Mannschaften weniger Geld für Spieler ausgeben als wir.“

Auch für ihn persönlich ist die Partie am Sonntag etwas Besonderes. In der Saison 2001/02 spielte er ein halbes Jahr für die Skyliners – unter Trainer Gordon Herbert, der auch jetzt die Frankfurter betreut. „Ich hatte damals schon vor der Saison in Frankfurt mittrainiert. Der Wechsel hat dann allerdings erst während der Saison geklappt“, so Wucherer. „Wir hatten eine sehr erfolgreiche Mannschaft, mit Marcus Goree und Pascal Roller, gingen als Erster in die Play-offs, verloren dann aber im Halbfinale gegen Alba Berlin.“ Schon damals war Wucherer von der Arbeit Herberts angetan. „Ich halte ihn für einen sehr, sehr guten Coach“, sagt Wucherer über den erfahrenen Kanadier. „Er war damals schon sehr detailverliebt, aber auf eine Art und Weise, die den Spielern noch genug Raum lässt, um kreativ zu sein. Jeder Spieler weiß genau, was zu tun ist.“ Auch jetzt habe die Mannschaft der Skyliners eine „hohe Qualität“. Die Favoritenrolle liegt somit wieder bei den Frankfurtern, auch weil sie Heimrecht haben. Nach zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge muss der Tabellensechste (16:8 Punkte) im Hinblick auf die Play-offs punkten. „Es ist gut, dass Gießen wieder in der ersten Liga spielt“, sagt Herbert, „die Rivalität zwischen beiden Mannschaften ist groß. Wir hatten in der Vergangenheit schon einige großartige Spiele gegeneinander.“

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