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Fraport Skyliners

Spätstarter Marco Völler hat im Profi-Sport doch noch richtig Fuß gefasst

Bescheiden und bodenständig: Rudi Völlers Sohn Marco hat bei den Skyliners seinen festen Platz als Profi-Basketballer gefunden.

Die letzten zwei Punkte von Marco Völler beim 85:75-Sieg am Dienstag im Eurocup in Turin waren unspektakulär. Es waren zwei schnöde Freiwürfe, die die Frankfurt Skyliners zwischenzeitlich auf 57:39 (27.) in Führung brachten. Für den 29-Jährigen bedeuteten seine Zähler neun und zehn einen neuen Karrierebestwert auf Profiebene. „Es war ein bisschen glücklich“, sagt der Center des Frankfurter Basketball-Bundesligisten. In der zweiten und dritten Liga, wo er bis zu seinem 27. Lebensjahr noch beim TV Langen, in Gotha und Hanau gespielt hatte, waren es natürlich fast immer mehr. „Aber in der Bundesliga bin ich meist bei neun Punkten hängengeblieben“, sagt Völler.

Für Punkte ist der 1,99-Meter-Mann auch nicht primär zuständig, sondern für die Kärrnerarbeit unter dem Korb. Rebounden, mit Energie spielen, gut verteidigen. „Ich spiele gerne so und bin damit für meine Verhältnisse erfolgreich. Deswegen bin ich jetzt da, wo ich bin“, sagt Völler, der erst mit 14 Jahren zum Basketball gekommen ist.

Bis dahin hatte er in seiner Geburtsstadt Offenbach beim OFC gekickt, ehe ihm das viele Training und die Reisen zu den Spielen einfach nicht mehr richtig Spaß brachten. „Ein Kumpel hat mich dann zum EOSC mitgenommen. Das hat dann ganz gut geklappt“, erzählt Völler. Nach dem Wechsel zum TV Langen „habe ich mich dann richtig damit auseinandergesetzt“, Profi-Basketballer zu werden. Nach einem Jahr in der Bundeswehr studierte Völler noch vier Jahre lang Sportmanagement an der privaten Hochschule Accadis in Bad Homburg und machte seinen Bachelor. „Eine meiner wenigen Interessen ist der Sport und das Geschäft drumherum“, erklärt Völler. Ein nahe liegendes Praktikum bei seinem Vater Rudi, dem Sport-Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, machte er nicht, sondern schnupperte in Frankfurt beim DFB in der Abteilung Schulfußball rein.

Sein Bundesliga-Debüt feierte Völler dann im zarten Alter von 27 Jahren bei den Gießen 46ers und war fester Bestandteil der Rotation. Im vergangenen Jahr verpasste er die komplette Vorbereitung, weil er wegen Dopings für drei Monate vom Deutschen Basketball-Bund gesperrt worden war. Der Grund: Verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel, die die Gießener Spieler im Training bekommen hatten. Neben Völler war auch Mitspieler Cameron Wells betroffen. „Ich werde in Zukunft keine Nahrungsergänzungsmittel mehr zu mir nehmen, so viel steht fest“, sagte Völler.

Sportlich lief es für ihn anschließend unter dem neuen Trainer Ingo Freyer auch nicht, bis die Skyliners sich meldeten. Die Center Jonas Wohlfarth-Bottermann und Mike Morrison waren verletzt – Völler sollte einspringen. Deswegen erhielt er zunächst nur einen Aushilfs-Vertrag für die Bundesliga und sollte eigentlich vornehmlich für die zweite Mannschaft der Skyliners in der dritten Liga zum Einsatz kommen. Dazu kam es nie.

Morgen gegen Bayreuth

„Ich habe meine Chance einigermaßen gut genutzt. Und dann haben die Skyliners mir irgendwann gesagt: ’Wir würden dich gerne behalten’.“ Im Mai verlängerte Völler seinen Kontrakt um zwei Jahre. Im Gegensatz zu seinen früheren Stationen, wo er vor allem als großer Flügelspieler agierte und auch mal von „draußen drauflöten“ konnte, ist die Nummer 33 in Frankfurt ausschließlich unter dem Korb gefordert, aber dafür im Skyliners-System in fast jeden Spielzug involviert. Mit dem Ausfall von Wohlfarth-Bottermann (Mittelfußbruch) umso mehr. „Um den Korb herum ist es alles physischer. Die eigenen Grenzen kennenzulernen, macht mir Spaß“, sagt Völler. Die nächste Gelegenheit hat er dazu am Sonntag (15 Uhr) im Heimspiel gegen Bayreuth.

von TIMUR TINC

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