+
Der FSV Frankfurt am Boden: Vincenzo Grifo nach der Heimniederlage gegen 1860 München.

FSV Frankfurt

Der Absturz des FSV

  • schließen

Die Situation des Zweitligisten FSV Frankfurt hat sich verschärft. Den Bornheimern droht nach sieben Jahren der Absturz in die fußballerische Drittklassigkeit.

Am Samstagmittag hat mit Sicherheit der eine oder andere Entscheidungsträger des FSV Frankfurt die Konferenzschaltung der Zweiten Fußball-Bundesliga des Bezahlsenders Sky verfolgt. Und was sich da im Ostberliner Stadtteil Köpenick sowie zeitgleich auf dem Betzenberg in der Pfalz abspielte, hat die Leidensfähigkeit der Bornheimer Funktionäre auf eine weitere harte Probe gestellt.

Denn 90 Minuten lang mussten sie miterleben, dass der Aufstand der Kellerkinder munter weiter geht, während ihr Club immer tiefer im Abstiegssumpf versinkt. Erzgebirge Aue gewann bei Union Berlin, der FC St. Pauli, den so viele Experten schon abgeschrieben hatten, setzte sich gar beim 1. FC Kaiserslautern durch – es war wirklich nicht das Wochenende der Frankfurter, die sich am Freitagabend ihrerseits einen fatalen Fehltritt erlaubt hatten, der für den Stadtteilclub noch böse Folgen haben könnte. Denn nicht nur das schmelzende Punktepolster auf die Abstiegszone – zwei auf den Relegationsrang, drei auf den direkten Abstiegsplatz – dürfte den Verantwortlichen des FSV Frankfurt den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Was ihnen vor allem schlaflose Nächte bereiten muss, ist die Tatsache, dass diese Mannschaft ganz offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, sich aus eigener Kraft aus dieser bedrohlichen Situation zu befreien.

Selbst gegen einen so erschreckend schwachen Gegner wie der TSV 1860 München, der am Freitag allenfalls gehobenes Drittliganiveau zu bieten hatte und 83 Minuten lang überhaupt nicht den Versuch unternahm, eine Torchance zu kreieren, gelang dem Team von Cheftrainer Benno Möhlmann nicht der ersehnte Befreiungsschlag in Form von drei Punkten.

Seit mittlerweile zehn Spielen haben die Frankfurter nicht mehr gewonnen, in diesen Zeitraum nur sechs Punkte geholt und in den letzten Begegnungen eine Tendenz erkennen lassen, die Möhlmann und seine Mitstreiter schon vor einigen Wochen alarmierte. Aber alle Maßnahmen, um diese Entwicklung zu stoppen, sind verpufft. Da gab es eine Brandrede (Sport-Geschäftsführer Uwe Stöver), eine Rücktrittsdrohung (Möhlmann), ein Kurztrainingslager und einen offenen Brief der Mannschaft an die Fans – nichts half, um die Negativserie einer Mannschaft zu beenden, die noch vor wenigen Wochen sportliche Schwergewichte wie Nürnberg, Leipzig oder Kaiserslautern besiegt hatte.

Allerdings hat dieses Zwischenhoch auch ein wenig die unglückliche Personalpolitik der Bornheimer kaschiert. Nur die im Sommer nachverpflichteten Hanno Balitsch und Vincenzo Grifo, der in den letzten Begegnungen aber auch stark abgebaut hat, haben sich als Gewinn erwiesen. Die Winterneuzugänge Florian Ballas, Tim Golley und Patrick Schorr haben den mit mittlerweile 29 Spielern ohnehin schon aufgeblähten Kader nur quantitativ vergrößert, aber nicht die Qualität erhöht. So hat Möhlmann kaum Alternativen, um auf die Formschwankungen vieler Spieler zu reagieren. Verlass ist im Grunde genommen nur auf den zum Saisonende scheidenden Torhüter Patric Klandt und die Viererabwehrkette vor ihm.

Aber schon im Mittelfeld, wo Manuel Konrad und Marc Kruska einfach nicht in Form kommen wollen, beginnt bei den Bornheimern die Problemzone. Noch mehr hakt es in der Offensive: Grifo, Mario Engels, der sich im Spiel gegen München einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen hat, Amine Aoudia, Odise Roshi oder Zlatko Dedic sorgen nicht mehr für die notwendigen Überraschungsmomente, um die gegnerischen Abwehrreihen in Verlegenheit zu bringen. Dennoch hatten die Frankfurter am Freitag gegen die Münchner Löwen zumindest vor der Pause noch zwei Tormöglichkeiten, die aber leichtfertig vergeben wurden. In den zweiten 45 Minuten hatten die Bornheimer offensiv dann nichts mehr zu bieten und leisteten sich sechs Minuten vor dem Abpfiff zu allem Überfluss eine folgenschwere Fehlerkette, die zum Siegtreffer durch den eingewechselten Valdet Rama führte. „Es ist natürlich auch eine Frage der Qualität, vorne die Torchancen nicht zu machen und hinten die Torchancen nicht zu verhindern“, kommentierte Stöver später jene Szene, die dieses Spiel am Ende auf den Kopf stellen sollte.

Nach dem Abpfiff beließ man es im Lager des Verlierers allerdings bei einer moderaten Sprachregelung. „Es bringt nichts, jetzt den dicken Hammer rauszuholen. Die Suppe haben wir uns schließlich selbst eingebrockt. Jetzt lassen wir das erst mal sacken und beraten, wie wir uns da hinausmanövrieren“, erklärte Stöver. Und auch Möhlmann, der unmittelbar nach dem Schlusspfiff mit seinen Spielern einen Kreis gebildet hatte, hielt verbal den Ball flach. „Unsere Ausgangsposition ist nicht super, aber noch immer besser als bei den Mannschaften, die hinter uns stehen“, sagte Möhlmann, der mit seiner Mannschaft von Donnerstag an erneut in Klausur gehen wird und vor dem Heimspiel am kommenden Sonntag gegen Union Berlin in Bad Kreuznach ein Kurztrainingslager bezieht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare