FSV Frankfurt wieder auf Kurs

Bornheimer Höhenflug

  • vonMichael Helms
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Nach einem fatalen Saisonstart hat sich der FSV Frankfurt mittlerweile zur erfolgreichsten Rückrunden-Mannschaft in der Zweiten Fußball-Bundesliga entwickelt.

Seit fast einem Vierteljahrhundert hat der FSV Frankfurt ein Zuschauerproblem, das er auch nach dem Wiederaufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga vor knapp sieben Jahren einfach nicht in den Griff bekommt. In dieser Spielzeit allerdings fällt das Desinteresse an den Heimspielen des FSV, das kaum jemand so richtig erklären kann, zumindest sportlich nicht sonderlich ins Gewicht. Denn sechs ihrer bislang neun Saisonsiege verbuchten die Frankfurter in der Fremde, wo sie sich ganz offensichtlich besonders wohlfühlen.

Und die beiden jüngsten Heimerfolge gegen den 1. FC Nürnberg (2:1) und den 1. FC Kaiserslautern (2:0) fallen im Grunde genommen ebenfalls in die Kategorie „Auswärtssieg“, weil zwei Drittel der jeweils knapp 10 000 Zuschauer, die zu den beiden Begegnungen gekommen waren, mit dem Gegner sympathisierten. Für Hanno Balitsch, den umsichtigen Abwehrchef des hessischen Zweitligisten, stellt das Fan-Ungleichgewicht bei den Auftritten der Bornheimer im eigenen Stadion ohnehin kein Problem dar. „Uns macht es auch Spaß, vor vielen Leuten in einer aufgeheizten Atmosphäre zu spielen. Deshalb haben wir kein Problem mit den gegnerischen Fans, die können gerne weiterhin reichlich kommen“, sagte Balitsch nach dem 2:0-Erfolg der Hessen über den 1. FC Kaiserslautern und lächelte verschmitzt.

Die Gründe für den derzeitigen Höhenflug der Bornheimer, die sich mit vier Siegen aus fünf Begegnungen zur erfolgreichsten Mannschaft der Rückrunde gemausert haben, sind natürlich ernsthafter Natur. Ganz offensichtlich hat Benno Möhlmann, der seit über drei Jahren als Cheftrainer bei den Frankfurtern arbeitet, wieder einmal zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Stellschrauben gedreht. Die Mannschaft, die so einen fatalen Saisonstart hingelegt hatte – nur vier Punkte aus sieben Spielen – tritt mittlerweile wieder geschlossen auf und investiert vor allem läuferisch viel mehr als noch in der Vorrunde. Was wohl auch mit der intensiven Vorbereitung während der Winterpause zu tun hat. „Die Vorbereitung hat richtig weh getan“, erinnert sich Balitsch nur ungern an die anstrengenden Trainingseinheiten. Und einigen Spielern, die in der ersten Halbserie noch sehr schwankenden Leistungen unterworfen waren, hat die erhöhte Trainingsintensität ganz besonders gut getan.

Zum Beispiel Alexander Bittroff, der sich auf der Position des linken Verteidigers vom Wackelkandidaten zur wichtigen Stammkraft entwickelt hat. Oder Manuel Konrad, der in den letzten drei Begegnungen als Abräumer vor der Abwehr wieder zu seiner Bestform gefunden hat. Ganz zu schweigen von Joan Oumari. Der Deutsch-Libanese hatte zu Saisonbeginn seinen Stammplatz in der Innenverteidigung an den Niederländer Tom Beugelsdijk verloren und musste später im defensiven Mittelfeld aushelfen. Eine Position, die ihm überhaupt nicht lag. Mittlerweile bildet Oumari gemeinsam mit Balitsch eine effektive Innenverteidigung, die ihre Stärken auch in der Spieleröffnung hat. Und natürlich davon profitiert, dass die Bornheimer bereits an vorderster Front durch den Algerier Amine Aoudia, der sich nach seiner langen Verletzungspause mit der Wiederaufnahme der Rückrunde einen Stammplatz erkämpft hat, sowie durch eine bissigere und taktisch disziplinierte Spielweise im Mittelfeld ihren Gegnern das Leben schwer machen.

Trotz der mittlerweile recht komfortablen Situation im Ringen um den Klassenerhalt warnt Balitsch davor, die restlichen zwölf Saisonspiele auf die leichte Schulter zu nehmen. „Mannschaften, die sich gedanklich aus dem Abstiegskampf verabschieden, geraten oft noch mal da rein. Diesen Fehler dürfen wir nicht machen“, erklärte der langjährige Bundesligaprofi vor den kommenden Aufgaben des FSV in Bochum und zu Hause gegen den SV Darmstadt 98. Zwei „Auswärtsspiele“ in Folge also, denn bei der Begegnung am Bornheimer Hang am 8. März werden die zahlreichen Anhänger der „Lilien“ mit Sicherheit das Frankfurter Volksbankstadion stimmlich im Griff haben.

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