FSV Frankfurt

Die Bornheimer senden ein Lebenszeichen

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Was vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten hätte: Am kommenden Sonntag startet der FSV Frankfurt mit dem Gastspiel bei der zweiten Mannschaft des FSV Mainz 05 in die neue Saison der Fußball-Regionalliga Südwest. Trotz des laufenden Insolvenzverfahrens und einiger ungelöster Probleme.

Jürgen Eimer hat mit dem FSV Frankfurt in der jüngeren Vergangenheit einiges erlebt. Den Aufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga 1994, zwei Abstiege in Folge, den drohenden Konkurs 1996, zwölf Jahre im Amateurlager, ehe 2008 die acht Jahre währende Reise durch das Bundesliga-Unterhaus begann, die im Frühsommer dieses Jahres mit dem Absturz in die viertklassige Regionalliga Südwest endete.

Wieder waren es zwei Abstiege hintereinander, die Eimer, der langjährige Fansprecher des FSV, mit dem Club vom Bornheimer Hang verkraften musste. Und zu allem Überfluss musste die Fußball GmbH des ehemaligen Zweitligisten am 11. April dieses Jahres angesichts eines Schuldenberges von über drei Millionen Euro auch noch Insolvenz anmelden.

Eimer und die knapp 300 Anhänger des FSV, die gestern die offizielle Mannschaftsvorstellung verfolgten, bliesen dennoch keine Trübsal. Bei Bratwurst, Bier und Sonnenschein sowie angesichts einer komplett neuen Mannschaft machte sich beim FSV-Anhang fast so etwas wie Aufbruchstimmung breit. „Wir sind wieder zu Hause“, sagte Eimer, der sich ganz offensichtlich damit abgefunden hat, dass der FSV nach fast einem Jahrzehnt im Bundesligafußball wieder an der Schnittstelle zwischen Amateuren und Profis angekommen ist.

Aber auch das kostet Geld. Trotz der immensen finanziellen Probleme haben es FSV-Präsident Michael Görner und seine Mitstreiter allerdings geschafft, dem neuen Cheftrainer Alexander Conrad, der auch als Sportlicher Leiter fungiert, einen Personaletat von 750 000 Euro zur Verfügung zu stellen. Derzeit stehen 18 neue Spieler unter Vertrag, zwei weitere Offensivkräfte sollen noch verpflichtet werden, um das Klassenziel, den Nichtabstieg, zu erreichen.

„Wir wollen nicht weiter durchgereicht werden“, sagte Görner, ehe er sichtlich bewegt bei der Mannschaftsvorstellung eine kurze Rede hielt. „Noch vor vier Wochen konnte ich mir nicht vorstellen, dass wir heute eine komplette Mannschaft haben. Der Verein hat heute gezeigt, dass er noch lebt“, erklärte der 56 Jahre alte Görner, der sich Anfang April, als er Präsident wurde, zum Ziel gesetzt hatte, den Verein vor dem drohenden Aus zu bewahren. Und mittlerweile wächst bei dem früheren Unternehmensberater, der von Kindesbeinen an ein leidenschaftlicher Anhänger des FSV ist, die Zuversicht, dieses ambitionierte Unterfangen auch erfolgreich zu bestehen: „Wir sind auf einem guten Weg.“

Allerdings müssen die Bornheimer noch einige Hürden nehmen, um mit einem Insolvenzplan, den der Insolvenzverwalter Fabio Algari derzeit erarbeitet, den Weg aus der Schuldenfalle zu finden. Zwar haben einige Sponsoren dem FSV die Treue gehalten, aber noch fehlen ein Namensgeber für das Stadion am Bornheimer Hang sowie ein Hauptsponsor.

„Wir müssen noch zwei Big Points landen“, erklärte Stephan Siegler, der Vizepräsident des FSV Frankfurt, der am kommenden Sonntag mit dem Gastspiel bei der zweiten Mannschaft des Bundesligisten FSV Mainz 05 das Abenteuer Regionalliga in Angriff nimmt. Am zweiten Spieltag sind die Bornheimer spielfrei und bestreiten stattdessen am 6. August ein Testspiel bei der Frankfurter Eintracht, ehe am 12. August die Heimpremiere gegen Wormatia Worms auf dem Programm steht.

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