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Eine Frage der Moral

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Von: Michael Helms

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Der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt holte in Paderborn einen Punkt und zeigte beim 1:1 gegen den Bundesligaabsteiger Ausdauer.

Da gab es kein Halten mehr. Besar Halimi hatte gerade kurz vor dem Abpfiff mit einem herrlichen Treffer noch den Ausgleich für den Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt erzielt, da stürmte Cheftrainer Tomas Oral jubelnd auf den Rasen der Paderborner Benteler-Arena und seinem Kapitän Manuel Konrad direkt in die Arme.

Der emotionale Ausbruch des impulsiven Fußball-Lehrers war nachvollziehbar. Schließlich hatte seine Mannschaft wie in den Begegnungen zuvor gegen Nürnberg und Bochum ein schon verloren geglaubtes Spiel am Ende noch gedreht. Nicht so glücklich wie beim 1:1 in Nürnberg und nicht ganz so erfolgreich wie beim 3:2 zu Hause über den VfL Bochum. Aber nach dem 1:1 beim wieder erstarkten Bundesliga-Absteiger SC Paderborn, der unter seinem neuen Trainer Stefan Effenberg prompt zwei Siege in Folge feierte, trat der Bornheimer Tross dennoch zufrieden die Heimreise an.

„Der Punkt war aufgrund der zweiten Halbzeit verdient. Wir haben heute wieder Moral bewiesen und an uns geglaubt“, sagte Manuel Konrad, neben Fanol Perdedai und Florian Ballas auffälligster Frankfurter Spieler an diesem sonnigen Herbstnachmittag. Milde gestimmt war am Ende auch Tomas Oral, obwohl seine junge Mannschaft vor 9358 Zuschauern, darunter knapp 150 mitgereiste Anhänger aus Frankfurt, mal wieder ihre zwei Gesichter gezeigt hatte. „Dass unsere Mannschaft Moral hat und dass sie gewillt ist, bis zur letzten Minute an ihre Chance zu glauben, das durften wir schon in den vergangenen Wochen erleben. Das zeigt natürlich auch, welche Qualität in unserem Kader steckt“, erklärte der Coach der Bornheimer, die vor der Pause einen schwachen Auftritt hingelegt hatten und in der 32. Minute durch einen Treffer von Nick Proschwitz in Rückstand geraten waren.

Dem Kopfball des England-Rückkehrers nach einer Flanke von Khaled Narey war eine haarsträubende Fehlerkette der Gäste vorausgegangen. Die begann beim iranischen Außenverteidiger Ehsan Haji Safi, der ohnehin nicht seinen besten Tag erwischt hatte, setzte sich beim herumirrenden Torhüter André Weis fort und endete bei den in dieser Szene indisponierten Innenverteidigern Florian Ballas und Lukas Gugganig, der den gesperrten Abwehrchef Joan Oumari vertrat.

Der Pausenpfiff beendete aber auch die Bornheimer Lethargie. Oral stellte um, brachte zunächst den jungen Besar Halimi für Alexander Huber, dessen Position auf der rechten Abwehrseite fortan von Fanol Perdedaj erheblich offensiver interpretiert wurde. Wie überhaupt nun die Frankfurter das Heft des Handelns in ihre Hände nahmen, während die Paderborner das Fußballspielen fast völlig einstellten und sich bis auf gelegentliche Konter nur noch auf das Verteidigen ihres Vorsprunges konzentrierten. „Paderborn stand sehr tief und wir brauchten viel Geduld, bis sich eine Lücke ergab“, beschrieb Konrad später das schwierige Unterfangen, das Abwehrbollwerk der Ostwestfalen zu knacken, weil die Räume eng waren und den Gästen einfach nicht der letzte entscheidende Pass gelingen wollte. So blieben Chancen des FSV trotz drückender Überlegenheit Mangelware. Nur Ballas bot sich in der 66. Minute nach einem Freistoß von Marc Kruska die Gelegenheit zum Ausgleich, aber sein Kopfball verfehlte das Tor der Paderborner. Die wiederum hätten, so Effenberg, nach knapp einer Stunde „den Sack zumachen müssen“.

Topfitte Mannschaft

Aber nach einer Flanke von Mahir Saglik drosch Proschwitz das Leder aus kurzer Distanz über das Tor und verpasste so die große Chance, diese Begegnung frühzeitig zu entscheiden. Oral brachte kurz danach mit Edmond Kapllani und Tim Golley noch zwei weitere Offensivkräfte und läutete die Aufholjagd ein, die schließlich in der 89. Minute durch eine feine Einzelleistung von Halimi (siehe Text auf dieser Seite) ein glückliches Ende fand: „Ich bin stolz auf die Mannschaft, die auch den schweren Fight von Dienstag gut weggesteckt hat“, lobte FSV-Geschäftsführer Clemens Krüger die Leistung der Frankfurter Profis, die sich derzeit nicht nur mental in einer hervorragenden Verfassung präsentieren. Die Mannschaft scheint topfit zu sein, denn die anstrengenden 120 Minuten im Pokal gegen die Hertha hatten die Bornheimer bestens verkraftet.

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