+
Ansprache vor dem Endspiel in Düsseldorf: Tomas Oral (rechts) stimmt die Profis des FSV für diese schwere Aufgabe ein.

FSV Frankfurt

Das Endspiel

  • schließen

Rettung, direkter Abstieg oder Relegation: Der auf Platz 16 abgestürzte Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt hat am Sonntag in Düsseldorf ein Endspiel vor der Brust.

Wer gestern Vormittag ganz zufällig die Trainingseinheit des FSV Frankfurt beobachtet hat und sich in der Zweiten Fußball-Bundesliga überhaupt nicht auskennt, hätte durchaus auf die Idee kommen können, dass am Bornheimer Hang sportlich die Welt in Ordnung ist. Beim abschließenden Fußball-Tennis präsentierten sich die Profis des FSV Frankfurt nämlich als eine bestens gelaunte Spaßgesellschaft, während am Rande des Trainingsplatzes Finanzgeschäftsführer Clemens Krüger und die Präsidiumsmitglieder sowie knapp 30 Kiebitze das muntere Treiben mit nachdenklichen Mienen verfolgten.

Schließlich steht am Pfingstsonntag, wenn der FSV Frankfurt bei der Düsseldorfer Fortuna sein letztes Punktspiel dieser Saison bestreitet (Anpfiff: 15.30 Uhr) für die Bornheimer eine Menge auf dem Spiel. Es geht um die sportliche Zukunft des Stadtteilclubs, dem bei einem Abstieg aus dem Bundesliga-Unterhaus der schleichende Niedergang zurück in den Amateurfußball droht.

Deshalb hat man sich, allerdings viel zu spät, vor knapp einer Woche von seinem am Ende erfolglosen Cheftrainer Benno Möhlmann getrennt und ihn durch Rückkehrer Tomas Oral ersetzt. Immerhin hat der 42-Jährige es in den letzten Tagen ganz offensichtlich geschafft, zumindest das Binnenklima im Kader, um das es nicht so gut bestellt sein soll, ein wenig aufzulockern. Ob diese Stimmungsaufheller allerdings ausreichen, um nach sieben Jahren in der fußballerischen Zweitklassigkeit nicht in die Dritte Liga abzustürzen, wird der finale Akt dieser aus Bornheimer Sicht so wechselhaften Spielzeit weisen.

Möglicherweise müssen die Frankfurter sogar noch in die nervenzehrende Relegation, wo sich in den letzten Jahren fast immer der Drittligist durchgesetzt hat. Ein Sieg des FSV in Düsseldorf ist das einzige Ergebnis, mit dem sich die Frankfurter in diesem dramatischen Abstiegskampf zumindest die Teilnahme an den beiden Relegationsspielen gegen Holstein Kiel am 29. Mai und 2. Juni sichern können. Sollten die Hessen zum vierten Mal in Folge als Verlierer den Platz verlassen, sind sie auf die Schützenhilfe des gastgebenden FC Heidenheim gegen den FC Erzgebirge Aue angewiesen. Die Südsachsen haben nach einem beeindruckenden Schlussspurt nur noch einen Zähler weniger auf dem Konto als die Bornheimer, die phasenweise schon 13 Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze aufwiesen, nach einer Negativserie von elf sieglosen Begegnungen aber auf den Relegationsplatz abrutschten.

Mit viel Mut, einer geballten Ladung Routine und ungewöhnlichen Maßnahmen will Tomas Oral nun seine einwöchige Mission zu einem erfolgreichen Ende führen. „Wir werden von der ersten Minute an so Vollgas geben, dass wir auf jeden Fall als Sieger vom Platz gehen können“, sagt Oral vor dem Aufeinandertreffen mit der Fortuna. Und ganz offensichtlich, auch wenn er noch keine Details zu seiner Startformation bekannt gab, setzt der Hoffnungsträger des FSV bei diesem Endspiel auf die routinierten Kräfte in seinem Kader. Denn vieles deutet darauf hin, dass der 34 Jahre alte und bundesligaerfahrene Abwehrchef Hanno Balitsch gemeinsam mit Björn Schlicke, der im Juni 34 Jahre alt wird, die Innenverteidigung bilden. Schlicke, der in dieser Saison nur noch zweite oder gar dritte Wahl war, wird den FSV Frankfurt im Sommer nach fünf Jahren bekanntlich verlassen und seine Karriere in der Dritten oder Vierten Liga ausklingen lassen.

Aber nicht nur Schlicke kann sich eine Chance auf einen Einsatz von Beginn an ausrechnen. Auch Faton Toski, der von Möhlmann zuletzt nicht mehr berücksichtigt wurde, sowie Zafer Yelen und Denis Epstein, die nach ihren langen Verletzungspausen vor einer Woche gegen Berlin schon zu Kurzeinsätzen kamen, stehen wohl im 18 Spieler umfassenden Kader, der heute nach Düsseldorf aufbricht. Nicht dabei sein werden die verletzten Joan Oumari, Amine Aoudia und Mario Engels sowie der gelbgesperrte Odise Roshi.

Wäre da noch die ungewöhnliche Maßnahme von Oral, der beim ersten Training am Montag seine Mannschaft durch die Waschstraße einer Tankstelle laufen ließ und dafür ein bundesweites Echo in den Medien erntete. „Wenn sie verlieren, ist das die dümmste Idee, von der ich gehört habe. Wenn sie gewinnen, ist es genial“, erklärte der Norweger Jan-Age Fjortoft, der die Frankfurter Eintracht 1999 mit seinem Treffer zum 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern vor dem Abstieg bewahrte, in einem Interview mit der FAZ.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare