FSV Frankfurt

Der Favoritenschreck

  • vonMichael Helms
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Nürnberg, Leipzig und nun auch noch den 1. FC Kaiserslautern: Der Fußball-Zweitligist aus dem Frankfurter Stadtteil Bornheim hat auf dem Weg zum Klassenerhalt das dritte „Schwergewicht“ in Folge besiegt.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass man der Mannschaft des FSV Frankfurt angesichts ihrer bevorstehenden Aufgaben einen nervenzehrenden Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag prophezeit hatte. Das Team von Cheftrainer Benno Möhlmann aber hat sich nach dem Ende der Winterpause nicht nur zum derzeit erfolgreichsten Ensemble im Bundesliga-Unterhaus entwickelt. Die Bornheimer haben sich zum Favoritenschreck gemausert. Nach den Erfolgen über Nürnberg und Leipzig besiegten die Frankfurter gestern mit dem 1. FC Kaiserslautern bereits das dritte „Schwergewicht“ in Folge.

„Der FSV Frankfurt hat heute eindrucksvoll bewiesen, dass er die beste Mannschaft der Rückrunde ist“, unternahm Kosta Runjaic, der Trainer des 1. FC Kaiserslautern, erst gar nicht den Versuch, nach der 0:2-Niederlage seiner Mannschaft den Blick für die Realität zu verlieren. Der Sieg des FSV Frankfurt war in der Tat hochverdient, die Hessen hatten die Vielzahl an besseren Torchancen und viel mehr investiert als der Aufstiegskandidat, der das Spiel vor über 10 000 Zuschauern, darunter knapp 6000 aus der Pfalz, zwar kontrollierte, aber im Grunde genommen nicht eine einzige Torchance hatte.

Ganz im Gegensatz zu den Gastgebern, die schon vor der Pause zwei hervorragende Möglichkeiten durch Amine Aoudia (17. Minute) und Hanno Balitsch (38.) besaßen. Bezeichnenderweise war Tobias Sippel der auffälligste Akteur der Gäste, nach knapp einer Stunde musste der Torhüter des FCK Kopf und Kragen riskieren, um einen Treffer des jungen Frankfurters Mario Engels zu verhindern, der frei vor ihm aufgetaucht war. Zehn Minuten nach dieser Szene aber war Sippel machtlos. Im Duell mit dem Bornheimer Kunstschützen Vincenzo Grifo hatte er keine Chance, als der junge Italiener einen Freistoß aus rund 25 Metern im linken oberen Torwinkel versenkte. Es war bereits der siebte Saisontreffer der Leihgabe aus Hoffenheim, der sich am Bornheimer Hang zu einer ungemein wirkungsvollen Offensivkraft entwickelt hat. Aber nicht nur Grifo spielt mittlerweile auf einem konstant hohen Niveau. Die Basis des derzeitigen Erfolges beruht vor allem auf einer sehr stabilen Defensive, die ihren Gegnern das Leben schwermacht.

„Das ist der FSV, den man kennt. Riesenkompliment an die Mannschaft, wie wir das verteidigt haben, giftig in den Zweikämpfen waren und das Kaiserslauterner Spiel kaputt gemacht haben“, sagte später Manuel Konrad freudestrahlend. „Jetzt haben wir neun Punkte aus drei Spielen geholt, das ist super“, frohlockte der Kapitän der Bornheimer, die ganz offensichtlich auf dem besten Weg sind, sich schon frühzeitig den Klassenerhalt zu sichern. „Ich bin mit der Entwicklung der Mannschaft sehr zufrieden. Und wenn wir diese Einstellung beibehalten, holen wir auch noch ein paar Punkte“, sagte FSV-Cheftrainer Benno Möhlmann, der sich an diesem Tag nur über die Gelb-Rote Karte für Amine Aoudia ärgerte. „Es war dumm von ihm, nach zwei Fehlern so reinzugrätschen. Das haben wir schon so oft angesprochen“, kritisierte Möhlmann den algerischen Stürmer, der in der 73. Minute nach einem Foul an Markus Karl völlig zu Recht vom guten Schiedsrichter Rene Rohde vorzeitig in die Kabine geschickt wurde. Aber auch die numerische Unterlegenheit brachte die Bornheimer nicht aus dem Tritt. Geschickt verteidigten sie ihren Vorsprung, den sie kurz vor dem Abpfiff sogar noch ausbauten. Nach einer Flanke des eingewechselten Florian Ballas rutschte Innenverteidiger Willi Orban im Strafraum aus, was Zlatko Dedic, der kurz zuvor Grifo ersetzt hatte, die Möglichkeit bescherte, den Ball aus kurzer Distanz zum erlösenden 2:0 ins Tor zu befördern.

Alexander Huber: Ob Chris Löwe, Ruben Jenssen oder Alexander Ring: Die hochgelobten Pfälzer Offensivkräfte auf der linken Seite bissen sich an dem rechten Verteidiger die Zähne aus.

Alexander Bittroff: In der Vorrunde hatten die Bornheimer noch ein Problem auf der Linksverteidiger-Position. Mittlerweile nicht mehr, weil sich der frühere Cottbuser vom Wackelkandidaten zur verlässlichen Stammkraft entwickelt hat.

Hanno Balitsch: Ein umsichtiger Abwehrchef, der alles im Griff hatte.

Joan Oumari: Es verwundert nicht, dass dem Innenverteidiger einige Angebote aus dem Ausland vorliegen sollen.

Manuel Konrad: Wie schon vor einer Woche in Leipzig eine imponierende Vorstellung des Kapitäns, der gefühlte hundert Zweikämpfe gewann und ein immenses Laufpensum abspulte.

Marc Kruska: Bissig in der Defensive, außerdem kurbelte er mit klugen Pässen immer wieder das Offensivspiel an.

Vincenzo Grifo: Der Mann für die Überraschungsmomente in der Bornheimer Offensive: Allein sein Traumtor zum 1:0 war das Eintrittsgeld schon wert.

Patric Klandt: Schwerer Patzer nach fünf Minuten, der eine heikle Situation zur Folge hatte. Ansonsten eine fehlerfreie Vorstellung des FSV-Torhüters, der allerdings kaum Gelegenheiten hatte, sich auszuzeichnen.

Mario Engels: Er arbeitete viel nach hinten, in der Vorwärtsbewegung konnte der Flügelspieler, den in den Tagen zuvor eine Grippe geschwächt hatte, keine Akzente setzen.

Amine Aoudia: Die einzige Sturmspitze des FSV ackerte wieder für zwei, erwies seiner Mannschaft aber einen Bärendienst, als er nach einem unnötigen Foul an Markus Karl in der 73. Minute die Gelb-Rote Karte sah.

Odise Roshi: Blasse Vorstellung des Albaners, der viele falsche Entscheidungen traf.

Timm Golley: Er kam nach 65 Minuten für Engels und sorgte am Ende noch für Entlastung.

Florian Ballas: Er ersetzte in der 76. Minute Roshi und bereitete den zweiten Treffer vor.

Zlatko Dedic: Neun Minuten vor dem Ende kam er ins Spiel, 60 Sekunden vor dem Abpfiff traf er zum erlösenden 2:0.

Schwach

Kein Eintrag.

Totalausfall

(mh)

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