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Jörg Berger

Der Feuerwehrmann

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Wenn es einem Verein, ob in der Fußball-Bundesliga oder Kreisliga A, so richtig schlecht geht, sind sie gefragt: die Feuerwehrmänner. Trainer, die innerhalb kürzester Zeit noch den drohenden Abstieg verhindern. Und das soll jetzt auch Tomas Oral mit dem Zweitligisten FSV Frankfurt gelingen.

Am vergangenen Sonntag verfolgte Tomas Oral noch als mitfiebernder Zuschauer das Heimspiel des FSV Frankfurt gegen Union Berlin. Wenige Stunden nach der 1:3-Heimniederlage der Bornheimer, die dem bisherigen Cheftrainer Benno Möhlmann bekanntlich den Job kostete, übernahm Oral ohne zu zögern die sportliche Verantwortung beim FSV Frankfurt, den er 2008 in die Zweite Bundesliga geführt hatte.

„Der Fußball ist eben ungewöhnlich“, sagte Oral einen Tag später über jene Maßnahme der Vereinsführung, ihn als Notfallhelfer zu verpflichten. Denn möglicherweise endet seine Amtszeit am Bornheimer Hang ja schon nach einer Woche, wenn der FSV nämlich nach dem letzten Spieltag, wo er in Düsseldorf anzutreten hat, direkt absteigen sollte. Oder aber am 2. Juni, wenn die Bornheimer nach dem Relegationsrückspiel zu Hause gegen Holstein Kiel den Gang in die Dritte Liga antreten müssen. Es könnte aber auch durchaus sein, dass aus dem kurzfristigen Engagement von Oral eine dauerhaftere Verbindung entsteht, wenn der 42-Jährige den FSV Frankfurt doch noch in der Zweiten Liga hält.

Zunächst einmal aber muss Oral seine Rolle als Feuerwehrmann erfolgreich gestalten. So nennt man jene Trainer, die in fast aussichtslosen Situationen noch das Unmögliche möglich machen sollen. Als die

„Red Adairs“

des deutschen Fußballs bezeichnete die FAZ Fußball-Lehrer wie zum Beispiel Peter Neururer oder den leider viel zu früh verstorbenen Jörg Berger, die immer dann gefragt waren, wenn kurzfristig ein Retter gesucht wurde. So holte Peter Neururer, immer ein gefragter Mann für solche Engagements, in der Saison 1995/1996 mit dem 1. FC Köln 16 Punkte aus neun Spielen und sicherte den Rheinländern so noch den Klassenerhalt in der Bundesliga. Und Jörg Berger bewahrte 1999 die Frankfurter Eintracht nach einem dramatischen Saisonendspurt und einem 5:1-Heimsieg über den 1. FC Kaiserslautern noch vor dem Abstieg aus der Bundesliga, was den norwegischen Stürmer der Hessen, Jan-Aage Fjörtoft, später sagen lassen sollte: „Der Berger hätte auch die Titanic gerettet.“

Weniger Glück hatte die Frankfurter Eintracht dann mit der überraschenden Verpflichtung von Christoph Daum. Bei seinem Dienstbeginn im März 2011 als Nachfolger des geschassten Michael Skibbe hatte er noch selbstbewusst verkündet, die Eintracht zunächst zum Klassenerhalt und später dann in die Europa League zu führen. Der Rest dieser Geschichte ist bekannt. Die Eintracht holte in sieben Spielen unter Daum keinen einzigen Sieg und stieg ab. Oder Otto Rehhagel, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verpflichtet, sollte im Frühjahr 2012 die Berliner Hertha retten. Nach nur zwei Siegen musste die Hertha die Relegation gegen Fortuna Düsseldorf bestreiten und dann den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Noch weniger Zeit als Tomas Oral jetzt mit dem FSV Frankfurt hatte übrigens Jörg Berger einst mit Arminia Bielefeld. Fünf Tage vor dem Ende der Saison 2008/2009 feuerten die Ostwestfalen damals Michael Frontzeck, was sich am Ende als erfolglos erwies. Berger schaffte nur ein 2:2 gegen Hannover 96 und musste nach dem damit verbundenen Abstieg wieder gehen. „Je weniger Zeit du als Trainer hast, desto weniger kannst du auch bewegen“, sagte Jörg Berger hinterher. Und 1967 ging ein Trainerwechsel für ein Spiel schon einmal schief. Rot-Weiß Essen ersetzte Fritz Pliska durch Interimscoach Heinz Wewers und stieg nach einer 0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart aus der Bundesliga ab.

Viel Zeit hat man Tomas Oral auch nicht gegeben, um die Bornheimer noch vor dem folgenschweren Sturz in die Drittklassigkeit zu bewahren. „Ich bin kein Zauberer“, sagte er am Montag nach der ersten Trainingseinheit mit seiner neuen Mannschaft, die er gleich mal durch die im Betrieb befindliche Waschstraße einer Tankstelle laufen ließ. „Die Jungs sollten abschütteln, was war. Sie sollen das Alte hinter sich lassen“, begründete er seine höchst ungewöhnliche Maßnahme, die in keinem Trainer-Lehrbuch steht. Aber vielleicht steht der Feuerwehrmann Tomas Oral mit dem FSV Frankfurt am Ende doch nicht im Regen.

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