Zlatko Dedic (links) bejubelt seinen Treffer zum glücklichen 1:1 des FSV Frankfurt in Nürnberg.
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Zlatko Dedic (links) bejubelt seinen Treffer zum glücklichen 1:1 des FSV Frankfurt in Nürnberg.

FSV Frankfurt

FSV „Fortuna“ Frankfurt

  • vonMichael Helms
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Der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt hat beim 1. FC Nürnberg am Ende noch ein 1:1 geholt. Die Leistung der Bornheimer, die nicht zweitligareif war, stimmt dennoch nachdenklich.

Alles war bereits für die große Feier im Frankenstadion angerichtet, als Alessandro Schöpf zwei Minuten vor dem Abpfiff mutterseelenallein auf das Tor zu stürmte: Fast 24 000 Fans des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg freuten sich auf den zweiten Treffer ihrer Mannschaft, während sich die Hundertschaft mitgereister Anhänger des FSV Frankfurt endgültig mit der dritten Niederlage ihres Teams in Folge abgefunden hatte. Aber der junge Österreicher (21) in Diensten des „Clubs“ scheiterte zunächst an dem überragenden Frankfurter Torhüter André Weis, der 120 Sekunden nach dieser Szene erneut seine Fäuste jubelnd in den Himmel strecken konnte.

Denn eine krasse Fehlentscheidung von Schiedsrichter Florian Heft, der auf eine Schwalbe von Besar Halimi herein fiel und in der Nachspielzeit zur Überraschung aller im Stadion anwesenden Zuschauer auf den Punkt deutete, bescherte den Bornheimern noch einen nicht mehr für möglich gehaltenen Punktgewinn. Zlatko Dedic nahm das Geschenk des Spielleiters dankend an und verwandelte den Elfmeter, der keiner war (siehe Text auf dieser Seite), eiskalt zum 1:1. Von überschäumender Freude war im Lager des FSV Frankfurt aber nicht viel zu spüren. Zu schmeichelhaft war das Unentschieden, zu durchwachsen die Vorstellung der Bornheimer, die nach einem durchaus verheißungsvollen Saisonstart mittlerweile auf der Stelle treten und sich in den kommenden Wochen erheblich steigern müssen, um nicht in den Keller des Bundesliga-Unterhauses abzurutschen.

„Wir wissen das 1:1 schon einzuschätzen und müssen intern die Dinge ansprechen, die nicht gut waren“, sagte FSV-Geschäftsführer Clemens Krüger. Und für Redebedarf dürfte am Bornheimer Hang in den nächsten Tagen gesorgt sein. Denn neben André Weis, der mit seinen Glanzparaden die Nürnberger zur Verzweiflung trieb, erreichten nur der iranische Nationalspieler Ehsan Haji Safi, Zlatko Dedic und Florian Ballas, der den gesperrten Abwehrchef Joan Oumari gut vertrat, an diesem Tag Zweitliganiveau. Der Rest der auf fünf Positionen veränderten Frankfurter Mannschaft genügte zumindest im Duell mit dem früheren Bundesligisten nicht den Ansprüchen dieser Spielklasse. So blieben die Bornheimer in der Offensive erschreckend harmlos, bekamen im Mittelfeld keinen Zugriff auf ihre Gegenspieler und wirkten in der Defensive sichtlich überfordert.

Als unglücklich erwies sich zudem die Maßnahme von Cheftrainer Tomas Oral, den etatmäßigen Rechtsverteidiger Alexander Huber mit der Aufgabe des gesperrten Mittelfeldspielers Manuel Konrad zu betrauen und Denis Mangafic zu seinem Zweitligadebüt zu verhelfen. Huber konnte in seiner ungewohnten Rolle ebenso wenig überzeugen wie Mangafic, der Hubers Position übernommen hatte. Der Neuzugang vom Regionalligisten Kickers Offenbach, der es vor diesem Spiel noch nicht einmal in den Kader des FSV geschafft hatte, bekam den stark spielenden Nürnberger Guido Burgstaller, der in der 57. Minute auch die Führung der Gastgeber durch Schöpf vorbereitete, nie in den Griff. Mangafic hatte allerdings auch das Pech, dass Shawn Barry, sein Partner auf der rechten Seite, ihn häufig im Stich ließ. „Barry hatte große Probleme mich selbst“, kritisierte Oral den Auftritt des Amerikaners, der den erkrankten Mario Engels ersetzte.

Nach knapp 70 Minuten hatte der Frankfurter Coach dann endlich ein Einsehen und holte bei seinem ungewöhnlichen Dreifach-Wechsel neben Denis Epstein auch Mangafic und Barry vom Platz. Mit den frischen Offensivkräften Felipe Pires, Timm Golley und Besar Halimi wollte Oral noch einmal für Schwung sorgen, was lange Zeit nicht gelingen sollte. Ganz im Gegenteil: Die Nürnberger hatten jetzt noch mehr Freiräume und Chancen im Überfluss, die sie allerdings fahrlässig verschleuderten. „Ich habe den Jungs in der 80. Minute zugerufen, dass sie noch eine Chance bekommen werden. Man hat mal wieder gesehen, dass man bis zum Schluss kämpfen muss“, lobte Weis später die Moral und kämpferische Einstellung seiner Mitspieler, die sich zumindest in dieser Kategorie zweitligareif präsentierten.

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