Hallenfußball in Frankfurt

Frankfurt Cup: Der Scheck geht nach Bornheim

Der FSV Frankfurt nimmt den Hallen-Kick ernst und wird dafür belohnt, die Eintracht bringt kaum eine Mannschaft zustande. Hässliche Randerscheinung: Bei Tumulten auf der Tribüne gibt es sieben Verletzte.

Von Peppi Schmitt

Hallenturniere sollen für technisch schönen Fußball stehen, für viele Tore, für Budenzauber. Das 37. Turnier um den „Frankfurt Cup 2015“ am Samstag hatte mit all dem nicht wirklich etwas zu tun. Was in erster Linie am SV Darmstadt 98 und den Grashoppers Zürich lag, die sportlich komplett enttäuschten. Zudem benahmen sich die Fans der Schweizer komplett daneben, griffen andere Zuschauer, Ordner und Polizisten an und sorgten für einen Spielabbruch. Dass die Frankfurter Eintracht aus den verschiedensten Gründen kaum eine Mannschaft zusammenbrachte und sich sogar mit Spielern aus der B-Jugend behelfen musste, passte ins durchaus enttäuschende Bild. Immerhin, mit dem FSV Frankfurt gewann am Ende die beste Mannschaft verdient.  

Die Bornheimer hatten das Turnier ernst genommen, was sich schon darin zeigte, dass hinter der Bande Trainer Benno Möhlmann so engagiert mitging, als sei es ein Spiel in der Zweiten Liga. „Das kann ich nicht ablegen“, sagte Möhlmann, der seine Spieler immer wieder lautstark zur Konzentration mahnte. Und die hörten aufs Wort. Der FSV räumte ab: Der Siegerscheck über 5000 Euro ging nach Bornheim, zudem wurden Patrick Klandt zum besten Torwart und Faton Toski zum besten Spieler gewählt. Bester Torschütze wurde der Fürther Marco Stiepermann (7 Treffer).

„Wir sind glücklich, dass wir gewonnen haben“, sagte Sportchef Uwe Stöver. Schon die Antrittsgage sei „gutes Geld“ gewesen. Der FSV hatte mehr Stammspieler aufgeboten als die meisten anderen Clubs, neben Klandt noch Alexander Huber und Vincenzo Grifo, und hatte grundsätzlich auf Profis gesetzt. Das zahlte sich aus und führte mit dem 6:0 im letzten Gruppenspiel gegen die Eintracht auch zum spektakulärsten Auftritt. Am Tag danach nahmen die Bornheimer beim Turnier in Gummersbach teil und belegten nach einem Sieg im Neunmeterschießen über Rot-Weiß Oberhausen den dritten Platz.  

Die Eintracht hatte aus nachvollziehbaren Gründen einen anderen Weg gewählt. Zwar waren im Gegensatz zu den vergangenen Jahren diesmal wenigstens alle Profis genau wie Cheftrainer Thomas Schaaf in der Halle. Doch die meisten schrieben nur Autogramme.

Am Ball waren mit Torwart „Nummer drei“ Emil Balayev und den Reservisten Slobodan Medojevic, der sich obendrein bald leicht verletzt abmeldete, Jan Rosenthal, David Kinsombi und Lucas Piazon nur fünf Profis, dazu noch die U 19-Spieler Yannick Zummack, Nico Rinderknecht, Enis Bunjaki und Ilias Azoaughi.

Da die A-Jugend sich bereits im Trainingslager in der Türkei befindet, musste Hallen-Coach Wolfgang Rolff mit Adrian Matuschewski und Volkan Egri gar auf zwei Spieler aus der B-Jugend zurückgreifen. Das konnte natürlich sportlich nicht gutgehen. „Die junge Mannschaft hat trotzdem ein gutes Turnier gespielt“, wollte Rolff nach Rang drei keine Kritik zulassen. Enttäuscht waren die Fans trotzdem, immerhin datiert der letzte Turniererfolg aus dem Jahr 2007.

Im Endspiel standen der FSV und Greuther Fürth. Ein Finale, das kaum noch jemand interessierte. Viele der knapp 5000 Zuschauer hatten sich längst auf den Heimweg gemacht, als Joni Kauko seine Mannschaft mit zwei Toren zum 2:1-Sieg schoss. Damit war der dritte Triumph des FSV beim Frankfurter Hallenturnier nach 1980 und 1991 perfekt. „Wir haben holprig angefangen, uns dann aber immer mehr verbessert“, sagte Möhlmann, „es ist schön, dass die Jungs gesehen haben, dass sie auch in der Lage sind, gegen Mannschaften zu gewinnen, die in der Liga besser dastehen.“ Die Diskussionen drehten sich da aber längst um andere. Um jene, die mit Fußball nichts zu tun haben, die wohl nur angereist waren, um zu randalieren.

300 sogenannte Fans waren aus Zürich mitgekommen und nutzten Dummheiten der Spieler auf dem Kunstrasen, um in der Folge ihr Mütchen zu kühlen. Im bedeutungslosen Gruppenspiel der bis dahin sieglosen Teams aus Darmstadt und Zürich war es nach einem üblen Foul an Hanno Behrens zur Rudelbildung gekommen, auch einige Betreuer und Trainer – unter anderem Darmstadts Torwartcoach Dimo Wache, mischten mit – Zürichs Michael Dingsdag schlug mit der Faust Richtung Aaron Berzel, und so eskalierte die Situation.

Der Schiedsrichter war überfordert, Ordner mussten schlichten. „Da sind einigen die Gäule durchgegangen, auch auf unserer Seite“, sagte Darmstadts Trainer Dirk Schuster. Nach ein paar Minuten hatte sich die Situation unten wieder beruhigt, doch nun brannten auf den Rängen bei vielen die Sicherungen durch.

Grasshopper-Fans warfen Gegenstände in den Darmstadt-Block, die Polizei musste eingreifen, was bei den Örtlichkeiten in der Halle gar nicht so einfach war. Angeblich soll auch Pfefferspray im Einsatz gewesen sein – von der Polizei und Fans aus der Schweiz. Sieben Personen wurden nach Angaben der Polizei verletzt, vier Anhänger aus Zürich wurden vorübergehend festgenommen. „Das hat mit Fußball nichts zu tun, es war einfach traurig“, sagte Schuster. Das Spiel wurde beim Stand von 4:3 für Darmstadt abgebrochen.

Der zuvor von vielen Frankfurter Zuschauern freundlich begrüßte ehemalige Eintracht-Star Caio traute seinen Augen kaum. „Es ist unglaublich, was hier abgegangen ist“, sagte der brasilianische Profi der Schweizer, der wie seine Kollegen sportlich überhaupt nichts zuwege gebracht hatte. Der Verein entschuldigte sich beim Veranstalter und den verletzten Ordnungskräften.

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