FSV: Das große Zittern

  • vonMichael Helms
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Am Sonntag (13.30 Uhr) empfängt der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt den Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg. Eines von 15 „Endspielen“, die der FSV auf dem Weg zum Klassenerhalt zu bestreiten hat.

Alle Jahre wieder: Wenn in der Zweiten Fußball-Bundesliga die Winterpause ganz offiziell beendet ist, beginnt am Bornheimer Hang das große Zittern. Und das liegt nicht nur daran, dass die Temperaturen in dieser Zeit in unschöner Regelmäßigkeit unter den Gefrierpunkt sinken. Mit der Fortsetzung der Rückrunde beginnt für die Anhänger und Verantwortlichen des FSV Frankfurt wieder der nervenzehrende Abstiegskampf, der für den Stadtteilclub mit dem kleinen Etat eben auch ein Ringen um seine Existenz im Profifußball darstellt.

Die Frankfurter bestreiten zwar mittlerweile ihre siebte Spielzeit hintereinander im Bundesliga-Unterhaus. Sportlich etabliert – insofern das in dieser Liga überhaupt möglich ist – haben sich die Hessen in der Zweiten Liga aber immer noch nicht. Nur zwei Mal in diesen sieben Jahren konnten sich die Verantwortlichen des FSV relativ gelassen zurücklehnen und das Geschehen in der Rückserie entspannt verfolgen, weil ihr Club zu diesem Zeitpunkt frei von allen Abstiegssorgen war.

Einen Tag vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (Anpfiff: 13.30 Uhr) sind die Hessen aufgrund ihres katastrophalen Saisonstarts leider wieder mittendrin im Kampf gegen den Abstieg, der für die Bornheimer so fatale Folgen hätte. Es wäre der Abschied vom Profifußball, denn ohne die üppigen Fernsehgelder, die man in der Zweiten Liga erhält, wäre der FSV mit seinen wenigen Zuschauern und der überschaubaren Anzahl an potenten Sponsoren nicht konkurrenzfähig. In dieser Saison kassieren die Frankfurter zum Beispiel allein 6,9 Millionen Euro TV-Geld, eine Klasse tiefer würden gerade mal knapp 800 000 Euro aus dem Fernseh-Topf fließen. Eine sofortige Rückkehr des FSV Frankfurt in die Zweite Liga wäre unmöglich, vielmehr droht sogar der Absturz in die Viertklassigkeit.

Um dieses Szenario zu vermeiden, hat die Mannschaft von Cheftrainer Benno Möhlmann, der nur bei Klassenerhalt dem FSV erhalten bleibt, in 15 Begegnungen die Gelegenheit, die notwendigen Punkte einzufahren. Im Moment führen die Frankfurter als Tabellen-13. mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz die Zone der gefährdeten Mannschaften an. Gefolgt von dem SV Sandhausen, 1860 München, dem VfR Aalen, dem FC St. Pauli und dem Schlusslicht aus Aue, das in der Winterpause mit einem personellen Kraftakt auf seine desaströse Vorrunde reagiert hat. Gleich acht neue Spieler haben die Südsachsen ausgeliehen oder fest verpflichtet, auch der VfR Aalen, obwohl finanziell arg gebeutelt, hat auf fünf Positionen nachgebessert.

Der FSV hingegen vertraut jenem Team, das aus den ersten

19 Spielen 21 Punkte holte, und hat mit den Verpflichtungen von Florian Ballas (Hannover 96), Timm Golley (Fortuna Düsseldorf) und Patrick Schorr (TSG Hoffenheim) seinen Kader lediglich in der Breite verstärkt. Mit einem Einsatz der drei neuen Spieler am Sonntag gegen Nürnberg ist wohl nicht zu rechnen. Möglicherweise aber mit dem von Odise Roshi und Amine Aoudia. Flügelspieler Roshi, der in der Vorrunde immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wurde, hat die Vorbereitung während der Winterpause ebenso problemlos absolviert wie Aoudia, der im Grunde genommen der vierte „Neuzugang“ des FSV Frankfurt ist. Der algerische Stürmer hatte sich im Februar des vergangenen Jah-

res – damals noch in Diensten von Dynamo Dresden – einen Kreuzbandriss zugezogen und kam deshalb erst zu zwei Kurzeinsätzen, die allerdings durchaus vielversprechend waren. „Wir haben bis Ende Mai 15 Knallerspiele, um die Punkte, die wir für den Klassenerhalt benötigen, einzufahren. Und wir müssen den Ansatz haben, jedes dieser Spiele zu gewinnen. Das ist das Entscheidende. Der Ansatz ist nicht der jeweilige Gegner, sondern sind wir selbst“, fordert Möhlmann vor dem sicherlich nicht einfachen Aufeinandertreffen mit dem Bundesliga-Absteiger aus Nürnberg von seiner Mannschaft ein Höchstmaß an Einsatz und Selbstbewusstsein.

Aber auch wenn der Klassenerhalt erneut gelingen sollte und die Bornheimer dann ihre achte Saison in der Zweiten Bundesliga bestreiten würden, müssen sich die Verantwortlichen des FSV Frankfurt gewaltig strecken, um im finanziellen Kräftemessen mit der Konkurrenz nicht noch weiter ins Hintertreffen zu geraten. Der Club, der nach wie vor sein Zuschauerproblem nicht in den Griff bekommt, muss sich neben einem neuen Vermarktungsunternehmen – die Zusammenarbeit mit IMG wurde vorzeitig aufgelöst – höchstwahrscheinlich auch einen neuen Hauptsponsor suchen. Denn der Kontrakt mit dem Kölner Telekommunikationsunternehmen Sparhandy läuft im Sommer aus, eine weitere Zusammenarbeit scheint derzeit genauso ungewiss wie die sportliche Zukunft des FSV Frankfurt.

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