FSV Frankfurt

Die Führungskräfte des FSV gehen von Bord

  • VonStefan Fritschi
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Paukenschlag beim FSV Frankfurt: Beim Traditionsverein aus Bornheim gaben gestern Geschäftsführer Krüger und das komplette Präsidium mit Rosenthal an der Spitze ihren Rücktritt zum Monatsende bekannt. Ex-Präsident Görner soll der neue starke Mann werden.

Die sportliche Lage des Fußball-Drittligisten FSV Frankfurt ist besorgniserregend, ebenso die finanzielle Situation. Für Geschäftsführer Clemens Krüger und das Präsidium ist dies der Anlass, von ihren Ämtern zurückzutreten. „Wir wollen mit dem Rücktritt eine Initialzündung für einen Neuanfang geben, um in der schwierigen sportlichen Phase alle Kräfte für einen Klassenerhalt zu bündeln. Mit nur einer kurzen Unterbrechung habe ich seit 17 Jahren immer alles für den FSV gegeben“, wird Krüger in einer Pressemitteilung des FSV zitiert. Seit dem Zweitliga-Abstieg hatte die Kritik an ihm allerdings zugenommen. Zu einem Gespräch war der 46 Jahre alte Diplom-Kaufmann nicht zu erreichen.

Der Weg ist also frei für einen grundlegenden Neuanfang, denn auch das komplette Präsidium mit dem Präsidenten Julius Rosenthal und den „Vize“ Ludwig von Natzmer, Wolfgang Kurka und Walter Schimmel beendet laut Mitteilung des FSV offiziell zum 31. März seine Tätigkeit. „Die Entscheidung zu diesem Schritt ist uns nicht leicht gefallen. Mein Herz hängt an diesem Verein, ich bin seit meiner Geburt Mitglied. Natürlich wünschen wir dem FSV Frankfurt bei den bevorstehenden Aufgaben alles Gute und drücken die Daumen, dass der Klassenerhalt in der Dritten Liga gelingt“, sagte Rosenthal.

Doch nicht nur auf dem Rasen läuft es schlecht bei nur zwei erzielten Punkten in neun Spielen in diesem Jahr. Der Fußballsportverein steckt auch finanziell arg in der Bredouille. Krüger selbst sagte unlängst, dass es sehr schwierig werden wird, den Etat für die kommende Saison zu stemmen – ganz gleich, ob der FSV weiter Mitglied der Dritten Liga sein wird oder dann der Regionalliga Südwest angehört. Wegen des Wegfalls des „Übergangsgeldes“, das der FSV als Zweitliga-Absteiger erhielt, fehlen schon eine halbe Million Euro. Steigen die Schwarz-Blauen ab, gibt es auch kein TV-Geld mehr; dieses beläuft sich derzeit auf etwa 800 000 Euro. Ob die Frankfurter Volksbank, Namensgeber des Stadions, ihr Engagement fortsetzen wird, ist ungewiss. Der finanzielle Spielraum ist inzwischen schon so eng, dass die Stadt Frankfurt dem FSV einen Teil der Stadionmiete stundet, berichtet die „F.A.Z“. Es soll sich um eine Summe von circa 150 000 Euro handeln. Des Weiteren soll ein Darlehen über knapp eine Million Euro im Sommer zurückgezahlt werden. Außerdem soll die Berufsgenossenschaft noch Forderungen an die Bornheimer haben. Insgesamt sollen sich die Verbindlichkeiten auf bis zu drei Millionen Euro belaufen.

Der FSV braucht also Geld, und das nicht zu knapp, um eine mögliche Insolvenz zu vermeiden. Falls ein entsprechender Antrag noch in dieser Saison gestellt werden würde, käme dies dem Abstieg gleich, denn dann gibt es einen Abzug von neun Punkten. Würde der Antrag ab dem 1. Juli gestellt werden, ginge man mit der entsprechenden Hypothek in die Runde.

Da kommt es dem Verein nicht ungelegen, dass Michael Görner Interesse hat, das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Bei der obligatorischen Pressekonferenz zum Spiel gegen Lotte gestern Mittag, vor der Bekanntgabe der Rücktritte, war Görner schon zugegen. Zu seinen Ambitionen beim FSV Frankfurt wollte er keine Stellungnahme abgeben.

Görner hatte den Club bereits zwischen 2003 und 2007 geführt. „Die Erfolgsgeschichte des FSV Frankfurt ist eng mit seinem Namen verbunden. Er war immer für den Verein da“ – mit diesen Worten hatte ihn Ludwig von Natzmer vor zehn Jahren verabschiedet.

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