FSV Frankfurt

Das Geduldsspiel

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Beim 0:0 in Bielefeld offenbart der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt noch zu viele Schwächen in der Offensive.

Zumindest das Problem zwischen den Pfosten scheint gelöst zu sein. Als Patric Klandt nach sieben Jahren Zweitklassigkeit den FSV Frankfurt Richtung Freiburg verließ, war es während der Saisonvorbereitung eine spannende Frage, wer denn nun die Nachfolge des Publikumslieblings im Tor der Bornheimer antreten wird.

Phasenweise schien es so, als ob Sören Pirson, drei Spielzeiten lang hinter Klandt die Nummer zwei, die Nase vorn haben würde. Und dann verletzte sich auch noch André Weis, der als Ersatztorhüter des Bundesliga-Aufsteigers FC Ingolstadt zum FSV gewechselt war, eine Woche vor dem Saisonstart in einem Testspiel.

Doch Weis, der sich während der Saison 2010/2011 in der U 23 des VfB Stuttgart zu einem der stärksten Torhüter der Dritten Liga entwickelte, meldete sich rechtzeitig fit und wurde von Cheftrainer Tomas Oral sicherlich ein wenig überraschend kurz vor dem Heimspiel gegen Leipzig zum Klandt-Nachfolger bestimmt. Gegen die Sachsen blieb der 25-Jährige noch weitgehend beschäftigungslos. Beim 0:0 der Frankfurter am Freitagabend auf der Bielefelder Alm avancierte Weis zum besten Spieler seiner Mannschaft. „Er hat überragend gehalten“, lobte Oral seinen Torwart, der in der Tat einen nicht unerheblichen Beitrag dazu leistete, dass die Bornheimer trotz einer sehr durchwachsenen Vorstellung immerhin den ersten Punkt dieser noch so jungen Spielzeit auf ihr Konto schaufelten.

Überhaupt konnte Oral wie schon gegen Leipzig mit der Defensivabteilung seiner Mannschaft zufrieden sein, auch wenn dem hochveranlagten aber leider auch zum Leichtsinn neigenden Innenverteidiger Joan Oumari drei böse Fehler unterliefen, die allerdings ohne Folgen blieben. Weitaus stabiler präsentierte sich dafür Lukas Gugganig. Der österreichische U 21-Nationalspieler hatte zwar wie eine Woche zuvor gegen Leipzig zunächst einige Schwierigkeiten, in die Begegnung zu finden. Aber mit zunehmender Spieldauer entwickelte sich der 20-Jährige, der in der abgelaufenen Saison von RB Salzburg an den österreichischen Zweitligisten FC Liefering ausgeliehen war, zu einer zuverlässigen Konstante in der Abwehrzentrale des FSV.

Und davor setzte Oral im defensiven Mittelfeld auf ein Duo, das wie schon gegen Leipzig eine starke Vorstellung ablieferte. Manuel Konrad, in der abgelaufenen Runde nicht gerade die Zuverlässigkeit in Person, ackerte auf der Sechserposition mit seinem neuen Partner Fanol Perdedaj wie in besten Zeiten. „Er ist ein Arbeiter und ein guter Fußballer“, charakterisierte Konrad den 24 Jahre alten Neuzugang von Energie Cottbus, der bei der Berliner Hertha seine fußballerische Ausbildung genoss. „Er hat eine unglaubliche Mentalität und Willen, aber er muss sich auch auf die einfachen Dinge konzentrieren. Er will im Moment zu viel“, lobte und kritisierte Oral das Energiebündel, das sich im Spiel nach vorne in der Tat zu viele Flüchtigkeitsfehler erlaubte. Überhaupt ist die Offensive noch die größte Baustelle der Bornheimer. Die beiden Flügelspieler Timm Golley und Mario Engels, der in Bielefeld schon nach einer halben Stunde von Oral durch Denis Epstein ersetzt wurde, konnten bislang noch keine Akzente setzen. Der junge Besar Halimi ist sicherlich ein Kreativspieler mit einem großen Potenzial, aber gegen die Arminia wurden seine körperlichen Defizite offenkundig. Und Dani Schahin, neben Halimi die zweite Mainzer Leihgabe für die Abteilung Offensive, kann der Mannschaft noch nicht weiterhelfen, weil er drei Monate nach einer Leistenoperation konditionelle Rückstände hat. Als Alternativen stehen Oral derzeit nur unerfahrene Spieler wie der aus Offenbach zum FSV gewechselte Denis Mangafic, der Brasilianer Yann Rolim oder der Südkoreaner Inhyeok Park zur Verfügung. „Wir haben die Mannschaft stark verjüngt, deshalb müssen wir noch viel Geduld haben. Da muss auch ich mich zurück -nehmen“, weiß Oral natürlich, wie viel Arbeit noch vor ihm liegt.

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