Die FSV-Spieler bedanken zum Saisonabschluss bei ihren treuen Fans.
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Die FSV-Spieler bedanken zum Saisonabschluss bei ihren treuen Fans.

Der 12. Mann

Die Liebe der Fans

  • vonDaniel Waldschik
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Heut

Heute Abend endet die Winterpause auch für die Anhänger der Fußball-Zweitligavereine. Kein filigranes Hallen-Geschnicke mehr. Keine Auswechslungs- und Ausprobier-Orgien mehr in Testspielen im Trainingslager unter brütender spanischer Mittagssonne oder sonst wo in der Welt.

Die ersten Punkte der Rückrunde will der abstiegsbedrohte FSV Frankfurt ausgerechnet gegen Erstliga-Absteiger 1. FC Nürnberg einfahren. Warum auch nicht. Schließlich hat die Möhlmann-Truppe im Hinspiel die zu Saisonbeginn als Aufstiegskandidat auserkorenen Franken mit 1:0 aus deren heimischen Stadion gejagt.

Wie die letzten Sekunden vor einem Spiel aussehen können, hat Mounir Zitouni in dem Buch „Der 12. Mann“ skizziert – einem Band mit Geschichten geschrieben von Fans für Fans. Zitouni muss es wissen. Vor seiner Karriere als Journalist bei der Frankfurter Rundschau und dem Kicker-Magazin hat der Deutsch-Tunesier unter anderem die Fußballstiefel für die Bornheimer geschnürt – und mit seinem Germanistik-Studium den Grundstein gelegt für einen experimentellen Text, der vielen vermutlich erst beim zweiten Mal Lesen verständlich wird. Aber immerhin einfacher zu verdauen ist, als der verschossene Elfmeter von Uli Hoeneß im EM-Finale von 1976 gegen die damalige Tschechoslowakei. Viel Spaß!

 

Hinter der Tür ist Ruhe. 18 Männer sitzen. Einer steht. Der Trainer. Fuchs heißt er.

Ist er. Zeigt die Aufstellung.

Die Spieler sind gespannt. Wie der Bogen. Namens Flitze. Spielt heute nicht. Dafür Baumann. Für Mann geht der Trainer durch. Das Feuer müsst ihr heute! Zählt’s. Ernste Blicke. Harte Züge. Nervöses Schnaufen.

Es riecht nach Kräuteröl. Das auf die Beine tropft. Die glänzen. Will jeder gleich auf dem Platz. Da!

In wenigen Minuten wird es losgehen. Muss der Trainer. Wenn er heute verliert.

Er zeigt auf. Weist hin. Fordert ein.

Die Hände fuchteln. In der Luft. Die steht.

Letzte Anweisungen. Die keiner mehr versteht. Nur noch hört.

Das Lachen ist verschwunden. Aus dem Raum. Aus den Gesichtern.

Sieht man die Anspannung an.

Die FSV-Trikots sind sauber. Und riechen gut. Finden die Jungs ihre Nummern.

7 oder 33. Aber. Glaube versetzt Berge.

Stollen sind zu hören. Wie sie klackern. Auf dem Boden. Liegen leere Becher und zerknülltes Tape. Das auch an den Knöcheln klebt.

Die Handgriffe sitzen. Wollen die Spieler nicht mehr.

Sie schütteln sich und die Beine aus. Der Tür wollen sie. Zum Rasen. Umher. Wie Löwen im Käfig.

Draußen warten die Fans. Wollen sie endlich sehen. Ihre Helden. Sind manchmal auch nervös.

Sie wollen alles geben. Haut und Haare. Sind gegelt. Gekämmt. Gezopft.

Vor dem Spiegel kommt jeder vorbei. Und Schaut. Ob alles sitzt.

Da einer noch auf dem Klo?

Das Trikot wird gestopft in die Hose. Soll es heute nicht gehen.

Die schwarz-blauen Stutzen werden gezogen. Bis über die Knie. Die nicht zittern dürfen. Die stehen müssen. Stramm und Fest. Wirkt ihr Händedruck.

Wie immer. Das gleiche Ritual. Das mögen sie und macht stark.

Wie sie dastehen. Sich halten. Oder doch stützen?

Im Kreis.

Einer spricht. Der Rest hört zu.

Ein Schrei am Schluss. Man klatscht. Die anderen ab und sich zu.

Fällig kommt der Präsident. Will er nur die Prämie erhöhen.

Nicken. Dann ist er wieder weg. Der schöne Ernst.

Schauen alle. Warten. Dass die Tür aufgeht. Heut was? Das weiß keiner.

So ist der Fußball. Gott. Kann helfen. Vielleicht.

Da klopft es. Auf geht’s! Hallt es durch den Raum. Raus auf den Gang.

Gehen die Spieler. Als letzter kommt der Trainer.

Der hoffen muss. Und bangen. Dass er nächste Woche noch da sein darf.

Man so grausam sein? So ist das Geschäft. Sagt man. Heutzutage. Lang hat er sich Gedanken gemacht. Nun haben ihn seine Spieler in der Hand.

Und Fuß hat seine Taktik. Er ist ausgeliefert.

Ihm das Team das nötige Resultat?

Ohne Sieg, war es das. Ist schon lange nicht nur einfach ein Spiel.

Auch in Bernem.

Mittlerweile.

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