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Sprinten für den Zweitligisten FSV Frankfurt: die Mainzer Leihgaben Besar Halimi (links) und Dani Schahin.

Ein Neustart mit alten Problemen

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Der FSV Frankfurt startet am Samstag in seine achte Saison als Fußball-Zweitligist. Und die Luft wird für die Bornheimer von Jahr zu Jahr dünner.

Sonntag, 17. Mai 2015: Dies war der Tag, an dem sich am Bornheimer Hang, der Heimspielstätte des Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt, fast alles verändern sollte. Der Club hatte gerade seine beispiellose Negativserie fortgesetzt und am vorletzten Spieltag gegen Union Berlin eine 1:3-Heimniederlage einstecken müssen, als die Entscheidungsträger des FSV mit einem nicht für möglich gehaltenen Personalwechsel den fast schon verzweifelten Versuch unternahmen, den Stadtteilclub noch vor dem Absturz in die Drittklassigkeit zu bewahren. So endete an diesem Abend nach dreieinhalb Jahren die Ära eines Trainers, der bei den Bornheimern eigentlich als unantastbar galt: Benno Möhlmann, der Ende Dezember 2011 die Nachfolge des entlassenen Hans-Jürgen Boysen angetreten hatte, wurde gefeuert. Kurz danach erwischte es auch Uwe Stöver. Dem Sport-Geschäftsführer, der seit dem 1. Juli 2009 erfolgreich beim FSV gearbeitet hatte, wurde vom Präsidium des Zweitligisten das Vertrauen entzogen und daraufhin beurlaubt.

„Das Beben am Hang“

titelte eine Frankfurter Zeitung treffend nach den Ereignissen an jenem Abend. Allerdings hatte die vermeintlich so heile Fußball-Welt im Frankfurter Osten schon Monate zuvor Risse bekommen. In dem mit 29 Profis aufgeblähten Kader fehlte es an der notwendigen Qualität in der Breite und am Ende auch am notwendigen Teamgeist, um sich aus der bedrohlichen Situation zu befreien. Und auch Möhlmann und Stöver schienen mit ihrem Latein am Ende, nachdem sie sich bei der Zusammenstellung des Kaders zu viele Fehler erlaubt hatten.

So begann an jenem Sonntagabend die heikle Mission des Tomas Oral, den Abstieg des FSV aus dem Bundesliga-Unterhaus noch zu verhindern. In einem Frankfurter Hotel hatte sich Oral, der die Bornheimer 2008 nach einem nicht für möglich gehaltenen Durchmarsch aus der Oberliga Hessen in die Zweite Liga führte, von Geschäftsführer Clemens Krüger zu dieser ungewöhnlichen Rettungsaktion überreden lassen. „Diese Woche läuft noch heute wie ein Film vor meinen Augen ab. Ich war wie in einem Tunnel“, sagt Oral rückblickend auf diese verrückten sieben Tage, die ihm für dieses schwierige Unterfangen verblieben waren und am Pfingstsonntag mit einem 3:2-Erfolg in Düsseldorf noch ein versöhnliches Ende fanden.

Mit 39 Punkten belegte der FSV Frankfurt den 13. Platz und geht am kommenden Samstag (Anpfiff: 15.30 Uhr) mit einem Heimspiel gegen RB Leipzig in seine bereits achte Zweitligasaison in Folge. Dies ist angesichts der finanziellen Situation des Vereins und seiner geringen Anzahl an Zuschauern sowie potenter Sponsoren aller Ehren wert. Aber die Aufgabe, sich ein Ticket für eine weitere Spielzeit im Bundesliga-Unterhaus zu sichern, wird Jahr für Jahr schwieriger.

Die Bornheimer konnten nach eigenen Angaben ihren Personaletat zwar um 250 000 auf insgesamt 6,35 Millionen Euro erhöhen. Doch mit der Konkurrenz können sie da nicht mithalten. Lediglich der MSV Duisburg, gerade erst wieder aus der Dritten Liga aufgestiegen, dürfte weniger für sein spielendes Personal ausgeben als die Frankfurter, die auch unter ihrem neuen Trainer – Oral wurde nach der Rettung mit einem Einjahresvertrag ausgestattet – wie in all den Jahren zuvor einen personellen Umbruch vollzogen, der dem Chefcoach der Bornheimer viel Arbeit bescheren dürfte.

Gleich elf Profis, darunter so wichtige Stammkräfte wie Torhüter Patric Klandt, Abwehrchef Hanno Balitsch und Vincenzo Grifo, der in der abgelaufenen Saison in der Offensive so eindrucksvoll den Taktstock schwang, kehrten dem FSV den Rücken und hinterließen Lücken, die trotz der 14 Neuzugänge nur schwer zu schließen sein dürften. Zumal die personelle Blutauffrischung des Kaders, die nach der verkorksten Vorsaison zwar dringend notwendig war, noch so etwas wie eine „Wundertüte“ ist. So besitzen die jungen Leihspieler Inhyeok Park (19), Yann Rolim (29) und Besar Halimi (20) mit Sicherheit viel Potenzial, in der Zweiten Bundesliga betreten sie allerdings Neuland. Und die namhafteren Neuzugänge wie der kasachische Nationalspieler Heinrich Schmidtgal (Fortuna Düsseldorf) und Dani Schahin, der vom FSV Mainz 05 an die Bornheimer ausgeliehen wurde, konnten in der vergangenen Spielzeit aufgrund von Verletzungsproblemen nicht an ihre eigentliche Leistungsstärke anknüpfen und werden auch beim Saisonauftakt nicht in der Startformation des FSV stehen. Schahin befindet sich nach einer Leistenoperation, der er sich vor drei Monaten unterziehen musste, noch im Aufbautraining. Und Schmidtgal hatte auch in der Saisonvorbereitung mit Blessuren zu kämpfen.

Aber das waren nicht die einzigen Baustellen am Bornheimer Hang. Denn dass nicht jeder mit der impulsiven Art des neuen Cheftrainers des FSV zurechtkommt, dokumentiert die Tatsache, dass nur kurz nach der Amtsübernahme von Oral die gesamte medizinische Abteilung mit den beiden Ärzten Thomas Heddäus und Wolfgang Raussen sowie den Physiotherapeuten Thomas Stubner und Christian Bieser die Flucht ergriff und kündigte. Andere, wie zum Beispiel Cotrainer Bernd Winter, Torwarttrainer Norbert Lorz, Athletiktrainer Bastian Kliem oder Team-Manager Mikayil Kabaca haben mit Oral, der ein ganz anderer Trainertyp ist als sein Vorgänger Benno Möhlmann, keine Probleme und blieben den Bornheimern erhalten. Ganz zu schweigen von Clemens Krüger. Der Diplomkaufmann ist mit Oral seit Jahren gut befreundet und nach der Beurlaubung von Stöver sowie dem Wechsel von Jens-Uwe Münker, dem langjährigen Geschäftsführer Organisation, ins hessische Innenministerium endgültig zum starken Mann bei dem Stadtteilclub aufgestiegen. Eine derartige Machtfülle besaß beim FSV Frankfurt zuvor nur der langjährige Präsident, Manager und spätere Geschäftsführer Bernd Reisig, der Krüger vor 15 Jahren einstellte. Mittlerweile hält der gebürtige Berliner (44) gemeinsam mit Oral, mit dem er sich auch die Aufgaben des Sportlichen Leiters teilt, am Bornheimer Hang die Fäden in der Hand. Eine ungewöhnliche Konstellation für den FSV, bei dem seit dem 17. Mai aber vieles nicht mehr so ist, wie es einmal war.

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