Erzielte den Siegtreffer: Edmond Kapllani.	FOTO: KLEIN
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Erzielte den Siegtreffer: Edmond Kapllani. FOTO: KLEIN

FSV Frankfurt

Das Oral-Team ist eine Wundertüte

  • vonMichael Helms
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Der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt hat nach zwölf Spieltagen 17 Punkte auf seinem Konto. Obwohl sich die junge Mannschaft immer noch sehr wechselhaft präsentiert.

In den letzten Monaten war es eigentlich schon zur Gewohnheit geworden, das sich nach den Heimspielen des FSV Frankfurt der VIP-Raum schnell leerte und sich eine ungemütliche Atmosphäre breit machte. Zu dürftig waren die meisten Auftritte des Fußball-Zweitligisten in der eigenen Heimspielstätte, um beim gut betuchten Anhang Feierstimmung aufkommen zu lassen. Am Freitagabend allerdings, nach diesem mitreißenden 3:2-Erfolg der Bornheimer über den bisherigen Tabellenzweiten aus Bochum, war der große Saal in der Haupttribüne noch lange nach dem Schlusspfiff gut gefüllt.

Und mittendrin in der Frankfurter Feiergesellschaft genoss jener Mann sichtlich die Nachbereitung eines hochinteressanten Zweitligaspiels, der seit dem Frühsommer dieses Jahres als Cheftrainer für den Umbau der Mannschaft die Verantwortung trägt und zuletzt eine Menge Kritik einstecken musste, weil seine Spieler nach einem ansprechenden Saisonstart in einem Leistungstief steckten. Die Folge für Tomas Oral und sein junges Team: zwei Niederlagen gegen Freiburg und Heidenheim sowie ein äußerst schmeichelhaftes 1:1 beim 1. FC Nürnberg.

So hatten viele den Bornheimern gegen das Spitzenteam aus Bochum nicht viel zugetraut. Wohl auch nicht Gertjan Verbeek, der niederländische Coach der Westdeutschen, der vor dem Anpfiff noch selbstbewusst verkündet hatte: „Ich glaube nicht, dass sie uns überraschen können. Wir haben die besten Voraussetzungen, um drei Punkte zu holen.“

Am Ende bestieg Verbeek allerdings mit versteinerter Miene den Mannschaftsbus der Bochumer. Und wohl mit der Erkenntnis, dass diese Frankfurter Mannschaft und ihr Trainer, der Woche für Woche mit Überraschungen bei der Formation seiner Startelf aufwartet, eine Wundertüte sind.

Der völlig neu zusammen gestellte Kader des FSV Frankfurt mit seinen vielen jungen Spielern verfügt über eine Menge Potenzial, das eigentlich ausreichen müsste, um zumindest die Klasse zu halten. „Wir haben Jungs, die einfach Zeit brauchen, um ihre Aufgabe anzunehmen“, warb Oral auch nach dem imponierenden Auftritt gegen Bochum für Verständnis, dass sich seine Mannschaft auch nach einem Drittel der Saison immer noch sehr wechselhaft präsentiert. Dennoch haben die Hessen, die wie in ihren sieben Zweitligaspielzeiten zuvor als Kandidaten für den Abstieg gehandelt werden, nach zwölf Spieltagen bereits 17 Punkte auf ihrem Konto.

Ein harter Konkurrenzkampf

Was trotz des harten Konkurrenzkampfs für ein intaktes Binnenklima spricht. „Unsere Mannschaft ist einfach sensationell, man hat es in Nürnberg gesehen, gegen Union Berlin und heute wieder. Wie wir die Spiele drehen, ist einfach brutal“, lobte der wieder einmal überragende Frankfurter Torhüter André Weis seine Vorderleute für ihre furiose und am Ende auch erfolgreiche Aufholjagd. Denn an diesem Abend stimmten beim FSV nicht nur Laufbereitschaft und die kämpferische Einstellung, sondern endlich auch das zuvor so lahme Offensivspiel. Shawn Barry, vor einer Woche in Nürnberg noch ein Totalausfall, sowie Felipe Pires, der den verletzten Dani Schahin ersetzte, sorgten über die Flügel für viel Schwung und setzten immer wieder den früheren Bochumer Stürmer Zlatko Dedic in Szene, der mit seinem Treffer zum 1:2 in der 68. Minute den Frankfurter Sturmlauf einläutete.

Florian Ballas, der bis auf seinen Fehler beim 0:1 durch Simon Terodde den gesperrten Abwehrchef Joan Oumari sehr gut vertrat, gelang 120 Sekunden später der Ausgleich, ehe jener Spieler seinen Auftritt hatte, den viele in den letzten Wochen schon abgeschrieben hatten: Edmond Kapllani.

In der 86. Minute demonstrierte das albanische Schlitzohr, dass ihm in dieser Liga im gegnerischen Strafraum kaum jemand etwas vormacht. „So ein Tor macht in der ganzen Zweiten Liga kein anderer“, sagte Weis, nachdem der 33 Jahre alte Stürmer liegend und mit dem Rücken zum Tor den Ball artistisch über die Linie zum umjubelten Siegtreffer bugsierte. Und so nach langer Zeit mal wieder für viel Feierstimmung im VIP-Raum sorgte.

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