FSV Frankfurt

Ein Sieg der Leidenschaft

  • vonMichael Helms
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Der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt hat mit dem 2:1-Erfolg über den Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg seinen zweiten Heimsieg in dieser Saison gefeiert und drei ganz wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg geholt.

So losgelöst hat man Uwe Stöver wohl schon lange nicht mehr unmittelbar nach dem Schlusspfiff erlebt. Völlig entspannt schlenderte der Sport-Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt durch die Katakomben des kleinen Stadions am Bornheimer Hang, schließlich war der Abend gerettet. Denn in Mainz, wo der frühere Bundesligaprofi mittlerweile ein Haus besitzt, wartete noch eine kleine Gesellschaft, die mit dem gebürtigen Wuppertaler bei einer zünftigen Brotzeit und einem feinen Schluck Wein aus dem Rheingau dessen 48. Geburtstag gebührend begehen wollte.

Es wird eine ausgelassene Feier geworden sein. Denn allen Unkenrufen zum Trotz haben die Bornheimer den Bundesliga-Absteiger aus Nürnberg, der vor der Winterpause unter seinem neuen Trainer René Weiler so etwas wie eine Aufholjagd Richtung Aufstiegsplätze unternommen hatte, mit 2:1 bezwungen. Vor 9152 Zuschauern, darunter mindestens 5000 mitgereiste Fans aus dem Fränkischen, trafen Odise Roshi (21. Minute) und Vincenzo Grifo (60.) für die Bornheimer, die sich auch durch den zwischenzeitlichen Ausgleich von Even Hovland nicht aus der Erfolgsspur bringen ließen und am Ende einen hochverdienten Sieg errangen.

„Der FSV hat unsere spielerischen Vorzüge zunichte gemacht und verdient gewonnen“, zeigte sich Weiler als fairer Verlierer, während im Lager des hessischen Zweitligisten nicht nur Uwe Stöver um die Wette strahlte. „Wir haben heute eine geile erste Halbzeit gespielt und hätten uns nur schon viel früher belohnen müssen. Wir waren immer einen Schritt schneller als die Nürnberger. Und wir haben ihnen das Leben schwer gemacht. Wir haben heute geackert bis zur letzten Minute und einfach verdient gewonnen“, erklärte Vincenzo Grifo, dem nach einer Stunde mit einem allerdings haltbaren Schuss aus knapp 20 Metern der Siegtreffer gelungen war. Die Leihgabe aus Hoffenheim war neben Abwehrchef Hanno Balitsch der herausragende Spieler einer Mannschaft, die sich leidenschaftlich, lauf- und zweikampfstark diese drei so wichtigen Punkte im Kampf gegen den Abstieg auch redlich verdient hatte. Bei nun sieben Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz kann man am Bornheimer Hang jetzt ein wenig durchatmen, auch wenn die kommenden Aufgaben gegen Leipzig, Kaiserslautern, Bochum und Darmstadt nicht gerade einfacher werden. Allerdings hat die couragierte Vorstellung der Frankfurter gegen den „Club“ die Hoffnungen genährt, dass der FSV im bevorstehenden Abstiegskampf zumindest konkurrenzfähig ist. „Unterm Strich haben wir nach 90 Minuten verdient gewonnen, obwohl auch unser Spiel nicht immer ganz klar und souverän war. Aber wir haben ein großes Miteinander und eine große kämpferische Einstellung an den Tag gelegt. Das war gut, und das ist auch die Basis für die weiteren Spiele. Das verstehe ich unter Mannschaftssport“, sagte FSV-Cheftrainer Benno Möhlmann, der in den Tagen vor dem Heimspiel gegen den Bundesliga-Absteiger, dessen Personaletat drei Mal so hoch sein soll wie der des FSV, in einem Interview einigen seiner Profis noch die notwendige Ernsthaftigkeit abgesprochen hatte.

Von einer mangelnden Berufsauffassung war gestern allerdings nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Selten hat man die Frankfurter so aggressiv und taktisch diszipliniert zu Werke gehen sehen wie gestern im Aufeinandertreffen mit dem Franken, die allerdings auch auf ganzer Linie enttäuschten und keine einzige Torchance besaßen. Dass sie kurz vor der Pause den Ausgleich nach einem Kopfball von Even Hovland bejubeln konnten, hatten sie im Grunde genommen dem Frankfurter Torhüter Patric Klandt zu verdanken, dem nach dem Eckball von Sebastian Kerk ein folgenschwerer Fehler unterlaufen war.

Kurz nach dem Wiederanpfiff schienen die Bornheimer bei eisigem Nordwind, der ihnen nun entgegen blies, den Zugriff auf diese Begegnung zu verlieren. „Wir haben uns auch von dem Ausgleich nicht verrückt machen lassen, sondern einfach weiter versucht, nach vorne zu spielen und den Sieg zu erreichen. Zum Schluss haben wir in der Abwehrschlacht viel Leidenschaft gezeigt. Darauf kann die Mannschaft wirklich stolz sein,“ lobte FSV-Abwehrchef Hanno Balitsch seine Mitspieler, die in der Vorbereitung während der Winterpause ganz offensichtlich alles richtig gemacht haben. „Die Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie auf den Punkt topfit ist. Das war heute eines unserer besten Heimspiele“, erklärte Uwe Stöver sichtlich stolz, ehe er zum Feiern nach Mainz fuhr.

Vincenzo Grifo: Nicht nur sein Siegtreffer war sehenswert. Den Wirbelwind mit dem feinen Fuß und dem Mut zum Risiko bekamen die Nürnberger nie in den Griff.

Hanno Balitsch: Der Abwehrchef hatte alles im Griff und bestach gegen seinen ehemaligen Club außerdem noch durch klugen Spielaufbau.

Alexander Huber: Der rechte Verteidiger ließ in der Defensive nichts anbrennen und sorgte mit seinen Vorstößen immer wieder für Entlastung.

Alexander Bittroff: Siehe Huber, die wohl beste Saisonleistung des Linksverteidigers.

Joan Oumari: Ein imponierender Auftritt des Innenverteidigers. Am Boden wie in der Luft.

Marc Kruska: Die Arbeitsbiene im Mittelfeld präsentierte sich laufstark und bissig in den Zweikämpfen. War Wegbereiter der Führung durch Odise Roshi.

Amine Aoudia: Die einzige Sturmspitze der Bornheimer strahlte zwar keine Torgefahr aus. Aber der Algerier ackerte für zwei und gewann unglaublich viele Kopfballduelle und Zweikämpfe, was seiner Mannschaft sehr half.

Manuel Konrad: Hohes Laufpensum und wie immer viel Einsatz. Der „Staubsauger“ vor der Abwehr hatte aber auch eine sehr hohe Fehlerquote.

Mario Engels: Der Flügelspieler musste viel Defensivarbeit verrichten, im Spiel nach vorne gelang ihm nicht viel.

Odise Roshi: Eine starke Vorstellung bis zu seinem Führungstreffer (21.), dann aber war von der Offensivkraft des albanischen Nationalspielers nichts mehr zu sehen.

Timm Golley: Der Neuzugang aus Düsseldorf ersetzte nach 66 Minuten Odise Roshi und zeigte einige vielversprechende Vorstöße, die er etwas kopflos vergab.

Schwach

Patric Klandt: Schwerer Patzer beim Ausgleich der Nürnberger, ansonsten hatte der Torhüter des FSV nicht viel zu tun.

Totalausfall

Kein Eintrag.

 

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