FSV Frankfurt

Das verkannte Talent

  • vonMichael Helms
    schließen

Am Sonntag gastiert der vom Abstieg bedrohte Zweitligist FSV Frankfurt beim SV Sandhausen. Und trifft dort auf einen der besten Stürmer in der Zweiten Liga, der am Bornheimer Hang seine fußballerische Ausbildung erhielt, sich bei den Profis aber nicht durch setzen konnte.

Als Marcel Kandziora im Frühsommer 2013 vom Fußball-Zweitligisten SV Sandhausen zum Ligarivalen FSV Frankfurt wechselte, sollte diese Veränderung die etwas ins Stocken geratene Karriere des jungen Profis beflügeln. „Der FSV ist ein etablierter Zweitligist und Sandhausen schon zwei Schritte voraus“, sagte Kandziora, der mittlerweile beim Drittligisten VfL Osnabrück spielt, damals im Interview mit dieser Zeitung.

Neues Kräfteverhältnis

Knapp drei Jahre später hat sich das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Clubs, die am Sonntag (13.30 Uhr) in Sandhausen aufeinandertreffen, verschoben. Während der FSV Frankfurt seit geraumer Zeit eine gefährliche Stagnation in fast allen Bereichen erlebt, hat sich der von vielen immer noch als Dorfverein belächelte Club aus der Kurpfalz zu einer festen Größe im Bundesliga-Unterhaus entwickelt. Nach dem überraschenden 1:0-Erfolg am vergangenen Wochenende beim Aufstiegsaspiranten RB Leipzig ist die Mannschaft von Cheftrainer Alois Schwartz mit 36 Punkten so gut wie gerettet, am Sonntag nun soll mit einem Heimsieg über den FSV Frankfurt drei Spieltage vor dem Saisonfinale die große Nichtabstiegsfeier im Hardtwaldstadion eingeläutet werden. Mittendrin in der Sause vor den Toren Heidelbergs könnte sich dann ein Spieler befinden, der seine fußballerischen Wurzeln ausgerechnet beim FSV Frankfurt hat, wo er sich im Profifußball aber nicht durch setzen konnte. Aziz Bouhaddouz, 29 Jahre alt, in Marokko geboren und in Dietzenbach aufgewachsen, spielte sieben Jahre lang am Bornheimer Hang, wurde zwischenzeitlich mal nach Aue ausgeliehen, ehe er frustriert den FSV verließ und seine Wanderschaft über den SV Wehen Wiesbaden, Viktoria Köln und Bayer Leverkusen II zum SV Sandhausen begann. Seit 2014 steht der Deutsch-Marokkaner dort unter Vertrag und hat sich als Spätstarter zu einem der effektivsten Stürmer in der Zweiten Bundesliga entwickelt. Der fast 1,90 Meter große Angreifer, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft, war an der Hälfte der bislang 36 Sandhäuser Saisontreffer beteiligt. Bouhaddouz erzielte neun Tore, bereitete neun Treffer vor – und wurde so zum Objekt der Begierde zahlreicher Clubs. Die TSG Hoffenheim, die Frankfurter Eintracht und Union Berlin waren an ihm interessiert, ja selbst der FSV Frankfurt plante, allerdings völlig chancenlos, eine Rückholaktion ihres verkannten Talents. Das Rennen aber machte am Ende der FC St. Pauli, der Bouhaddouz in dieser Woche für die kommende Saison verpflichtete.

Ob er dann noch einmal ein Wiedersehen mit den Bornheimern in der Zweiten Liga feiern wird, steht allerdings in den Sternen. Nach ihrer desaströsen Rückrunde haben die Frankfurter nur noch vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, Bouhaddouz könnte mit dem SV Sandhausen seinem ehemaligen Club eine richtig schmerzhafte Niederlage zufügen.

FSV im Kampfmodus

Auf der anderen Seite hat es der FSV Frankfurt, so ihr neuer Cheftrainer Falko Götz, selbst in der Hand, sich aus dieser kritischen Lage zu befreien. „Wir sind immer noch aus einer Position des Handelns in der Lage, unsere Situation selbst zu verbessern. Das ist das, was rein muss in die Köpfe. Wir haben die Position, dass wir agieren können. Genau das will ich reinbringen in die Mannschaft“, erklärte Götz, dessen Debüt auf der Bank der Bornheimer am vergangenen Freitag bei der Heimniederlage gegen den SC Paderborn gründlich misslang. Der frühere Bundesligaprofi setzt ganz offensichtlich vor allem auf die kämpferische Komponente, um den drohenden Sturz des FSV in die Drittklassigkeit noch zu verhindern. „Man muss einfach merken, dass die Mannschaft jetzt absolut im Kampfmodus ist“, erwartet der Fußball-Lehrer bedingungslosen Einsatz von seinen Profis. Einen „spielerischen Leckerbissen“ erwartet er am Sonntag nicht: „Wir dürfen uns in Sandhausen in keine Falle locken lassen und sehr aufmerksam spielen“. Vor allem aber dürfen die Frankfurter ihren ehemaligen Spieler Aziz Bouhaddouz nicht aus den Augen lassen. Ansonsten droht dem FSV Frankfurt möglicherweise in der Relegation ein Wiedersehen mit Marcel Kandziora, der mit dem VfL Osnabrück in der Dritten Liga noch um den dritten Platz kämpft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare