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Aus dem Gleichgewicht geraten: der Frankfurter Joan Oumari (links) und der Leipziger Yussuf Poulsen.

FSV Frankfurt

Viel Lob, reichlich Frust

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Der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt zieht sich gegen RB Leipzig mehr als nur achtbar aus der Affäre. Die drei Punkte gingen dennoch nach Sachsen.

Ralf Rangnick machte einen entspannten Eindruck. Leicht gebräunt, als wäre er gerade aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt, analysierte der Fußball-Lehrer in der ihm ganz eigenen Art das sportliche Geschehen auf dem Rasen, das ihn in den nächsten Tagen noch intensiv beschäftigen dürfte. Rangnick, der im September 2011 wegen eines Erschöpfungssyndroms seinen Vertrag als Chefcoach beim FC Schalke 04 auflöste, konnte nach seinem „Comeback“ auf der Trainerbank tief durchatmen.

Der Schwabe, der die „Mission Bundesliga“ mit RB Leipzig zur Chefsache erklärt und im Frühsommer neben dem Posten des Sportdirektors auch das Amt des Cheftrainers übernommen hat, konnte von Glück reden, dass der Saisonauftakt seiner millionenschweren Mannschaft gegen den Außenseiter FSV Frankfurt nicht mit einer handfesten Blamage endete.

Im Grunde genommen hatten es die Leipziger nur einer katastrophalen Fehlerkette der Gastgeber zu verdanken, dass sie am Ende als Sieger den Platz verließen. Nach einem Fehlpass des ansonsten gut spielenden Frankfurters Fanol Perdedaj, einer von drei Neuzugängen in der Anfangself des FSV, flankte der frühere Bornheimer Anthony Jung den Ball in den Strafraum. Es folgte der noch schlimmere Fauxpas von Linksverteidiger Alexander Bittroff, der es so Marcel Sabitzer kinderleicht machte, in der 55. Minute den Siegtreffer zu erzielen.

„Wir können viel besser spielen und haben in allen Bereichen noch Luft nach oben“, sagte Rangnick, „aber das hatte heute auch mit dem Gegner zu tun. Es war ein noch schwereres Spiel, als wir es erwartet hatten. Der FSV hat es uns viel schwerer gemacht als alle unsere Testspielgegner. Frankfurt hat das richtig gut gemacht. Wir hatten nicht die Ruhe am Ball, weil sie uns immer wieder zugestellt haben“, erklärte Rangnick, während im Lager der Bornheimer Frustbewältigung auf der Agenda stand. „Das ist eine bittere Niederlage. Jeder im Stadion hat gesehen, dass wir die bessere Mannschaft waren“, meinte Frankfurts Chefcoach Tomas Oral, der sein Team in der Defensive perfekt eingestellt hatte. Die jüngste Mannschaft, die der FSV bislang in der Zweiten Bundesliga aufgeboten hat, besaß in der intensiv geführten Begegnung auch die besseren Chancen als der große Topfavorit. Aber vor mehr als 7000 Zuschauern, darunter knapp 500 mitgereiste Anhänger aus Leipzig, vergaben die Bornheimer beste Möglichkeiten. Zum Beispiel Zlatko Dedic in der 18. Minute, der nach einem Traumpass des auffällig spielenden Besar Halimi (siehe Text auf dieser Seite) freistehend an Torhüter Fabio Coltorti scheiterte. Oder Lukas Gugganig, der nach elf Minuten den verletzten Innenverteidiger Florian Ballas ersetzte und in der 82. Minute nach einem Freistoß des eingewechselten Yann Rolim per Kopfball nur den Pfosten traf. Oder Joan Oumari, der sich als Abwehrchef zum besten Frankfurter Spieler an diesem Tag aufschwang und kurz vor dem Abpfiff nach einem erneuten Freistoß von Rolim freistehend die Gelegenheit vergab, noch den Ausgleich zu erzielen.

„Solche Möglichkeiten musst du nutzen, da werden wir hart mit uns ins Gericht gehen“, bilanzierte Oral, der dem Auftritt seiner Spieler dennoch viel Positives abgewinnen konnte: „Wir haben versucht, Leipzig zu Fehlern zu zwingen. Das haben wir in einer Art und Weise getan, die schon begeisternd war. Wenn die Mannschaft als Mannschaft funktioniert, ist vieles möglich.“ Als Mutmacher für die achte Zweitligaspielzeit des FSV in Folge empfand auch Geschäftsführer Clemens Krüger die unglückliche Niederlage. „Wenn wir diese Leistung über 34 Spieltage abrufen, dann muss uns nicht angst und bange werden“, so Krüger.

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