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Wink mit dem Trikot: Tribünengast Diego Maradona würde am liebsten selbst wieder mitmischen.

Fußball-WM 2018 in Russland

Beim Vizeweltmeister Argentinien geht die Selbstzerfleischung munter weiter

Trainer Sampaoli im Fadenkreuz, Maradona will helfen: Bei den Argentiniern liegen die Nerven blank.

Für Diego Maradona war die Sache klar. Wenn einer die argentinischen „Putschisten“ um Lionel Messi in den Griff kriegt, dann er. „Ich will mit den Spielern sprechen können, damit sie verstehen, was es bedeutet, dieses Trikot zu tragen“, sagte der Weltmeister von 1986.

Die Fußball-Legende fordert Zugang zur Mannschaft, wohl auch weil der eigentliche starke Mann schwer angezählt ist. Beim Vizeweltmeister ist wegen des drohenden WM-Ausscheidens die Situation angespannt, die Nerven liegen blank. Eigentlich war Trainer Jorge Sampaoli schon gefeuert, von den Superstars aus dem Amt gejagt. Argentinien wäre jedoch nicht Argentinien, wenn es nicht mit seifenopergleichen Wendungen aufwartete.

Plötzlich stand Sampaoli wieder auf der Kommandobrücke – das WM-Chaos bei den Gauchos ist längst noch nicht vorbei. „Die Jungs sind rastlos und besorgt. Und als sie gesehen haben, dass ich auch rastlos und besorgt bin, haben sie mir gesagt: ,Lauf weg, tschüss‘“, sagte Sampaoli der argentinischen Tageszeitung „La Nación“. Teammanager Jorge Burruchaga sollte laut argentinischen Medien übernehmen, um das Achtelfinale noch irgendwie zu erreichen. Verbandspräsident Claudio Tapia habe jedoch interveniert und Sampaoli das Vertrauen ausgesprochen.

Im Angesicht des drohenden, für das eigene Selbstverständnis viel zu frühen Ausscheidens bekommen die Südamerikaner eben schon mal Schnappatmung. Was für den Mitteleuropäer nach blutiger Selbstzerfleischung aussieht, ist für Sampaoli Tagesgeschäft.

Gerade nach bodenlos schlechten Auftritten wie beim 0:3 im zweiten Gruppenspiel gegen Kroatien ergießt sich der Spott ehemaliger Fußball-Granden wie Atletico Madrids Trainer Diego Simeone und 1978-Weltmeister Mario Kempes gerne über den diensthabenden Trainer.

Und weil Sampaoli weiß, was da so von Fans und Experten aus der Heimat kommt, behilft sich der 58-Jährige dieser Tage mit

Galgenhumor

. Selbstverständlich habe er trotz des Zwists mit dem Team die gleichen Kompetenzen wie vorher: „Außer, dass Messi die Aufstellung macht und Mascherano (Javier Mascherano/d. Red.) die Anweisungen gibt. Ich renne nur am Spielfeldrand auf und ab und schreie mir die Seele aus dem Leib“, sagte Sampaoli. Wenn Messi tatsächlich zum ersten Mal bei dieser WM das Spiel an sich reißen würde, wäre dies im Gruppenfinale gegen Nigeria am Dienstag doch recht wünschenswert.

Hinter den Kulissen scheint der fünfmalige Weltfußballer derzeit mehr zu bewegen als auf dem Feld. Zwischen Messi und Sampaoli kriselt es. „Ich habe ihm meine Hand gereicht. Ich habe ihm bei WhatsApp eine Nachricht geschickt und ihm gesagt, dass er auf mich zählen kann. Er hat es gelesen und nicht geantwortet“, sagte der Trainer.

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