Ausgesperrt und zugeklebt

Fast alle DFB-Stars lassen Fans vorm Hotel stehen - Mitarbeiter kleben sogar die Scheiben zu

  • Christoph Klaucke
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Fan-Panik statt Fan-Nähe: Der DFB will unter Hansi Flick auch die Zuschauer mitnehmen - doch die Spieler kümmert das offenbar recht wenig.

Hamburg - Hansi Flick* sorgt für Aufbruchstimmung in der deutschen Nationalmannschaft*. Der neue Bundestrainer will alle „ins Boot“ holen. Vereine, Trainer, Fans - niemand soll sich allein gelassen fühlen. Besonders die zunehmende Entfremdung von Mannschaft und eigenen Fans bereitet Flick Kopfzerbrechen - hier wollte der 56-Jährige ansetzen.

Doch Flick selbst und die Spieler sorgten bei der Ankunft im Hotel in Hamburg für den nächsten Fan-Ärger. Ein Star ging allerdings mit positivem Beispiel voran und zeigte seinen Kollegen, dass es auch anders geht.

DFB: Nationalspieler ignorieren Fans - nur Rüdiger kümmert sich

Die DFB*-Stars trafen am Montagabend stückchenweise in der Vier-Sterne-Unterkunft in Altona ein. Der Eingang zum Hotel war rund 30 Meter entfernt mit Gittern abgesperrt. Doch einzig Antonio Rüdiger* machte sich die Mühe, den kurzen Weg zur Absperrung zu gehen, wo knapp 40 Fans sehnsüchtig auf ihre Helden ausharrten. Der Chelsea-Profi ließ es sich nicht nehmen und „opferte“ vier Minuten seiner Zeit. Rüdiger machte die Fans mit Selfies und Autogrammen glücklich.

Ansonsten sah sich kein anderer Nationalspieler genötigt, einen kurzen „Abstecher“ zu den wartenden Fans zu machen. Und das, obwohl es ihnen in Corona-Zeiten erlaubt und freigestellt war, Autogramme zu schreiben. Auch am Dienstagmittag nach dem ersten Training auf dem HSV-Gelände war Rüdiger der einzige Spieler, der sich am Trainingsplatz Zeit für Selfies mit zwei Jungs nahm.

DFB-Nationalspieler Antonio Rüdiger nimmt sich Zeit für die Fans.

Flick dürften die Star-Allüren seiner Spieler nicht gefallen. „Wenn mich Leute freundlich nach Selfies oder Autogrammen fragen, bin ich dafür gerne bereit. Das gehört dazu, so wünsche ich mir auch meine Spieler“, sagte der Bundestrainer noch am Montag im kicker und nannte den Kaiser höchstpersönlich als leuchtendes Vorbild: „Franz Beckenbauer war für mich immer das beste Beispiel. Er hat keinen Autogrammwunsch zurückgewiesen, und er war der beste Fußballer, den Deutschland je hatte. Wenn der Kaiser Autogramme schreibt, können wir das auch machen.“

DFB: Flick lässt Hotelfenster zukleben - Fans fühlen sich ausgesperrt

Der Abend brachte noch mehr Frust unter den DFB-Anhängern. Fans und Journalisten erhaschten einen kleinen Blick auf die Nationalelf beim Abendessen. Die Freude währte allerdings nur kurz. Wenige Minuten später klebten Hotel-Mitarbeiter hektisch die Fenster der Essensräume mit großen Papierbögen zu. Die Zaungäste fühlten sich nun endgültig ausgesperrt und unerwünscht. Die Vorfreude auf die Länderspiele wich der Wut über die zunehmende Entfremdung der Superstars.

Diesmal hatte Flick die Abschottung angeordnet. Der frühere Bayern-Trainer möchte, dass seine Stars beim Essen ungestört sind. Problem: Statt einer Erklärung an die Fans, wie beispielsweise im Bayern-Trainingslager in Lagos im Sommer 2020 geschehen, wurde einfach zugeklebt.

DFB: Nationalmannschaft entfremdet sich weiter von Fans

In Flicks erster Länderspielwoche vor einem Monat in St. Gallen, Stuttgart und auf Island hatte man noch das Gefühl bekommen, dass der DFB wieder die Nähe zu seinen Fans sucht. Nach einem ersten positiven Trend scheint die komplizierte Beziehung nun weitere Risse erlitten zu haben.

Für das Heimspiel am Freitag gegen Rumänien im Hamburger Volksparkstadion sind nach DFB-Angaben über 20.000 Karten verkauft. 25.000 Zuschauer sind zugelassen. „Wir wollen die Fans mit Offensivfußball begeistern“, sagte Rüdiger. Für eine Aussöhnung sollten seine Kollegen aber auch endlich neben dem Platz die richtige Einstellung an den Tag legen.

Die Zuschauer der Nationalmannschaft an den TV-Bildschirmen wird wegen eines krankheitsbedingten Ausfalls eine neue Moderatorin begrüßen. (ck) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer

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