Ein Flitzer beim Spiel Deutschland gegen Ungarn (EM 2021) stellt sich mit einer Regenbogen-Flagge vor die ungarische Mannschaft.
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Ein Flitzer beim Spiel Deutschland gegen Ungarn (EM 2021) stellt sich mit einer Regenbogen-Flagge vor die ungarische Mannschaft.

Europameisterschaft

EM 2021: Flitzer zeigt Regenbogenflagge vor ungarischer Mannschaft

Vor dem EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn äußert sich Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger überraschend. Ein Flitzer sorgt für Aufsehen.

München – Die von der UEFA nicht genehmigte Regenbogen-Beleuchtung des Münchner Stadions bei der EM 2021* hat auch am Tag des letzten Gruppenspiels der DFB-Auswahl* gegen Ungarn für heftige Debatten gesorgt. Von einem „Eigentor“, Glaubwürdigkeitsverlust und einer vertanen Chance der Europäischen Fußball-Union ist die Rede. Zeitungen und TV-Sender zeigen die Regenbogenflagge, Institutionen und Unternehmen präsentieren sich bei Twitter in bunter Optik.

Thomas Hitzlsperger, Ex-Nationalspieler und Sportvorstand des Bundesligisten VfB Stuttgart, sagte im Vorfeld des Spiels zwischen Deutschland und Ungarn im ZDF aber auch: „Es ist fast besser, dass die UEFA die Regenbogen-Beleuchtung verboten hat. Die Resonanz ist nun riesig.“ Hitzlsperger hatte sich nach seiner aktiven Karriere als erster Fußballprofi in Deutschland zu seiner Homosexualität bekannt.

Laut Hitzlsperger hatte der DFB schon vor Wochen einen Antrag gestellt, die Allianz Arena an einem spielfreien Tag in Regenbogen-Farben leuchten zu lassen. „Die UEFA hat dieses abgelehnt, einfach mit dem Verweis unter anderem auf die Kurzfristigkeit der Anfrage“, sagte Hitzlsperger im ZDF. „Und ein paar Wochen später sagen sie, man könnte doch auch einen anderen Spieltag wählen. Und das passt dann nicht mehr zusammen“, sagte Hitzlsperger im ZDF.

EM 2021: Flitzer mit Regenbogen-Flagge vor Mannschaft aus Ungarn

Nach ersten Erkenntnissen sind nur wenige Regenbogenfarben im Stadion zu sehen. Beim Anstimmen der ungarischen Nationalhymne hat sich ein Flitzer mit Regenbogenflagge vor die Nationalmannschaft von Ungarn gestellt. Der junge Mann, der ein Deutschlandtrikot trug, legte sich während des Abspielens der ungarischen Nationalhymne vor den Mannschaften auf den Rasen und ließ sich dann widerstandslos von Ordnern abführen. Während der deutschen Hymne drehten die ungarischen Fans demonstrativ den Rücken zum Spielfeld. Weitere sonstige offizielle Aktionen gab es zunächst nicht. Torwart Manuel Neuer trug auch gegen Ungarn wieder seine Regenbogen-Kapitänsbinde - das wurde von der UEFA erlaubt.

Gegen die Entscheidung der UEFA will die Stadt München nun anders Flagge zeigen. Das Rathaus wurde mit sechs zehn Meterlangen Regenbogenflaggen geschmückt. Am Abend sollen außerdem der Olympiaturm und ein Windrad in unmittelbarer Nähe des Stadions in Regenbogenfarben beleuchtet werden.

Damit das Stadion wenigstens innen bunt erstrahlt, wird der Dachverband des deutschen Christopher Street Days (CSD) mit Partnern wie Amnesty International den Fans 11.000 Fahnen zur Verfügung stellen. Die Regenbogen-Fahnen dürften den Fans wohl nicht verboten werden dürfen, denn die UEFA hat das Symbol zuvor selbst öffentlich als nicht politisch eingestuft. Auch verstößt die Regenbogenflagge in der richtigen Größe nicht gegen die Stadionordnung.

EM 2021: Kritik an UEFA wegen Regenbogen-Entscheidung

Die UEFA verteidigte am Mittwoch ihre Entscheidung. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban appellierte an die deutsche Politik, das UEFA-Verbot zu akzeptieren. „Ob das Münchner Fußballstadion oder ein anderes europäisches Stadion in Regenbogenfarben leuchtet, ist keine staatliche Entscheidung“, sagte Orban. Auch in Budapest gehören Orban zufolge „die Regenbogenfarben selbstverständlich zum Straßenbild“.

Die UEFA hatte einen Antrag von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) abgelehnt*, die Arena im letzten Gruppenspiel der DFB-Elf in Regenbogenfarben zu erleuchten. Sie sei „aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt – muss die UEFA diese Anfrage ablehnen“, teilte sie mit.

EM 2021: Regenbogenfahne als Symbol für die Akzeptanz und Gleichberechtigung

Die Regenbogenfahne steht als Symbol für die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren. Hintergrund der Debatte ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt* und vor kurzem vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Orban. *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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