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Stimmung im Stadion - welches Fans sind am einfallsreichsten?

Bundesliga Fans

Die Fans der Bundesliga – kritisch, einfallsreich und zahlreich

Für den gewöhnlichen TV-Zuschauer oder Fußballbetrachter erscheinen die Fans gerne als eine seltsame, teils raue, dafür aber stimmungsgeladene Masse.

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass es innerhalb der einzelnen Fanszenen, zwischen ihnen und auch durch Außenstehende immer wieder Probleme gibt, doch auf der anderen Seite ist auch klar: Fußball funktioniert nicht ohne lautstarke und kritische Fans. Der Fußball hat nicht allein hierzulande die Rolle von "Brot und Spiele" übernommen und auf den Rängen ist es den Fans möglich, sich präsent auszuleben. Und genau dies hat den Fußball hier auch so geprägt. Dieser Artikel befasst sich mit dem Fanverhalten einiger Bundesliga-Anhänger.

Welche Vereine haben die meisten Fans? 

Wird die reine Masse betrachtet, hat natürlich Bayern München die meisten Fans. Der Verein hat zurzeit wohl die besten Chancen deutscher Meister zu werden, sowie die Quoten der größten Onlineplattformen verraten. Allerdings wird in diesem Artikel nicht die Zahl an sich, sondern die Zahl der aktiven, sich engagierenden und auffallenden Fans betrachtet. Ein Beispiel: Kaum jemand würde Dortmunds legendäre Südtribüne mit den "Alte-Leute-Sitzplätzen" oder den Logen vergleichen. Der Charakter der Anhänger ist völlig unterschiedlich und während die Sitzplätze freilich auch dazu dienen, dass ein Stadion gefüllt ist, sind es die Stehkurven, die die Stimmung ins Stadion bringen. Wie viele dies sind, lässt sich häufig an den Dauerkarten ablesen:

  • BVB - 55.500 Dauerkarten setzte der Verein ab. Das Stadion ist somit fast zu zwei Dritteln mit Dauerkarteninhabern gefüllt.
  • Schalke - knapp 44.000 Dauerkarten werden hier verkauft, das Fassungsvermögen vom Stadion liegt bei 62.000.
  • Bayern München - erst auf dem dritten Rang folgen die Bayern: 38.000 Dauerkarten und somit weniger knapp die Hälfte des Fassungsvermögens.
  • Gladbach - 30.000 Karten bei 54.000 möglichen Zuschauern.
  • Frankfurt - hier sieht es ähnlich wie bei Gladbach aus. 30.000 Dauerkarten, Kapazität 51.500.
  • Düsseldorf - der Aufsteiger verkaufte 24.000 Dauerkarten und füllt das Stadion damit nicht ganz zur Hälfte.
  • Leipzig - mit 20.000 auf 42.500 Plätze steht der Club, verglichen mit anderen unterklassigen Ostclubs, schlecht da.
  • Hertha - für Berlin ist die treue Fanszene verschwindend gering. Bei einer Kapazität von fast 75.000 Plätzen gehen nur 17.000 Dauerkarten weg.
  • Freiburg - der Club, der verglichen an der Kapazität unter dem BVB stehen müsste. 24.000 passen ins Stadion, 15.000 Dauerkarten wurden verkauft.

Die aktive Fanszene ist natürlich ganz gut an den Dauerkartenzahlen, lautstarken Stadiongesängen und Plakaten festzumachen, doch sind das die "bequemen" Heimspiele. So wirklich lässt sich die Fanmeute an denen ausmachen, die regelmäßig Auswärtsspiele besuchen.

Die Daten beleuchten den aktuellen Ist-Zustand

der Bundesliga nach 13 Auswärtsspielen:

  • Schlusslichter - Mainz, Hoffenheim, Augsburg und Wolfsburg reisen im Schnitt mit knapp 900 Fans zum Gegner. Wobei gesagt werden muss, dass Hoffenheim und Wolfsburg jeweils vier Spiele unter der Woche hatten.
  • Unterstes Mittelfeld - Hannover, Leverkusen und die Leipziger sammeln sich hier mit durchschnittlichen Fanzahlen zwischen 1.400 und 1.600.
  • Mittelfeld - Hertha und der SC Freiburg liegen auf den Rängen 11 und 10. Durchschnitt: 2.100 Auswärtsfahrer.
  • Oberes Mittelfeld - Eintracht Frankfurt, Nürnberg und Fortuna Düsseldorf haben im Schnitt zwischen 3.900 und 3.200 Fans mit dabei.
  • Spitze - zwischen dem Rang 2 und Rang 5 tut sich nicht viel. Gladbach (5) ist mit 5.077 dabei, Schalke (2) mit 5.800.
Mit einem wesentlich deutlicheren Vorsprung als die echte Tabelle gerade offenbart, rangiert der BVB auf Platz 1: 7.292 Fans sind durchschnittlich mit dabei, der Rekord in diesem Jahr waren 20.000 Fans in Berlin.

Welche Vereine haben besonders einfallsreiche Fans? 

Es ist nicht allein die Stimmung, die von den Fankurven ausgeht, es sind auch die Aktionen, mit denen die Fans ins Stadion kommen. Und an dieser Stelle werden nicht die Pyroshows genannt, sondern schlichtweg wirklich eindrucksvolle und teils atemberaubende Aktionen. Einige Highlights aus der vergangenen Zeit:

  • Fortuna Düsseldorf - die eindrucksvolle "Zirkuschoreo" war grandios. Sie bezog das ganze Stadion mit ein und zeigte wahlweise Fortunamotive oder aber Stadtmotive.
  • Eintracht Frankfurt - die Fans übertreffen sich aktuell ständig. Es fing an mit der "Erinnerungs-Choreo" im ersten Euro-League-Heimspiel, über das Vereinswappen mit Farbwechsel und zuletzt die 120-Jahre-Choreo.
  • Schalke - die Choreografie zur Verabschiedung des Bergbaus war sicherlich eines der Highlights.

Es gibt natürlich noch wesentlich mehr Choreos, allerdings dürfen sich etliche Fanszenen der Ersten Liga diesbezüglich Beispiele an den Szenen aus Liga 2 und 3 nehmen. Denn: Unter den schönsten Choreos des vergangenen Jahres sind überdurchschnittlich viele Fan-Ideen von Vereinen dieser Ligen vertreten.

Wie sieht das Verhältnis zwischen Fans und Liga aktuell aus?

Hier gibt es stets ein Dilemma und das ist ganz unabhängig von einigen Fans, die sich nicht zu benehmen wissen. Die Verantwortlichen der Liga würden sicherlich gerne Stadien voller Fans sehen, die sich nicht einmischen und hinnehmen, was in den DFL/DFB-Büros geplant wird. Glücklicherweise lassen sich die Fans jedoch nicht alles gefallen und halten häufiger zusammen, selbst wenn sie sich gegenseitig nicht ausstehen können. So gab es in den vergangenen Monaten schon etliche Fanproteste:

  • Gegen Montagsspiele – sie gingen mit einem klaren Sieg für die Fans der ersten beiden Ligen aus. Es gab Stimmungsboykotts, Leinwände, Spruchbände, Tennisbälle, Klopapierrollen und Trillerpfeifen. Diese Proteste fanden allerdings nicht ligaspezifisch statt, sondern wurden von Fans aller drei Profiligen durchgeführt.
  • Gegen Kommerz – das gehört auch mit zu den Montagsspielen. Die Kommerzialisierung des Fußballs ist ein Stichwort, bei dem viele Fans auf die Barrikaden gehen.

Generell herrscht durchaus weiterhin Spannung zwischen den Fans und den Ligabossen, denn wenngleich die Montagsspiele abgeschafft wurden, sind die Proteste nicht beendet. Die "Zerfledderung" des Spieltags steht weiterhin zur Debatte, was mühelos an den unzähligen Anstoßzeiten abzulesen ist.

Fazit - kein Fußball ohne Fankultur

Natürlich gibt es sie. Die, die Randale machen, Pyrotechnik abbrennen und in den Städten randalieren. Auf der anderen Seite gibt es aber unglaublich viele aktive Fanszenen, an denen sich auch die größten Kritiker erfreuen müssen. Denn wenn sich ein ganzes Stadion in aufwendigen Choreografien kleidet, die Stimmung selbst zu Hause am TV so laut ist, dass der Kommentator schier untergeht, dann weiß man, dass der Fußball trotz all des Geldes noch immer lebt. Und er muss in dieser Form erhalten bleiben.

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