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Der Blick geht in München immer nach oben: Das hat auch der neue Trainer Niko Kovac schon verinnerlicht, noch früh in der Saison.

FC Bayern

Große Erwartungen an Niko Kovac

Die nationale Übermacht führt dazu, dass der Erfolg des FC Bayern sich immer stärker über die Champions League definiert. Niko Kovac soll gleich in seiner Debüt-Saison als Trainer „Großes“ leisten.

Noch ist das Finale 2019 für Kovac weit entfernt. Er ist zunächst auf seinen ersten Königsklassen-Abend fixiert. „Natürlich freue ich mich darauf. Wir wollen in Lissabon ein gutes Ergebnis erzielen“, sagte er. Idealerweise wäre das ein Sieg in Gruppe E, in der Ajax Amsterdam und AEK Athen die weiteren Gegner sind. Aber er spürt auch, dass er Titelträume erfüllen soll: „Ich weiß, wie man hier denkt, wie man erfolgreich sein muss. Wir vom FC Bayern haben den Anspruch, auch international top zu sein.“

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat die Zielsetzung in diesem Sommer gleich mehrmals formuliert: „Wir wollen auch in der Champions League Großes erreichen.“ Im Wortschatz des FC Bayern ist Großes gleichbedeutend mit Titelgewinn. Rummenigge erinnerte vor dem Neustart noch einmal an die vergangene Saison: „Mit viel Pech haben wir gegen Real Madrid das Finale verpasst.“ Es war der vierte Halbfinal-K.o. in den vergangenen fünf Jahren. Allein dreimal scheiterte Pep Guardiola mit den Bayern kurz vor dem Ziel, zuletzt war es Jupp Heynckes – und 2017 war für Carlo Ancelotti schon im Viertelfinale Schluss, ebenfalls gegen Real Madrid, ebenfalls mit viel Pech.

Über Guardiola, der mit dem FC Barcelona zweimal die Champions League gewann und inzwischen Manchester City trainiert, sagte Kovac vor einem Testspielduell im Sommer in Miami ganz offen, was er schon zu Frankfurter Zeiten immer mal hatte durchblicken lassen: „Für mich persönlich ist Pep der weltbeste Trainer.“ Vergleiche mit dem 47-jährigen Katalanen maße er sich darum nicht an: „Ich muss noch viel leisten, damit ich in die Nähe von Pep Guardiola komme.“

Beim FC Bayern hat er die Chance dazu. Kovac ernennt seine Mannschaft zwar nicht zum Titelfavoriten. Aber er hält seinen Kader, der vor Champions-League-Erfahrung nur so strotzt, für sehr stark. Thomas Müller etwa steht in Lissabon vor seinem 100. Einsatz in der Königsklasse. Der wachsenden Ü-30-Gruppe um Franck Ribéry, Arjen Robben, Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Robert Lewandowski oder Javi Martínez läuft die Zeit langsam davon. Die Routiniers trauen ihrem neuen Chef jedenfalls Großes zu. „Niko hat die Persönlichkeit, um eine große Mannschaft zu trainieren“, äußerte der 35-jährige Ribéry gerade im „Kicker“.

Ob Kovac da auf den Spuren von Heynckes ist, der in seiner vorletzten Münchner Amtszeit 2013 neben Meisterschaft und DFB-Pokal auch Europas Krone eroberte? Das alljährliche Gerede vom Triple nervt den Nachfolger. Es kommt ihm viel zu früh. „Es gab nur einen Trainer, der hat alles geholt in Deutschland. Viele andere Trainer haben nicht drei Titel geholt“, erinnert Kovac stets.

Die nationale Übermacht des FC Bayern führt jedoch dazu, dass sich in München sportlicher Erfolg fast nur noch im Wettbewerb mit Europas Topclubs von Real Madrid über Paris Saint-Germain und Juventus Turin bis hin zum FC Liverpool definiert. Das internationale Abschneiden bestimmt inzwischen auch die Vereinspolitik. Horrende Transfersummen konnte der Bundesliga-Krösus bislang vermeiden, weil man mit Europas Spitze konkurrieren konnte. Das erste Kovac-Jahr wird auch über die weitere Strategie entscheiden. „Wir sammeln im Moment ein bisschen Geld ein für den Fall, dass wir nächstes Jahr ein bisschen mehr ausgeben müssen“, kündigte Präsident Uli Hoeneß launig an.

(dpa,mka)

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