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HFV: Pikantes Gutachten mitentscheidend für Absage des Verbandstags

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Von: Johannes Götze

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Torsten Becker will weiterhin Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes werden.
Torsten Becker will weiterhin Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes werden. © Memento36

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) wird im September keinen Außerordentlichen Verbandstag durchführen. Erst vor zwei Wochen hatte das HFV-Präsidium diesen Beschluss gefasst, der am Dienstagabend nach einer Sitzung des Verbandsvorstands gekippt wurde. Ausschlaggebend hierfür sind rechtliche Bedenken, die ein Gutachten hervorbrachte. Nun ist Präsidentschaftskandidat Torsten Becker auf die Kreise angewiesen.

Wie der HFV am Mittwochmorgen mitteilte, ist ein Außerordentlicher Verbandstag vom Tisch. Eigentlich sollte dieser am 10. September stattfinden, um nach dem Rücktritt von Präsident Stefan Reuß einen Nachfolger zu wählen und gegebenenfalls weitere Präsidiumspositionen nachzubesetzen. Für die Neubesetzung dieser Ämter hatte das Präsidium in seiner Sitzung eine Vorschlagsliste erarbeitet. Diese sah folgende Personen vor: Der bisherige Vizepräsident Torsten Becker soll neuer Präsident werden, Thorsten Bastian ist als Stellvertreter vorgesehen. Robert Neubauer, bisher Regionalfußballwart von Darmstadt, sollte den Posten des Verbandsfußballwarts übernehmen. 

Aufsichtsrat nach Gutachten und Absage des Verbandstags gefordert

Dass sich der Verbandsvorstand am Dienstag gegen einen Außerordentlichen Verbandstag aussprach, ist nicht zuletzt in rechtlichen Bedenken begründet. Denn wie ein bereits im März von Reuß und Becker in Auftrag gegebenes Gutachten offenbart, sieht die Satzung bei Ausscheiden von Präsidiumsmitgliedern in erster Linie eine Nachbesetzung durch den Aufsichtsrat vor. Becker steht nach wie vor bereit, die Position des Präsidenten zu übernehmen, allerdings wurde nun den Kreisfußballwarten die Aufgabe erteilt, bis zum 9. September in den eigenen Gremien ein Meinungsbild hinsichtlich der Vorschlagsliste des Präsidiums einzuholen. 

Wie HFV-Aufsichtsratsboss Bernd Reisig gegenüber torgranate.de erklärt, seien dem Aufsichtsrat diese Meinungsbilder „total wichtig, nicht zuletzt, um höchstmögliche Transparenz zu erzeugen“. Insbesondere der Demokratiegedanke dürfe hier nicht vernachlässigt werden, entsprechend werde der Aufsichtsrat Becker oder auch andere Personen nur einsetzen, wenn eine breite Mehrheit des Verbandsvorstands hinter diesen Personen stünde: „Fünf Mann aus dem Aufsichtsrat können sich nicht herausnehmen, allein darüber zu entscheiden, von wem der Verband geführt wird.“ 

Das heißt für Becker, Bastian und Neubauer: abwarten. Bedenken, dass das Votum der Kreise gegen ihn ausfallen könne, hege Becker nicht. Gleichzeitig unterstreicht er, „dass bei einem Außerordentlichen Verbandstag ebenfalls eine Abstimmung stattgefunden hätte“. Für Becker und Reisig sei es derzeit elementar, dass der Verband handlungsfähig ist, was durch die Berufung von Jörn Metzler als Nachfolger des ebenfalls zurückgetretenen HFV-Schatzmeisters Ralf Viktora der Fall sei. 

Zufrieden können wir mit dem Verlauf der vergangenen Monate nicht sein, aber wir sollten nicht alles überskandalisieren.

Bernd Reisig, Aufsichtsratsboss des HFV

Apropos Viktora: Er hatte Anfang des Jahres gemeinsam mit Präsidiumsmitglied Silke Sinning (Vorsitzende des Frauen- und Mädchenausschusses) im nicht durch den HFV unterstützten „Team Peters“ vor dem DFB-Bundestag für Schlagzeilen gesorgt. Wie in der Sitzung am Dienstag bekannt wurde, hatten daraufhin Reuß und Becker ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem geprüft wurde, ob beiden ein verband-schädigendes Verhalten vorzuwerfen sei und dies einen Ausschluss aus dem Verband rechtfertigen könne. Zumindest Ansätze eines Fehlverhaltens werden im Gutachten aufgeführt, allerdings mehr noch auf ein Prozessrisiko verwiesen und somit laut Gutachten Vorbehalte gegen etwaige Absichten eines Verbandsausschlusses geäußert. Das Gutachten ist seither unter Verschluss gewesen und war selbst Teilen des Präsidiums und Aufsichtsrates nicht bekannt. Bis gestern. Becker sagt heute dazu, „dass dieses Gutachten dann nicht mehr aktuell war.“

Reisig ist über das Auftauchen dieses Gutachtens „nicht besonders überrascht“. Gleichzeitig sei die Geschichte für ihn abgehakt. Und immerhin sei das Gutachten wertvoll für die Entscheidungsfindung hinsichtlich des Außerordentlichen Verbandstags gewesen. Interessant: Der Außerordentliche Verbandstag hätte schätzungsweise zwischen 40.000 und 60.000 Euro gekostet. Hätten die Delegierten vor Ort entschieden, dass dieser gar nicht notwendig sei, wären die Delegierten tatenlos wieder nach Hause gefahren. Zwei Drittel der Delegierten hätten vor Ort der Notwendigkeit eines Außerordentlichen Verbandstags zustimmen müssen.

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