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Ballon-d’Or-Gala

Kommentar zum Gala-Eklat: Primitiv und dumm

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"Bei einer Fußball-Gala als Moderator auf offener Bühne mit einer Frau über das Wackeln mit dem Gesäß zu reden, ist aber nicht einmal ein missglückter Flirtversuch. Es ist schlicht und einfach primitiv", sagt Sportredakteur Christian Heimrich. 

Menschen, die sich im öffentlichen Raum präsentieren und produzieren, tragen eine besondere Verantwortung. Man sieht und hört ihnen zu. Mitunter eifert man ihnen nach. Und manche von diesen Menschen gelten dann sogar als Vorbilder.

Das setzt nicht zwingend voraus, dass sie ein Philosophie- oder Geschichtsstudium absolviert haben müssen, um sich unfallfrei in der Öffentlichkeit zu bewegen. Aber ein bisschen Allgemeinbildung und ein paar Manieren können nicht schaden. Man sollte ein Gespür dafür haben, was richtig und was falsch ist. Altmodische Menschen nennen das Anstand.

Sollte der französische DJ Martin Solveig in den vergangenen Monaten ein paar Mal Zeitung gelesen haben, müsste er eigentlich registriert haben, dass es etwas gibt, das sich „me too“-Debatte nennt. Frauen enthüllen sexuelle Übergriffe durch Männer, die ihre Machtposition ausnutzen. Das können körperliche, das können auch verbale Übergriffe sein. Das Internet kochte über vor immer neuen Schilderungen. Irgendwann war nicht mehr ganz klar, ob ein missglückter Flirtversuch auch schon ein Fall für „me too“ ist.

Bei einer Fußball-Gala als Moderator auf offener Bühne mit einer Frau über das Wackeln mit dem Gesäß zu reden, ist aber nicht einmal ein missglückter Flirtversuch. Es ist schlicht und einfach primitiv. Und vor allem dumm. Die als weltbeste Fußballerin ausgezeichnete Norwegerin Ada Hegerberg hatte zuvor eine eindringliche Rede gehalten, in der sie Mädchen aufgefordert hatte, an sich zu glauben und ihre Träume zu verwirklichen. Einfach mal zuhören und den Mund halten, Monsieur Solveig.

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