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Bayerns Trainer Niko Kovac vor dem Spiel.

Bundesliga

Kommentar: Kovacs Fehleinschätzung

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Ob Niko Kovac in den letzten Tagen wohl einmal darüber nachgedacht hat, dass es ein Fehler war, den Trainerjob bei Bayern München unbedingt gewollt zu haben? Die Tatsachen könnten dafür sprechen.

Ob Niko Kovac in den letzten Tagen wohl einmal darüber nachgedacht hat, dass es ein Fehler war, den Trainerjob bei Bayern München unbedingt gewollt zu haben? Die Tatsachen könnten dafür sprechen. Sein früheres Team, die Frankfurter Eintracht, fährt nach einem Holperstart mit Hochgeschwindigkeit auf der Erfolgsspur. Die Eintracht hat sich nach dem 3:0 in Stuttgart mit 17 Punkten und einem funktionierenden Team in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga festgesetzt. Es läuft so gut, dass selbst Fredi Bobic eine „unheimliche Freude“ spürt, und das auch sagt. Normalerweise freut sich der Sportvorstand mehr nach innen.

Aber Kovac ist keiner, der viel in der Vergangenheit lebt. Er schaut prinzipiell nach vorne, will Dinge bewegen, sieht Chancen. Im Fall Bayern München hat er sich offensichtlich verkalkuliert. Niemand redet momentan an der Isar über schönen, erfolgreichen Fußball und welchen Anteil Kovac daran hat. Stattdessen wird er in der Pressekonferenz nach dem 1:1 gegen Freiburg nach einem despektierlichen Internet-Post der Ehefrau von Thomas Müller gefragt. Man kann sich vorstellen, wie es in Kovac gekocht haben muss.

In Frankfurt war er als Trainer ein Alleinherrscher. Wenn einer aus der Mannschaft aufmuckte, hatte der es schwer, wurde für eine gewisse Zeit oder auch komplett ausgegrenzt. Das ist in München, einem Team, das zu großen Teilen aus Nationalspielern und satten Altstars besteht, nicht vorstellbar. Kovacs Autorität ist stark angekratzt. Es gibt offensichtlich Spieler, die ihre Meinungsverschiedenheiten mit dem Trainer nicht mit ihm oder dem Sportdirektor, sondern gleich mit dem Vorstandschef oder dem Präsidenten besprechen. Einen durchsetzbaren Verhaltenskodex scheint es nicht mehr zu geben. Es erscheinen Zeitungsartikel mit der Überschrift „Neues aus der Kabine“ – zu Kovacs Frankfurter Zeit undenkbar.

Und in Frankfurt hatte man mit ihm Geduld. Das ist eine Tugend, die in München noch nie eine große Rolle gespielt hat. Carlo Ancelotti, einer der Vorgänger von Niko Kovac, war Ende September 2017, also relativ früh in der Saison, entlassen worden – weil die Ergebnisse nicht stimmten und weil er die Mannschaft nicht in den Griff bekam. Diese Geschichte könnte sich demnächst wiederholen.

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