+
Ragnar Ache (Mitte) trifft direkt bei seinem Debüt in der deutschen U21-Nationalmannschaft.

Er begann einst in Neu-Isenburg

Debüt im U21-Nationalteam geglückt: Ragnar Ache glänzt direkt im ersten Spiel

Ragnar Ache von Sparta Rotterdam hat am Sonntag bei seinem Debüt für die deutsche U21-Nationalmannschaft direkt getroffen. Fußballspielen hat er in Neu-Isenburg gelernt. 

Update vom Donnerstag, 15.11.2019, 20.44 Uhr: Ragnar Ache hat sein U21-Nationalmannschaftsdebüt erfolgreich hinter sich gebracht, obwohl es für die Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz nicht optimal lief. 2:3 unterlag die deutsche Truppe den Gegnern aus Belgien. Ragnar Ache jedoch, dessen fußballerische Wurzeln in Neu-Isenburg liegen, machte in seinem ersten U21-Nationalmannschaftsspiel direkt eines der wichtigen Tore in der 81. Minute. Ragnar Ache träumt davon, von Eintracht Frankfurt unter Vertrag genommen zu werden

Erstmeldung vom Donnerstag, 15.11.2019, 14.34 Uhr: Neu-Isenburg – Es ist gar nicht so leicht, bei der Spielvereinigung 03 Neu-Isenburg noch jemanden zu finden, der sich an diesen Ragnar Ache erinnert. Der langjährige Vorsitzende Günther Marx? „Keine Ahnung.“ Der frühere Jugendtrainer Josef Schmitt? „Sagt mir nix.“ Der langjährige Coach Werner Eder? „Hmm, sagt mir was.“ Es klingelt bei dem Namen – aber mehr auch nicht. „Bei den Tausend Spielern...“

Ragnar wer? So ging es auch vielen deutschen Fußballfans, als U21-Bundestrainer Stefan Kuntz Anfang November seinen Kader für das nächste EM-Qualifikationsspiel nominierte. Am morgigen Sonntag trifft die deutsche Junioren-Auswahl in Freiburg auf Belgien (16 Uhr/Pro7). Und Ragnar Ache ist dabei. Hierzulande ziemlich unbekannt, sorgt der Stürmer von Sparta Rotterdam in der niederländischen Eredivisie gerade für Furore: Mit fünf Toren in zwölf Erstligaspielen hat sich der 21-Jährige seine allererste DFB-Nominierung verdient.

U21-Nationalmannschaft: Ragnar Ache war als Kind ein „Riesen-Fußballer“

Milan Gulin, 59, wundert das nicht. Er hat Aches Talent früh erkannt – und erinnert sich im Gegensatz zu manch anderem noch bestens an den Sohn eines Deutschen und einer Ghanaerin, der Anfang der 2000er bei der Spielvereinigung 03 seine ersten fußballerischen Gehversuche machte. Gulin war damals sein Jugend-Trainer in Neu-Isenburg – als er zehn Jahre später auf den Namen Ragnar Ache angesprochen wird, gerät er sofort ins Schwärmen: „Ein Riesen-Fußballer“, erinnert sich Gulin. „Er war damals schon sehr auffällig.“

Mit gerade einmal vier Jahren kam der in Frankfurt geborene Ache zu den 03ern, entdeckt hatte ihn Gulins Ehefrau Anette. Die arbeitete als Erzieherin in einer Kita, trainierte in ihrer Freizeit bei der Spielvereinigung die Bambinis. Und dann war da plötzlich dieser Junge in ihrer Kindergartengruppe, der immer nur Fußball spielen wollte und schon damals besser war als alle anderen. Sie nahm ihn mit zum 03er-Training, er blieb sieben Jahre.

Talentierter Knirps: Der Neu-Isenburger Spielerpass des sechsjährigen Ragnar Ache aus dem Jahr 2005.

U21-Nationalspieler Ragnar Ache stand in Neu-Isenburg mal im Tor

Die letzten drei verbrachte Ache in der F- und E-Jugend unter Milan Gulins Fittichen, spielte damals im Tor und im Feld. Als „sehr drahtig und schnell“, beschreibt ihn sein damaliger Übungsleiter, „den konnte keiner einholen“. Ache sei „unheimlich ehrgeizig“ gewesen, habe sich über jedes Gegentor und jede Niederlage maßlos geärgert. Als Torwart sei er „durch die Luft geflogen und hat alles gepflückt, was ging“. Auch für spektakuläre Treffer war er gut, an eines erinnert sich Gulin besonders gerne: „Da hat er aus 17, 18 Metern einen halbhohen Ball volley genommen und mit einem Scherensprung direkt in den Winkel gehauen.“

Das große Talent blieb nicht lange verborgen, laut Gulin hatten bald sogar einige Bundesligisten Aches Namen auf dem Zettel. „Die Eintracht hatte schon ihre Fühler ausgestreckt“, so der Coach. Doch 2009 zog Ache, damals zehn Jahre alt, mit Mutter und Schwester nach Rotterdam. Die Eltern hatten sich früh getrennt, die Mama einen Niederländer kennengelernt. Und: Der neue Lebensgefährte war im Sparta-Nachwuchs tätig und brachte Ache dort unter. Bis heute ist er geblieben, durchlief die komplette Jugend bis zu den Profis, unterzeichnete 2016 seinen ersten Profivertrag.

U21-Nationalspieler Ragnar Ache: Nach Neu-Isenburg die große Karriere?

„Fußballerisch hat mich die niederländische Schule geprägt. Aus Deutschland habe ich die Disziplin und die Pünktlichkeit mitgenommen“, verriet Ache kürzlich in einem Interview auf dfb.de. In Rotterdam hat er schon einiges erlebt, 2018 den Abstieg aus der 1. Liga etwa, ebenso ein Jahr später die Rückkehr in die Eredivisie. Beim triumphalen Relegationsrückspiel im Mai 2019 gegen BV De Graafschap, das Sparta mit 2:0 gewann, erzielte er zwar kein Tor, stand aber in der Startelf.

Und auf der Tribüne? Da saß Milan Gulins Sohn Laurence mit seinen Kumpels. Alle hatten sie mit Ache zusammen in der Isenburger Jugend gespielt und sind weiterhin gut befreundet. „Die Jungs haben bis heute regen Kontakt“, erzählt Milan Gulin, der mittlerweile die D-Jugend der 03er trainiert und bei der 3. Herrenmannschaft als Betreuer mithilft. Als Kind hat Ache oft bei Gulins übernachtet, fuhr bei ihnen im Auto mit zu Auswärtsspielen. „Er hat sich bei uns sehr wohl gefühlt“, sagt Milan Gulin.

Vergangenes Jahr haben Mama und Schwester Ache den Gulins einen Besuch abgestattet. Ragnar konnte nicht mitkommen, schaltete sich aber per Skype dazu. Am Sonntag werden sie ihn wieder am Bildschirm sehen, dann live im Fernsehen. „Ich habe schon damals gehofft, dass er diesen Weg gehen wird“, sagt Milan Gulin. „Und das hat er gemacht.“

VON MANUEL SCHUBERT

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare