Zuletzt war Franz-David Fritzmeier (Mitte) zusätzlich auch hinter der Bande im Einsatz. Nun sucht der Löwen-Sportdirektor einen neuen Trainer.
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Zuletzt war Franz-David Fritzmeier (Mitte) zusätzlich auch hinter der Bande im Einsatz. Nun sucht der Löwen-Sportdirektor einen neuen Trainer.

Eishockey

Abschied von gewohnten Löwen-Gesichtern

  • Markus Katzenbach
    vonMarkus Katzenbach
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Am Traumziel erster Klasse sind die Frankfurter Löwen nicht angekommen, in einer allein schon wegen Corona sehr speziellen Runde. Sportdirektor Franz-David Fritzmeier zieht Bilanz - und weiß, dass es beim nächsten Anlauf zum Aufstieg einige Veränderungen geben wird.

Frankfurt -Die Spinde in der Eissporthalle am Ratsweg sind ausgeräumt, die Spieler ausgecheckt, die meisten schon wieder in die Heimat ausgeflogen. Dabei hatte vor gut einer Woche gar nicht gefehlt, im zwei Minuten vor Schluss zu ihren Ungunsten entschiedenen Viertelfinal-Showdown bei den Bietigheim Steelers, und die Frankfurter Löwen würden wohl immer noch mit um die Meisterschaft in der DEL 2 und den Aufstieg in die erste Klasse des deutschen Eishockeys kämpfen. So aber endete der Dreijahresplan mit diesem Traumziel vorzeitig, in einer allein schon wegen der Corona-Umstände sehr speziellen Runde. Hinter den Kulissen haben neben der Aufbereitung dieser Saison auch die Planungen für die nächste prompt Fahrt aufgenommen. Franz-David Fritzmeier, Sportdirektor und nach der Trennung von Headcoach Olli Salo kurz vor Weihnachten obendrein aushilfsweise im Zweitjob als Trainer hinter der Bande im Einsatz, bezieht zu verschiedenen Themen Stellung.

Die Tage nach dem Ausscheiden: "Es war viel zu tun, wie immer nach der Saison, dann geht alles immer sehr schnell: Flüge buchen für die Spieler, ihre Wohnungen übergeben und so weiter. Wir hatten noch ein Meeting mit der Mannschaft, viel mehr ging wegen Corona nicht", berichtet Fritzmeier. Normalerweise gibt es mit jedem Spieler ein persönliches Gespräch. Auch das war jetzt nicht mit allen möglich, wird aber per Telefon oder Videoschalte nachgeholt. "Mit den Coaches haben wir auch schon zusammengesessen, um die Saison zu analysieren, und mit der Vereinsführung, um für die neue Saison zu planen", erklärt Fritzmeier.

Die Saisonbilanz: "Es war ein sehr schwieriges Jahr mit vielen Dingen, die passiert sind, nicht nur auf dem Eis. Wir hatten keine richtige Vorbereitung, viele Verletzungen, mehrere Corona-Fälle und -Quarantänen. Die Saison ist deshalb auch schwer zu bewerten: Die Mannschaft, mit der wir geplant hatten, hat eigentlich nie zusammen spielen können", sagt Fritzmeier. Trotzdem war man dem Halbfinale wenigstens ganz nah. "Dann wäre vieles möglich gewesen", meint der Sportdirektor. So aber endete die komplizierte Runde sportlich mit einer Enttäuschung. "Insgesamt hatte das wirtschaftliche Überleben in diesem Jahr Priorität", sagt Fritzmeier.

Planungen für die nächste Runde: Das Budget steht - sofern sich auch in Sachen Corona alles in eine positive Richtung entwickele, so Fritzmeier. "Wir sind zuversichtlich, wieder eine Mannschaft bauen zu können, die um den Titel mitspielen kann, der Aufstieg ist ja auch wieder möglich", sagt er, "wir sollten aber auch erst einmal den Ball flach halten." Die Umstände schließlich bleiben schwierig. Vieles hängt davon ab, ob, wann und wie viele Zuschauer wieder in die Halle dürfen. "Klar ist, dass noch eine Saison ohne Zuschauer nicht funktioniert", betont Fritzmeier.

Der künftige Kader: "Wir sind ein bisschen hintendran, weil wir bis zuletzt nicht wussten, ob wir für die DEL oder die DEL 2 planen, das ist schon eine andere Situation", erklärt Fritzmeier. Gespräche mit möglichen Neuverpflichtungen laufen, mit Spielern aus dem bisherigen Kader auch. "Wir haben sicher Interesse daran, einige von ihnen zu halten", sagt er. Sechs Profis stehen über den Sommer hinaus unter Vertrag. Dass es Abschiede von einigen gewohnten Löwen-Gesichtern und dafür neue Namen geben, dass der Umbruch wieder größer ausfallen wird, deutet sich indes bereits an - nicht nur freiwillig.

"Einige Spieler werden uns in Richtung DEL verlassen, auch von den jungen", sagt Fritzmeier. Die begehrten Talente Leon Hüttl und Luis Schinko werden nach dem Verpassen des Aufstiegs nicht zu halten sein und selbst ihren Weg in die erste Klasse finden. Stephen MacAulay dem Vernehmen nach ebenso - was bei ausländischen DEL-2-Profis eher selten vorkommt und von der Anerkennung des Stürmers in der Branche zeugt. Mit Vollzugsmeldungen bei einigen Verpflichtungen wiederum wird so schnell eher nicht zu rechnen sein, das gilt auch für die ebenfalls bereits laufende Suche nach einem neuen Trainer. "Wir werden uns genug Zeit nehmen, um den Richtigen zu finden", sagt Fritzmeier.

Der Dreijahresplan: Im Sommer 2018 hatte der Dreijahresplan für den in dieser Saison wieder möglichen Aufstieg in die DEL begonnen, mit der langfristigen Entwicklung einer tauglichen Mannschaft mitsamt vieler junger Hoffnungsträger. Bis Corona kam, war man auf Kurs und zwei Mal Hauptrunden-Erster. Ausgerechnet im entscheidenden Jahr aber lief zu viel gegen die Löwen und zu wenig bei ihnen. Eine bittere Pointe: Die Früchte der Entwicklungsarbeit mit in Frankfurt gereiften Talenten wie Hüttl und Schinko ernten nun andere.

"Wir hatten zwei gute Jahre und ein Jahr Chaos mit Corona"; sagt Fritzmeier: "Eigentlich sehe ich dieses Jahr sozusagen in Klammern und die nächste Saison als das dritte Jahr, nur mit anderem Personal." Gut möglich, dass in dieser Fortsetzung dann doch etwas mehr Neustart als eine nahtlose Fortführung der bisherigen Aufbauarbeit stecken wird, mit vielen Fragezeichen, es ist ja auch noch eine Weile hin - es könnte sein, dass erst im Oktober wieder gespielt wird.

So oder so: Am großen Ziel sind die Löwen nicht angekommen, fürs Erste, die Corona-Saison aber haben sie hinter sich gebracht. "Immerhin konnten wir spielen, und: Stand heute ist der Verein trotz riesiger Einbußen weiter am Leben und blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft", resümiert Franz-David Fritzmeier. "Wir sind über die Runden gekommen."

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