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Die Hauptrunde der DEL 2 will Headcoach Matti Tiilikainen (links) mit seinen Löwen möglichst weit oben in der Tabelle abschließen. Vielleicht sogar wieder als Erster? Foto: Hübner

Eishockey

Löwen Frankfurt: Angriff auf die besten Plätze

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Nach dem Derbysieg peilen die Frankfurter Löwen jetzt die Spitze der DEL 2 an. Der Trend spricht für sich - und Verstärkung ist auch da.

Frankfurt- Eigentlich ist Matti Tiilikainen kein Mann allzu forscher Töne, seinen Spielern predigt er immer wieder Demut Bescheidenheit. An mangelndem Selbstbewusstsein wiederum leiden die Frankfurter Löwen und ihr finnischer Headcoach auch nicht, der Trend spricht für sich und die Gelegenheit ist günstig. Also blies Tiilikainen zum Angriff auf die besten Plätze, kurz nachdem er ein so vorher nicht gekanntes Erfolgserlebnis erfahren durfte. "Ich will mein Team am Ende unter den besten Zwei sehen", verkündete der Frankfurter Trainer mit Blick auf die Tabelle der DEL 2: "Mal sehen, was die nächsten Wochen bringen."

Rechtzeitig zum Endspurt haben Tiilikainens Löwen den Anschluss an die Spitze geschafft, nun, da noch sechs von 52 Partien der langen Hauptrunde ausstehen. Tatsächlich könnten sie schon an diesem Wochenende von ganz oben grüßen. In jedem Fall bietet es zwei echte Spitzentreffen - und einen Vorgeschmack auf die Mitte März beginnenden Play-offs, weil es zwei Mal gegen den gleichen Gegner geht: die Freiburger Wölfe, überraschender Tabellenführer, aber mit deren 84 nur noch drei Punkte von den Löwen entfernt.

Setzen sie diese ihre schon sechs Spiele andauernde Siegesserie auch am Freitag (19.30 Uhr) im Breisgau fort, würden sie die Freiburger von der Spitze stürzen. Und sofern die zuletzt wiederholt schwächelnden Kassel Huskies, Zweiter mit 82 Punkten, gleichzeitig gegen den ESV Kaufbeuren verlieren, selbst den ersten Platz übernehmen. So oder so lässt sich beim Wiedersehen mit den Wölfen am Sonntag (18.30 Uhr) weiter an einer guten Position unter den besten Vier arbeiten, alle anderen dürften abgeschüttelt sein: Zuletzt der fünftplatzierte EC Bad Nauheim, dafür hat man selbst gesorgt. Und Tiilikainen ist guter Hoffnung, dass es weiter aufwärts geht: "Was das große Bild betrifft, haben wir einen Weg gefunden, unser Hockey zu spielen", sagte der Coach nach dem 4:1 gegen Bad Nauheim am Dienstagabend, und: "Wir haben das Momentum und die richtige Mentalität."

So glückt sogar ein Derby-Heimsieg gegen wie üblich zäh verteidigende Wetterauer. Dafür brauchte es für Tiilikainen fast zwei Löwen-Jahre und vier Anläufe. Noch wegweisender für den Saisonverlauf in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys wird im Rückblick trotzdem das vorangegangene Nachbarschaftstreffen gewesen sein. Vor dem Open-Air-Spektakel in Offenbach Mitte Dezember waren die Frankfurter in ihrem Reformprozess in eine Ergebniskrise und auf einen ungewohnten achten Rang abgerutscht. Hier und da wuchs die Sorge, der von etlichen Ausfällen gebeutelte Vorjahresfinalist könne gar das Viertelfinale verpassen. Stattdessen siegten die Löwen im Fußballstadion auf dem Bieberer Berg im Penaltyschießen gegen Bad Nauheim und fuhren in 20 Spielen seither 42 von 60 möglichen Punkten ein, die beste Bilanz der Klasse in dieser Zeit.

Damit sind sie plötzlich wieder drauf und dran, die Punktspiele erneut als Erster abzuschließen, wie im vorigen Jahr, als dieser Umstand einen Heimvorteil bis in die dann knapp verlorene Finalserie gegen die Ravensburg Towerstars garantierte. Während es in der selten ausgeglichenen Liga drunter und drüber geht, die Teams von den letzten Plätzen ständig die auf den ersten schlagen, die Abstände zwischen oben und unten ebenso ungewöhnlich eng sind wie jene in den verschiedenen Tabellenregionen, andere Schwergewichte wie Bietigheim oder Ravensburg taumeln, haben sich die Löwen in ihrem weitgehend stabilen Hoch wieder in vertraute Spitzenregionen begeben, trotz der Personalnot. Weniger kompliziert und riskant gespielt, stattdessen klarer nach vorne und hinten besser abgesichert - so einfach kann es gehen.

"Der Schlüssel zum Erfolg" ist für Tiilikainen, dass "wir die Defensive auf die Reihe" gekriegt haben. Kevin Gaudet, ehemaliger Bietigheimer Meistertrainer und am Sonntag mit dem zu einem Geheimfavoriten aufgemotzten EC Bad Tölz in Frankfurt unterlegen, urteilte ähnlich. "Wenn sie in Führung gehen, ist es ganz schwer, Chancen gegen sie zu bekommen", hatte der Besuch aus Bayern als besondere Löwen-Stärke ausgemacht.

Dabei ist das allzu leichte Verspielen von Vorsprüngen eine in der Klasse weit verbreite Schwäche, auch den Frankfurtern ist das oft genug passiert. Die Lektion scheinen sie aber gelernt zu haben. Und verlieren umgekehrt nicht die Fassung, wenn sie wie gegen Bad Nauheim mal in Rückstand geraten. "Wir glauben immer daran, dass wir noch ein Tor schießen", betonte Verteidiger Max Faber. Gaudet traut den Löwen so alles zu. "Wenn alle zurückkommen, müssen sie ins Finale kommen", sagt er, in Gedanken an die noch fehlenden Verletzten.

Ein wenig lichtet sich das Lazarett: Lukas Koziol trainiert wieder, mit Dominik Meisinger und Mike Fischer könnten zwei weitere Stürmer noch in den Punktspielen aufs Eis gehen und die zuletzt verwaisten Plätze im Kader bald stark umkämpft sein. Verstärkung für die Verteidigung ist auch gefunden, mit dem erfahrenen Finnen Markus Kankaanperä, der einstweilen den angeschlagenen Kanadier Steven Delisle vertritt. Damit die Abwehr stabil bleibt, beim Angriff auf die Spitze.

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