Bei der traditionellen Stadtrundfahrt vor der Saison für die ganze Löwen-Mannschaft darf auch der Apfelwein-Test nicht fehlen. Den neuen Stürmern Ryon Moser (von links), Dylan Wruck und Tomas Sykora scheint es zu gefallen.
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Bei der traditionellen Stadtrundfahrt vor der Saison für die ganze Löwen-Mannschaft darf auch der Apfelwein-Test nicht fehlen. Den neuen Stürmern Ryon Moser (von links), Dylan Wruck und Tomas Sykora scheint es zu gefallen.

Eishockey

Auf ein Neues

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Die Löwen Frankfurt unternehmen einen neuen Anlauf zum Aufstieg - mit neuem Kurs, neuem Coach und einem halbem neuen Kader.

Frankfurt -Bei seinen Reisen durch die Eishockey-Republik, die ihn bisweilen auch in deren erste Klasse führen, hat Franz-David Fritzmeier eine schöne Erfahrung gemacht. "Wir werden oben gewollt", kann der Sportdirektor der Frankfurter Löwen berichten von Gesprächen mit Verantwortlichen und auch mit Fans von DEL-Clubs wie den Mannheimer Adlern oder den Kölner Haien, die sich gerne an frühere Duelle und alte Rivalitäten erinnern und sich über ein Wiedersehen freuen würden. An den Löwen soll es nicht liegen: Der Aufstieg ist das Ziel des ambitionierten Zweitligisten. "Das muss man nicht drum herum reden", sagt Max Faber, gerade zum neuen Kapitän erkoren, vor dem Start in die DEL-2-Saison auswärts bei den Freiburger Wölfen an diesem Freitag (19.30 Uhr) und dem ersten Heimspiel am Sonntag (18.30 Uhr) gegen den ESV Kaufbeuren.

Auf ein Neues: Im zweiten Anlauf soll den Löwen gelingen, woran sie im ersten scheiterten. Als sich in der vergangenen Runde die Tür in die höchste Etage erstmals seit 2006 wieder öffnete, blieb ihnen der Durchgang versperrt, mit einer knappen Viertelfinalniederlage gegen die späteren Meister und Aufsteiger von den Bietigheim Steelers, am Ende einer schwierigen, von Coronasorgen und Verletzungspech geprägten Saison.

In den entscheidenden Wochen und Monaten kam zu viel zusammen, nach drei Jahren, die man darauf hingearbeitet hatte, erstklassige Strukturen rund um die Mannschaft geschaffen, selbst Talente wie Verteidiger Leon Hüttl entwickelt, die dann auch in der DEL eine gute Löwen-Rolle spielen sollten. Was sie nun an anderen Standorten tun: Hüttl und Co. fanden ihre eigenen Wege nach oben, ein halbes Dutzend früherer Frankfurter geht neuerdings bei Erstligisten aufs Eis, sie waren nicht zu halten- bitter für die Löwen, aber immerhin nebenbei auch ein Beleg für gute Aufbauarbeit am Ratsweg.

Ein kleiner,

aber feiner Kader

Dort verfolgt man jetzt einen anderen Kurs, statt nach dem notgedrungenen Aderlass wieder eine große, ausgeglichene Mannschaft mit vielen jungen Spielern zusammenzustellen. "Wir haben einen kleineren Kader, investieren aber mehr in die Spitze, im Rahmen der Möglichkeiten", erklärt Fritzmeier. So hat er Puckjäger nach Frankfurt locken können, die sich in der Liga schon einen Namen gemacht haben.

Dylan Wruck aus Heilbronn zum Beispiel, über die vergangenen beiden Jahre bester Scorer der DEL 2, Rylan Schwartz von den Lausitzer Füchsen oder Ryon Moser aus Kassel - drei Deutsch-Kanadier, die im letzten Test, dem Sieg im Penaltyschießen bei Ligarivale EC Bad Tölz, in einer Reihe stürmten. Dazu mit Matt Carey und Carson MacMillan kanadische Angreifer, die in der Vorbereitung schon Abschluss- und andere Qualitäten bewiesen haben und wie der Slowake Tomas Sykora aus der DEL kommen. Dazu mit Pierre Preto und Yannick Wenzel zwei vielversprechende, aber trotz ihrer Jugend schon recht erfahrene U24-Spieler.

"Die Offensive ist sehr gut besetzt", sagt Faber und gibt als Verteidiger unumwunden zu: "Das ist unser Prunkstück." Mit Bobby Raymond haben indes auch die Abwehrreihen erstklassige Verstärkung erhalten, mit Kevin Maginot zudem einen gereiften Rückkehrer aus Heilbronn. Und im Tor bekommt mit Jake Hildebrand aus den USA ein weiterer Neuzugang fürs Erste den Vorzug vor Bastian Kucis, der aber auch auf seine Einsätze kommen soll.

Elf alte, elf neue Löwen - und ein neuer Trainer: Bo Subr, der zuletzt die in der deutschen Oberliga Nord angesiedelten Tilburg Trappers aus den Niederlanden angeleitet hat. "Er macht einen sehr guten Job", lobt Fritzmeier den 41-jährigen Tschechen. Dessen Vorstellungen von Eishockey, kurz gefasst: "Möglichst viel den Puck haben. Wenn man den Puck nicht hat, ihn so schnell wie möglich zurückerobern." Und nicht zuletzt: "Immer ein Tor mehr schießen als der Gegner", schließt Bo Subr und lacht.

"Dann sind wir

schwer zu schlagen"

Eine erste Herausforderung hatte er schon vor dem Start zu bewältigen: Wegen mehrerer Coronafälle im Team war das Training kurzzeitig gar nicht und zeitweise nur eingeschränkt möglich. Was das für die ersten Saisonwochen heißt? "Wir wären gerne weiter gewesen, aber wir haben das Beste aus den Umständen gemacht und sind bereit", sagt Subr. Der kleine Kader könnte noch zum Problem werden, wenn die Löwen wieder so vom Verletzungspech verfolgt werden wie in den vergangenen Jahren. Erst einmal aber haben die namhaften Verpflichtungen Hoffnungen geweckt. Spannend wird sein, wie alte und neue Löwen zusammenfinden. "Wir haben viele erfahrene Spieler und wissen, wie wir Eishockey zu spielen haben", macht sich Kapitän Faber da keine großen Sorgen. "Wir müssen unser Spiel spielen. Dann haben wir eine gute Chance, jedes Spiel zu gewinnen", sagt er ganz generell, Fritzmeier klingt ähnlich: "Wenn wir die Balance halten, sind wir schwer zu schlagen."

Die Favoritenrolle wird den Frankfurtern traditionell gerne zugeschoben, diesmal kommt noch hinzu: Weil die einzigen beiden anderen Kandidaten aus Kassel und Dresden schon vor dem ersten Bully an Formfehlern bei der Bewerbung für die erste Liga scheiterten, sind sie die einzigen, die aufsteigen dürfen. Leichter wird es für die Löwen dadurch aber nicht - Meister müssen sie für den Aufstieg trotzdem werden. "Und das wollen fünf, sechs andere Mannschaften auch, die sich entsprechend verstärkt haben", sagt Fritzmeier.

Kassel, Ravensburg und Landshut schätzt er besonders hoch ein - zumal dort auch ordentlich investiert wurde. Und in Frankfurt, wo man wirtschaftlich gebeutelt ist von eineinhalb Corona-Jahren, "finanzielle Stabilität oberstes Gebot" bleibt, wie Gesellschafter Stefan Krämer gerade noch einmal betonte.

Dass der Aufstieg so oder so keine Selbstverständlichkeit ist, weiß man in Frankfurt nicht erst seit den Erfahrungen der vergangenen Saison, das Ziel aber ist klar - und gegen Favoritenrollen haben die Löwen auch nichts. "Ich finde es ja cool, wenn wir als die Großen angesehen werden", sagt Franz-David Fritzmeier schmunzelnd, "das ist mir lieber als andersrum". Kleinmachen schließlich muss sich in Frankfurt auch niemand.

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