1. Startseite
  2. Sport
  3. Löwen Frankfurt

Auf einem anderen Löwen-Level

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Markus Katzenbach

Kommentare

Löwen-Familie: Carter Rowney genießt es, sein Eishockey-Leben mit den Kindern zu teilen.
Löwen-Familie: Carter Rowney genießt es, sein Eishockey-Leben mit den Kindern zu teilen. © Jan Huebner

Carter Rowney ist der Anführer der Löwen und für viele Experten der beste Spieler der ganzen DEL. Von seiner Mannschaft und der Frankfurter Stimmung schwärmt er, nur das Rampenlicht mag er nicht.

Frankfurt -An den Moment der Zusage kann sich Franz-David Fritzmeier noch gut erinnern. Der Sportdirektor der Frankfurter Löwen war mit dem Auto unterwegs durch die Stadt nach Hause, als ihn ein Anruf von der anderen Seite des Atlantiks erreichte, mit einer kurzen, aber entscheidenden Nachricht. „Ja, ich mache es“, habe ihm Carter Rowney da mitgeteilt, berichtet Fritzmeier von dem Gespräch, recht kurz vor dem Start in die Saison der ersten Klasse des deutschen Eishockeys, für deren Verlauf aus Frankfurter Sicht diese Personalie von wegweisender Bedeutung war und ist, nicht nur für Fritzmeier: „Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt“, sagt der Manager.

Ziemlich genau vier Monate später sitzt Carter Rowney auf den Rängen der Eissporthalle am Ratsweg, mit einem intensiven Training in den Beinen. Die zwei freien Tage nach dem üblichen Spielterminstress rund um Weihnachten und Silvester - abgeschlossen von drei Begegnungen mit den ersten drei der DEL-Tabelle innerhalb von nur fünf Tagen - haben Kopf und Körper gut getan. Jetzt gilt es wieder in Schwung zu kommen. Und die bemerkenswerte Löwen-Reise der bisherigen Saison auch im letzten Drittel der Hauptrunde fortzusetzen, angefangen mit Spielen bei den Straubing Tigers an diesem Freitag (19.30 Uhr) und gegen die Kölner Haie am Sonntag (19 Uhr).

„Für ein Team, das neu in der Liga ist, ist es toll, da zu stehen, wo wir stehen, und es in die Play-offs schaffen zu können“, verbindet Rowney Zwischenbilanz und Ausblick, sonst schaut der 33-jährige Kanadier lieber auf den nächsten Gegner als weiter entfernte Ziele. Und auf Grundsätzliches: „Wir wissen, dass wir gegen jeden Gegner mithalten können, wir geben nie auf, kämpfen bis zum Ende, und wir kommen immer wieder. Darauf können wir stolz sein, das gibt uns Selbstvertrauen für die letzte Teilstrecke.“

Nach 38 von 56 Partien der langen Hauptrunde finden sich die Frankfurter auf dem neunten von 15 Plätzen wieder, weit entfernt von der Abstiegszone. Ohne Rowney würden sie nicht so weit oben stehen, er hebt die Löwen auf ein anderes Level. „Das ist Extraklasse. Er ist der Motor unserer Mannschaft“, sagt Manager Fritzmeier und beschreibt den unverzichtbaren Frankfurter Anführer so: „Er ist absolut bodenständig, steht voll im Leben, als ganz normaler Typ, mit einer super Familie. Er bringt sich voll ein, arbeitet hart, ist ein Vorbild für alle und nimmt sich dabei selbst gar nicht so wichtig.“

Für nicht wenige Experten ist Rowney schlicht der beste Spieler der Klasse, jedenfalls im Gesamtpaket als kompletter Stürmer, der vorne Tore schießt und auch nach hinten mitarbeitet. Und wohl auch einer der Besten, die in Frankfurt über all die Jahre dem Puck nachgejagt sind. Aktuell verbucht er die meiste Eiszeit aller DEL-Stürmer, gewinnt die meisten Bullys und ist bei Vorlagen, Toren und anderen persönlichen Statistiken vorne dabei - ohne dass ihn das größer interessiert.

Das Rampenlicht mag Carter Rowney gar nicht gerne. „Ich versuche, nicht darin zu stehen“, sagt er und lacht. „Alles, was ich will, ist meinem Team zu helfen zu gewinnen. Dafür bin ich hergekommen“, sagt er. Lange hat Manager Fritzmeier vor der Saison nach einem Center für seine erste Reihe gesucht, die Listen vertragsloser Spieler durchforstet, dabei Rowneys Namen gefunden und dessen Agenten kontaktiert.

Ansteckende Begeisterung

„Wir hatten drei, vier sehr gute, offene Gespräche im Sommer. Franz hatte auch viel Geduld mit mir. Ich wollte noch abwarten, was zu Hause in Nordamerika passiert“, berichtet er. Fünfeinhalb Jahre hatte er in der NHL gespielt, hochgearbeitet aus unteren Klassen, gleich nach der ersten halbe Runde mit den Pittsburgh Penguins den Stanley-Cup gewonnen, die begehrteste Trophäe der Eishockey-Welt, eher als Helfer der Stars statt in einer Führungsrolle wie bei den Löwen. Nun aber gab es keine passenden Angebote aus der Superstarliga, stattdessen Anrufe aus Frankfurt.

Was schließlich den Ausschlag gab? „Ich habe natürlich auch mit anderen Teams gesprochen. Die Begeisterung, die Franz mir vermittelt hat, über die Mannschaft, den Club und die Schritte, die man hier gehen will, hat mich aber auch gepackt, das war entscheidend“, sagt er. Mit Löwen-Kapitän Reid McNeill, vor sieben, acht Jahren bereits Kollege in der nordamerikanischen AHL bei den Wilkes-Barre/Scranton Penguins, hat Rowney auch gesprochen, mit Bekannten, die vorher schon in der DEL spielten, ebenso. „Wir haben viele Freunde hier, die Eishockey-Welt ist klein“, sagt er lächelnd. Die positiven Antworten ähnelten sich, was Stadt, Land und Liga angehen, Lebensqualität außerhalb des Eises, harten Wettbewerb darauf, in einer Klasse, in der „jeder jeden schlagen kann“.

Wie er selbst festgestellt hat, seitdem er nur zwei Tage nach der Landung mit der Familie aus British Columbia mit den Löwen in die Saison startete, mit einem 5:2-Coup in Wolfsburg, in einer Reihe mit Dominik Bokk und Brendan Ranford, die in der Liga ihresgleichen sucht. „Bei uns hat die Chemie vom ersten Spiel angestimmt, wir ergänzen uns sehr gut“, meint Rowney. „Die beiden Jungs machen mich besser, und ich hoffe, sie machen mich besser. Ich hoffe, das geht weiter so.“

Worauf es nun ankommt? Beständigkeit ist ein Stichwort für ihn. Der Umgang mit zwangsläufigen Aufs und Abs, das Lernen daraus. Einen Weg zum Gewinnen finden, wie es gute Mannschaften täten. Spezieller noch das Verteidigen von Führungen, was zuletzt beim furiosen 6:1 in Ingolstadt schon sehr gut gelang. „Da haben wir sie gut nach außen gedrängt“, meint Rowney. Und wenig Chancen zugelassen aus dem Highslot, der gefährlichen Zone vor dem Tor. „Wir müssen damit weitermachen, was funktioniert“, meint er. „Wenn wir darauf aufbauen, haben wir auch weiter Erfolg.“

Brett Breitkreuz wird zumindest am Wochenende nicht weiterhelfen können, vermutlich weiter darüber hinaus, nach seiner Verletzung aus Ingolstadt. „Die Diagnose spricht für einen längeren Ausfall. Aber da der Fuß im Schlittschuh steckt, könnte es auch schneller gehen“, sagt Fritzmeier, ohne ins Detail zu gehen. Hinter den Kulissen arbeitet er am Kader für die neue Saison, fünf U-23-Spieler hat er schon unter Vertrag, mit den Jungen geht es immer los. Und Rowney?

„Die Familie hat absolute Priorität“

Bei dem Ja-Wort für Frankfurt spielte die Familie eine maßgebliche Rolle, Frau Danielle war genauso gespannt auf dieses neue Kapitel. Mit den beiden Söhnen, dem fünfjährigen Anders und dem dreijährigen Brooks, ist sie fast bei jedem Heimspiel am Ratsweg, nur unter der Woche nicht unbedingt, wenn es zu spät wird für die Kinder. „Sie lieben Eishockey“, sagt Rowney. Und er liebt es, sein Eishockey-Leben mit der Familie zu teilen, die Kinder nach den Spielen mit aufs Eis und in die Kabine zu nehmen, in einer fast immer vollen Halle, deren Stimmung ihn ins Schwärmen geraten lässt - ebenso wie die Mannschaft, ihren gemeinsamen Spaß und Zusammenhalt, über den Sport hinaus.

Die Rowneys sind rasch angekommen in der Löwen-Familie, die Kinder spielen viel mit den anderen Spielerkindern. Auch über den Sommer hinaus? „Meine Familie hat die absolute Priorität“, sagt Carter Rowney über künftige Karrierefragen, und: „Sie hat mich unterstützt, als ich hierher kam, das ist großartig für mich. Und bis jetzt genießen es meine Frau und meine Kinder hier sehr.“ Kein schlechtes Anzeichen eigentlich für eine weitere wegweisende Löwen-Zusage.

Auch interessant

Kommentare