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Banges Warten auf das nächste Löwen-Bulletin

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Besorgte Nachfrage: Löwen-Kapitän Reid McNeill (links) bei Reece Scarlett, der einen Check gegen den Kopf abbekommen hat.
Besorgte Nachfrage: Löwen-Kapitän Reid McNeill (links) bei Reece Scarlett, der einen Check gegen den Kopf abbekommen hat. © Jan Huebner

Frankfurt fällt ein Stürmer nach dem anderen aus. Trotzdem sammelt der DEL-Aufsteiger wichtige Punkte.

Frankfurt -Das medizinische Bulletin gehört stets dazu. Keine Pressekonferenz ohne Erkundigungen nach dem Zustand einzelner Spieler, weil auch kaum ein Spiel vergeht, ohne dass es wieder einen Frankfurter Löwen erwischt hat. Wie geht es Reece Scarlett? So lautete die Frage am späten Sonntagnachmittag, und immerhin klang diesmal das, was Gerry Fleming dazu auf die Schnelle berichten konnte, etwas nach Entwarnung. „Ihm geht es schon viel besser“, erklärte der Löwen-Headcoach, „er hat noch ein bisschen Kopfweh“.

Möglicherweise ist es dem Frankfurter Verteidiger gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven besser ergangen als zuvor so manchem seiner stürmenden Kollegen - und vielleicht ist langsam auch das Ende einer bitteren Fortsetzungsgeschichte erreicht. In den sechs vorherigen Spielen schieden schließlich fünf Angreifer des Aufsteigers in die erste Klasse des deutschen Eishockeys verletzt aus, einer nach dem anderen, zumeist längerfristig. Und zu allem Überfluss handelte sich obendrein Ryan Olsen zwischendrin eine Fünf-Spiele-Sperre ein, umstritten in ihrer Länge, aber in jedem Fall vermeidbar und zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

„Da müssen wir jetzt durch“, nimmt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier die Verletzungspechsträhne pragmatisch. „Anderen Clubs ist es auch nicht viel besser ergangen.“ Was bleibt auch anderes übrig? Wobei es in Frankfurt ein spezielles Problem ist, dass von den Ausfällen fast nur Angreifer betroffen sind, von denen derzeit nun sechs von ursprünglich 14 fehlen.

Durch die ersten Saisonwochen waren die Löwen noch gut durchgekommen, nur Scarlett fehlte schon einmal länger - was auch dazu beitrug, dass die DEL-Neulinge einen beeindruckenden Start hinlegen konnten. Dann aber traf es zunächst Brendan Ranford, zum Zeitpunkt seiner Verletzung bester Scorer der ganzen Liga, dann mit Rylan Schwartz, Brett Breitkreuz und Nathan Burns nacheinander eine ganze vorher schwer auftrumpfende Sturm-Reihe, und in Düsseldorf am Freitag schließlich Ryon Moser - wobei abgesehen vielleicht von Burns keiner in den nächsten Wochen zurückkehren dürfte.

„Wir vermissen die Jungs. Aber dafür haben jetzt andere die Chance, sich zu beweisen, die diese Rollen sonst nicht spielen“, sieht Headcoach Fleming ähnlich pragmatisch wie Fritzmeier in der Notlage auch eine Gelegenheit. Tatsächlich hat David Elsner, zuvor aus Leistungsgründen nur auf der Tribüne, als Ranford-Vertreter prompt wichtige Tore geschossen, den zuvor so starken Kanadier ganz zu ersetzen allerdings ist kaum möglich. Auch Youngster Constantin Vogt kommt nun zu unverhofften Eiszeiten, und der in der Abwehr nicht immer überzeugende Simon Sezemsky bemüht sich als Aushilfsstürmer.

Umso wichtiger, dass Fritzmeier das Kunststück gelungen ist, mit Chad Nehring und Jerry D’Amigo zwei erfahrene Stürmer auf dem sonst weitgehend leer gefegten Transfermarkt für die Löwen gewinnen zu können. „Sie passen sehr gut rein“, lobt Fleming, zwölf Stürmer für einen normal gefüllten Kader indes bekam er gegen Bremerhaven trotzdem nicht mehr zusammen.

„Dabei macht uns ja eigentlich die Tiefe aus“, gibt Fritzmeier zu bedenken. Oft konnten seine Frankfurter gegen Ende der bisherigen Begegnungen noch einmal auftrumpfen, mit der gut verteilten Kraft aus vier Löwen-Reihen. Nun muss es anders gehen. Carter Rowney und Dominik Bokk aus dem Paradesturm standen 25 und 24 Minuten auf dem Eis, ungewöhnlich viel für Angreifer - was auf Dauer auch nicht unbedingt leistungsfördernd ist. Am Sonntag aber reichte es, sogar gegen ein Spitzenteam der DEL. Da wurde der Tabellenvierte aus Bremerhaven in einem umkämpften Spiel trotzdem niedergerungen, mit einem 2:1 und viel Löwen-Moral, so dass der Anschluss nach weiter oben und vor allem der große Abstand zur Abstiegszone gewahrt wurde, mit Platz sechs und stolzen 33 Punkten aus 20 Partien.

Gut auch, dass Bokk einen ähnlich harten Bremerhavener Check gegen den Kopf wie im Fall Scarletts gut weggesteckt hat. Der Jungstarstürmer, der zunehmend heftiger attackiert wird, darf nicht auch noch ausfallen, beim harten Programm der nächsten Tage für gelichtete Löwen-Reihen: Am Donnerstag (19.30 Uhr) kommt Champions-League-Teilnehmer Straubing nach Frankfurt, dann geht es gegen die Schwergewichte München und Mannheim. Mit Reece Scarlett? An diesem Dienstag stehen weitere Untersuchungen an. „Da müssen wir abwarten“, sagt Sportdirektor Fritzmeier. In der Hoffnung, dass das medizinische Bulletin nicht doch wieder schlechter ausfällt.

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