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Bereit für die schönste Zeit des Eishockey-Jahres

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Von: Markus Katzenbach

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Jubel über das erfolgreiche Hauptrunden-Ende und Vorfreude auf die Play-offs: die Löwen Rylan Schwartz (links) und Kyle Sonnenburg.
Jubel über das erfolgreiche Hauptrunden-Ende und Vorfreude auf die Play-offs: die Löwen Rylan Schwartz (links) und Kyle Sonnenburg. © Nadine Roith/Jan Huebner

Jetzt zählt es für die Frankfurter Löwen: Am Mittwoch beginnen die Alles-oder-Nichts-Spiele um Meisterschaft und Aufstieg. Eigentlich unter günstigen Umständen - wären da nicht die Sponsoren-Sorgen.

Frankfurt -Zumindest ein Frankfurter Löwe wird in den nächsten Tagen und Wochen ganz neue Erfahrungen sammeln. Markus Freis, der 18 Jahre junge Verteidiger, hat zwar gerade eine sehr ordentliche Hauptrunde in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys bestritten, aber eben noch nie Play-offs, die berühmt-berüchtigten Alles-oder-Nichts-Spiele um Meisterschaften und gegebenenfalls - wie nun in Frankfurt - auch um den Aufstieg. Jan Barta, der sich derzeit öfter mit Youngster Freis darüber unterhält, kann ihm da einiges erzählen, aus einiger Erfahrung. "Man soll es genießen", empfiehlt der vom Spieler zum Frankfurter Co-Trainer gereifte Ex-Profi. "Das ist die schönste Zeit im Eishockey. Die Sonne kommt ein bisschen raus, die Hallen sind voll, die Stimmung schon beim Warm-up super", schwärmt Barta und räumt ein: Natürlich heiße es immer, dass jedes Spiel zähle, man immer alles gebe. Aber in den Play-offs ist auch der Einsatz eben doch noch mal anders. "Dann", sagt Barta, "geht man den Extra-Schritt automatisch".

Für seine Löwen beginnt dieser besondere Abschnitt im Puckjägerjahr am Mittwoch (19.30 Uhr) mit dem ersten Heimspiel im Viertelfinale gegen den EHC Freiburg, eigentlich unter günstigen Umständen. Die 52 Spiele lange Hauptrunde haben sie auf dem ersten Platz beendet, mit 112 Punkten und den meisten der Frankfurter DEL-2-Geschichte, den meisten Toren und den wenigsten Gegentoren der Klasse und so trotz zwischenzeitlicher Schwankungen voll beeindruckender Werte. Vor allem könnten sie mit der Meisterschaft als Eintrittskarte das Tor nach oben zur DEL öffnen, als einzige Mannschaft, weil sie sich anders als die ebenfalls interessierte Konkurrenz aus Kassel und Dresden auch formvollendet für die erste Klasse bewarben. Und dann darf ja nach zwei Corona-Jahren gerade auch die Eissporthalle am Ratsweg wieder gefüllter sein - 4062 Zuschauer sind momentan erlaubt, nach dem 20. März vielleicht noch mehr.

Allerdings überschattet all das plötzlich ein Fragezeichen zur Frankfurter Zukunft, nach der Trennung von Großsponsor VTB - einer russischen Bank - infolge des Krieges in der Ukraine. Diese Saison ist gesichert, für die nächste, ob erst- oder zweitklassig, gilt das noch nicht ganz: Durch den Sponsorenverlust fehlt für die im Mai anstehende Lizensierung ein hoher sechsstelliger Betrag, wie Clubsprecherin Jana Duderstadt erklärt und mit einem Aufruf für etwaige Geldgeber verbindet.

Barta. Headcoach Bo Subr und die ganze Mannschaft wollen sich von derlei Sorgen nicht von ihrer großen Mission ablenken lassen. "Wir konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können", gibt Subr eine Antwort auf Fragen nach der Konkurrenz, die, was zumindest Trainer und Spieler betrifft, auch für Finanzthemen gelten könnte. Auch die anderen Viertelfinalserien, selbst das Hessenduell zwischen den Kassel Huskies und dem EC Bad Nauheim als möglichen Halbfinalgegner, beobachtet man allenfalls aus der Ferne.

"Wir schauen auf uns"; betont Subr, ebenso in taktischen Fragen: Der Fokus liege darauf, betont er "was wir selbst spielen können". Und nur auf dem ersten Termin am Mittwoch, Schritt für Schritt. Vier Siege braucht es in einer Best-of-Seven-Serie, als Hauptrundenerster genießen die Löwen zunächst Heimrecht. Am Freitag (19.30 Uhr) trifft man sich in Freiburg, am Sonntag (18.30 Uhr) wieder am Ratsweg.

Die Wölfe wiederum haben sich als Tabellenneunter in den Ausscheidungsspielen um die letzten beiden Viertelfinalplätze gegen den achtplatzierten ESV Kaufbeuren durchgesetzt, gegen die Löwen allerdings drei von vier Punktspielen verloren - zuletzt 0:6 beim Comeback des Frankfurter Ex-Kapitäns Adam Mitchell Ende Januar. Subr schätzt den Gegner unter anderem für taktische Variabilität und schnelle Gegenstöße, die gilt es zu unterbinden. Auch daran wird gearbeitet, seit nach drei freien Tagen für die Hauptrunden-Sieger am Freitag das Training wieder aufgenommen wurde. Wer das dann im Ernstfall umsetzen soll? "Wir haben eine bestimmte Formation im Kopf fürs erste Spiel", verrät Subr. "Dann schauen wir, wie es in Spiel zwei weitergeht."

Gut möglich, dass die Aufstellung jener vom 7:0 gegen Crimmitschau zum Ende der Hauptrunde ähnelt. Klar ist: Der große Kader ist komplett, trotz kleiner Wehwehchen hier und da sind alle einsatzbereit. Weshalb manche sogar draußen bleiben müssen. "Wir haben aktuell ein Luxusproblem", weiß Assistenzcoach Barta, "wir haben aber auch ein Ziel vor Augen: den Aufstieg. Dafür brauchen wir die Tiefe im Kader, das sehen die Jungs auch so." Herausforderungen bleiben genug. Im raschen Play-off-Takt die Klasse aufs Eis zu bringen beispielsweise, alle zwei, drei Tage, dabei immer konzentriert zu bleiben, das gelang den Löwen übers Jahr nicht immer. Und weiter weitgehend von Verletzungspech und Corona-Sorgen verschont zu bleiben, Barta klopft bei diesem Thema drei Mal auf den Holztisch: Auch darauf kommt es an, will man irgendwann Ende April das Aufstiegs-Traumziel für Meister erreichen. Die Spannung steigt, die Vorfreude ebenso. "Die nächsten sieben Wochen zählt es", sagt Bo Subr. "Wir sind bereit." Für die schönste Zeit des Eishockey-Jahres. Und neue Erfahrungen.

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